Stürmische Zeiten
Schlechtes Wetter? In der Tasche von Leonhard Heyden sind alle Habseligkeiten sicher.

Stürmische Zeiten

Man muss nicht gleich das Ende der Welt heraufbeschwören oder in den Chor der Unkenrufe einstimmen, aber: Das Wetter war früher auch schon mal besser. An manchen Tagen zumindest. Wobei wir jetzt nicht jammern wollen, wenn die Sonne mal nicht scheint und es immer am Wochenende regnet. Was unser aber doch ein bisschen mehr Sorgen machen kann, sind diese Unwetter – richtig, richtig heftige Unwetter. Hagelschauer mit den berühmten Tennisball-großen „Körnern“, Starkregen, der ganze Landstriche überflutet, Schlammlawinen, die durch Ortschaften rollen und orkanartige Böen, die Dächer abdecken und Bäume umstürzen lassen. Ja, sogar Tornados wurden schon in Deutschland gesichtet. Was kann da also noch alles auf uns zukommen?

Was sagen die Experten?

Meteorologen und Klimaforscher sind sich nicht einig, auch wenn immer wieder zu lesen ist, dass Extremwetter wie Starkregen auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Wetterschwankungen innerhalb von 30 Jahren und weniger gelten für seriöse Experten aber nicht als Trend. Die einen sprechen allenfalls von „Indizien“ oder „möglichen Entwicklungen“, andere sagen, dass starke Regenfälle in den vergangenen Jahrzehnten bereits um den Faktor 1,7 zugenommen hätten. Aber was nützen einem Beschwichtigungen auf der einen Seite und üble Langzeitprognosen auf der anderen, wenn das nächste Unwetter vor der Haustür steht? Nun, zunächst einmal sollte man auf die Warnungen hören. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dass die Unwetterzentralen und Wetterdienste nach schlechten Erfahrungen und vielen Vorwürfen lieber zu früh und zu pauschal den Zeigefinger heben: Genau prüfen sollte man die Lage schon. Vor allem, wenn man eine größere Aktion draußen vor hat und sich nicht dem Wetterchaos ausliefern will.

Was nützen Warnungen?

Katastrophenschutz, Feuerwehr und Polizei werden früh gewarnt und informiert, damit sie rechtzeitig ausrücken können – um die Schäden zu beheben. Und wie wird der Bürger gewarnt? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat ein Warnsystem eingerichtet, dass nicht nur pauschal ganze Landkreise vor Unwettern gewarnt, sondern einzelne Gemeindegebiete. 10.000 Gebiete sind auf dem Radar der Meteorologen. Über eine Warnwetter-App des DWD kann man sich über Unwetter informieren. Aber selbst wenn man – zum Teil auch über Radiostationen – Bescheid weiß: Wenn veraltete Abwassersysteme den Fluten eines Starkregens nicht standhalten können oder der Boden durch den Regen bereits so aufgefüllt ist, dass das Wasser nicht versickern kann und sich einen eigenen Weg sucht – hat man dann einfach nur Pech gehabt?

Wie auch immer: Auch ein Blick auf den Regenradar oder die Seite der Unwetterzentrale kann auf jeden Fall nicht schaden. Und wenn man dann mitten im Unwetter drinsteckt, sollte man zumindest grob wissen, was man tun und lassen sollte.

Zu Fuß im Gewitter

Ohne fahrbaren Untersatz mitten in der Walachei ist man dem Wetter am meisten ausgesetzt, weil man am langsamsten flüchten kann. Was also tun? Buchen suchen und Eichen weichen? Dieser alte Spruch ist natürlich Unsinn, denn Baum ist Baum – es kommt nur auf die Höhe und das Umfeld an.

• In einem gleichmäßig hohen Wald ist die Blitzeinschlaggefahr geringer als bei vereinzelten Bäumen auf freiem Feld.
• Ob im Wald oder freiem Feld: mindestens 10 Meter Abstand von Bäumen halten.
• Eine Mulde suchen und sich mit geschlossene Füßen hinhocken, nicht -legen!
• Metallmasten und Freileitungen können schützen, wenn man 3 Meter Abstand hält.
• Auch von anderen Menschen sollte man mindestens 3 Meter entfernt sein.
• Besser keinen Schirm aufspannen, der ein Ziel für Blitze sein kann.
• Golf- und Fußballplätze bei drohendem Gewitter sofort verlassen.
• Im und auf dem Wasser ist es am gefährlichsten, weil Wasser einen Blitzschlag mehr als 100 Meter weiterleiten kann.
• Und im Gebirge: Felswände nicht berühren, sondern am besten einen Vorsprung suchen und mindestens einen Meter Abstand halten.
• Die Faustregel ist übrigens: Die Sekunden zwischen Blitz und Donner geteilt durch 3 = Entfernung des Gewitters. Dauert es zum Beispiel 9 Sekunden zwischen Blitz und Donner, ist das Gewitter 3 Kilometer weit weg.

