Stunk unter Kollegen – wenn’s im Büro mieft
Können einem manchmal ganz schön auf die Nase gehen: die Kollegen.

Stunk unter Kollegen – wenn’s im Büro mieft

Essensgeruch, Körperausdünstungen, Parfumschwaden – was tun gegen Geruchsbelästigung am Arbeitsplatz?

Wenn verschiedene Menschen auf begrenzten Raum zusammen leben und arbeiten, kommt es zwangsläufig zu olfaktorischen Differenzen. Das Tückische an jeglicher Art von Düften und Gerüchen ist eine evolutionsbedingte Funktion der Riechrezeptoren: Die Nase ist eines unserer wichtigsten Warnsysteme. Wir nehmen nur neue Geruchsquellen wahr, da diese mit einer potenziellen Nahrungsquelle oder Bedrohung verbunden sein könnten. Den Duftcocktail aus bekannten und/oder dauerpräsenten Gerüchen, mit dem wir uns tagtäglich umgeben, blenden Nase und Gehirn dagegen weitgehend aus.

Um den Teamgeist nicht allzu sehr zu strapazieren, hier ein kleiner Geruchs-Knigge für Büro & Co. – inklusive Tipps für den unangenehmen Fall, dass ein Kollege Quelle eines unangenehmen Dufts ist.

Essen
Klar, Mett- oder Heringsbrötchen im Büro ist nicht jedermanns Sache, Kohlrabi schmeckt deutlich besser als er riecht … und auch Krautgerichte oder Curry-Kompositionen sind schwierig – und werden in kleineren Betrieben ohne Kantine oder Gemeinschaftsküche zum lang anhaltenden Problem. Denn das riecht halt: verlockend für die einen, nervig für die anderen. Wenn das Essen am Arbeitsplatz erledigt werden muss, sorgen gemeinsame Esszeiten für mehr Harmonie. Vielleicht ergibt sich auch die Möglichkeit einer Koch-Gemeinschaft, in der abwechselnd einer zu Hause vorkocht und am nächsten Tag alle mitessen dürfen? (Natürlich nicht ganz unkompliziert im Zeitalter von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und differenzierten Ernährungskonzepten.) Self-Check: Am besten hilft die Frage in die Runde, ob der Essensgeruch stört. Wenn das bejaht wird, kann das ja auch der Anfang einer konstruktiven Lösungssuche sein.

Mundgeruch
Mundgeruch kommt zumeist vom Mundraum oder vom Magen. Bei Verdacht darauf ist erster Ansprechpartner der Zahnarzt, der gegebenfalls an einen Internisten verweist. Self-Check: Ist die Zunge belegt? Müffelt die Zahnseide nach der Benutzung? Dann könnten Sie unter Mundgeruch leiden. Wenn Sie es genau wissen wollen, atmen Sie in einen mittelgroßen, geruchsneutralen Kunststoffbeutel, den Sie dann in einem gut gelüfteten Raum langsam vor der Nase ausdrücken. Was Sie dann riechen, riechen andere, wenn Sie mit Ihnen reden. Übrigens: Auch zu wenig Essen kann Mundgeruch verursachen. Noch ein Grund, Hunger im Büro erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Achselschweiß
Wo gearbeitet wird, darf man auch mal schwitzen. Und das kann gerade im Sommer zum Problem werden. Unangenehm riecht auch nicht der frische Schweiß, sondern der, der sich in früheren Situationen gebildet hat und von Hautbakterien zersetzt wird. Und der, der unter Einfluss von Adrenalin und Cortisol in Stresssituationen entsteht. Self-Check: Wirkt das neue aluminiumfreie Deo auch zuverlässig? Das besser mal einen lieben Kollegen fragen. Oder frühmorgens nach dem Duschen am Shirt vom Vortag schnuppern. Gegebenenfalls Abhilfe schaffen antibakteriell wirkende Seifen, z. B. mit Lavendel, eine gute Wäschepflege (Baumwolle bevorzugen und bei höchstmöglicher Temperatur waschen) – und natürlich der Abbau von Stress.