Mit dem Auto im Unwetter

Dass man im Auto geschützt ist, weil es ein Faradayscher Käfig ist, der die Blitzenergie außen ableitet, stimmt. Aber so einem ordentlichen Hagelschlag ist man – beziehungsweise das Auto – unterwegs schutzlos ausgeliefert. Sich unter Autobahnbrücken unterzustellen ist nämlich nicht erlaubt. Die Rechtsprechung lässt dies nur in „völlig irregulären Verhältnissen“ wie etwa bei Falschfahrern zu.

• Um vor der Blitzenergie geschützt zu sein, sollten die Fenster logischerweise geschlossen sein.
• Sicherheitshalber keine nackten Metallteile im Auto berühren.
• Bei Starkregen am besten so schnell wie möglich einen Parkplatz ansteuern.
• Bis dahin runter vom Gas, denn oft kommt es zu Aquaplaning.
• Das ist auch für die Versicherungen wichtig, die nicht jeden Schaden übernehmen.
• Außerdem: Ein Auto ist nicht wasserfest. Also tiefe Pfützen und Lachen meiden, weil ein Motorschaden droht, wenn Wasser von unten eindringt.
• Bei Wind und Sturm nicht durch den Wald fahren.

Wie sicher ist man daheim?

Im Haus ist man in der Regel gut geschützt vor Unwettern – wenn man ein paar Dinge beachtet. Der beste Schutz im Gewitter ist ein Blitzableiter auf dem Dach und ein installierter innerer Blitzschutz.

• Trotzdem sollte man den Kontakt mit Metallleitungen meiden und teure elektronische Geräte ausstecken.
• Besser nicht duschen oder baden, da Wasserrohre Blitzstrom weiterleiten, auch wenn die Gefahr in den meisten Haushalten minimal ist.
• Gespräche über Schnurtelefone lieber bleiben lassen, da die Spannung bei einem Blitzeinschlag in der Umgebung des Hauses auch auf die Telefonleitung überspringen kann.
• Telefonieren übers Handy oder schnurlose Festnetz sei allerdings völlig unbedenklich, sagen Experten.
• Fenster geschlossen halten, wenngleich ein Kugelblitz, der durchs Zimmer schießt, ein seltenes Risiko darstellt.
• Hausbesitzer unterliegen der Verkehrssicherungspflicht, können also haftbar gemacht werden, wenn andere durch losgelöste Ziegel oder morsche Äste zu Schaden kommen.
• Auch Blumenkästen und Gartenhäuschen müssen gesichert sein. Abflüsse an Kellereingängen dürfen nicht verstopft, Kellerfenster und Lichtschächte müssen abgedichtet sein.

Und was ist mit den Versicherungen?

Wird also alles immer schlimmer mit dem Wetter? Ja und nein. Im Extremjahr 2015 mussten Versicherungen 21 Milliarden Euro für Unwetterschäden zahlen, wobei es heißt, dass im Bundesschnitt nur 40 Prozent aller Hausbesitzer eine Police gegen Elementarschäden hätten. Welche Versicherung welchen Schaden übernimmt und auf was man als Kunde alles achten muss, hat die Verbraucherzeitschrift „test“ hier zusammengestellt. Ein Drittel der Schäden des Jahres 2015 ging laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft allein auf das Konto von „Niklas“. Der Sturm war im März 2015 mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 192 km/h unterwegs. Allerdings hatten im Jahr 2013 vor allem Hagelschäden und Hochwasser 5,9 Milliarden Euro Versicherungsschaden verursacht. Die Orkane „Vivian“ und „Wiebke“ im Jahr 1990 sogar 8,3 Milliarden.

Und doch verweisen die Versicherer, die ja neben den Betroffenen ein dringendes Interesse an Ursachenforschung haben, auf eine Studie von Klimaforschern, wonach Sturmschäden bis zum jahr 2100 um mehr als 50 Prozent zunehmen könnten. Besonders heftige Stürme könnten alle zehn Jahre, statt wie bisher alle 50 Jahre vorkommen. Wir nehmen’s zur Kenntnis – und freuen uns derweil über jeden schönen Tag, den wir ganz unbeschwert draußen verbringen können.