Moder und Mief
Wenn Kleidungsstücke in muffigen, wenig gelüfteten oder leicht feuchten Räumen gelagert werden, riecht man das – manchmal leider erst, wenn Mensch und Kleidung im Büro angekommen sind. Self-Check: Schwierig. Es riecht ja wie zu Hause, die eigene Nase nimmt diesen Geruch also gar nicht mehr wahr. Wenn der Verdacht aufkeimt, dass man selbst Miefträger ist: Garderobe komplett bei höchster erlaubter Temperatur durchwaschen, ggf. Wäscheduft oder Hygienespüler dazu, vollkommen durchtrocknen lassen. Apropos: Manchmal müffelt auch die Waschmaschine. Deshalb diese regelmäßig auf Ablagerungen inspizieren, besonders Türgummi und -falz, und hin und wieder einen Reinigungsgang bei hoher Temperatur mit einem speziellen Waschmaschinenreiniger oder Natriumhypochloritlösung (DanKlorix) starten – ohne Wäsche.

Kaffee
Tja, auch das Büro-Kultgetränk riecht, wenn es getrunken wurde. Schwarz mehr als mit Milch. Wir essen einfach einen Keks dazu. Aber Achtung: Auch Schokolade kann stinken – und ist eine Qual für alle, die grad mitten in einer Diät stecken. Self-Check: siehe Mundgeruch.

Zigarettenrauch
Für nahezu alle Nichtraucher (und viele Raucher) ist die Aura des erkalteten Zigarettenrauchs, den nikotinabhängige Kollegen von Draußen ins Büro tragen, einer der widerlichsten Gerüche. Im Sommer ist es zwar nicht ganz so schlimm, doch rümpfen manchen Kollegen trotzdem ihre empfindlichen Nasen. Dagegen hilft leider auch nicht viel, außer: Zigarette möglichst weit weg vom Körper halten. Ausatmen nie gegen den Wind, eh klar. Beim Reinkommen Jacke draußen lassen. Pfefferminzbonbon einwerfen. Die nächste Stunde vor sich hinarbeiten. Oder gleich wieder raus, eine rauchen. Self-Check: Wer raucht, riecht danach. Da gibt es nichts zu checken.

Parfum
Sie benutzen Ihren Duft schon sehr lange? Dann könnte es sein, dass Sie ihn selbst kaum noch riechen, ihre Mitmenschen dagegen schon mehr oder weniger diskret zu husten beginnen, wenn sie den Raum betreten. Self-Check: Parfums aus überwiegend natürlichen Inhaltsstoffen verduften schneller als synthetische Kompositionen. Letztere manifestieren sich besonders in Jacken, Schals, Tüchern und anderen Kleidungsstücken, die nicht ganz so häufig gewaschen werden. Am besten morgens erst die Nase in den Vorratsbehälter mit den Kaffeebohnen stecken (neutralisiert die Riechrezeptoren) und dann an der Kleidung riechen beziehungsweise das Parfum auftragen. Und: Immer mal wieder die Duftsorte wechseln, damit der Gewöhnungseffekt gar nicht erst eintritt.

Wie sag ich’s meinen Kollegen?

Das kommt auf die Art des diagnostizierten Geruchsproblems an. Heikel ist es aber natürlich immer, und schon so manche einst gute Bürobeziehung hat an der Thematisierung des Problems empfindlich gelitten.

Grundsätzlich gilt: Sich auszutauschen, wenn der oder die Betroffene nicht im Raum ist, ist weder hilfreich noch zielführend, sondern grenzt an Mobbing. Also entweder das Thema direkt ansprechen. (Am besten dazu aus der Gruppe einen diplomatisch Begabten aussuchen, der dann ein behutsames Gespräch unter vier Augen führt. Keine leichte Aufgabe, davon hängt es schließlich ab, ob das Gegenüber verärgert oder vielleicht sogar dankbar für den Hinweis ist. Diskretion in der Gruppe versteht sich anschließend von selbst.) Oder auf die Kraft dezenter Hinweise bauen. Das kann eine wortreiche Ausführung über die eigene Geruchsproblematik und die umgehend eingeleiteten Gegenmaßnahmen sein. Oder aber dieser Artikel, der unübersehbar auf dem Bildschirm zu sehen ist. Er lässt sich übrigens auch ausdrucken – erhöht zwar den CO2-Ausstoß geringfügig, trägt aber vielleicht zu einem besseren Büroklima bei.