Spaß auf Rädern heißt: Downhill, Dirtbike und Slopestyle

Spaß auf Rädern heißt: Downhill, Dirtbike und Slopestyle

Stuttgart an einem nebligen Morgen. Zwei Jungs, um die sechzehn Jahre alt, laden ihre Dirt Bikes am Marienplatz auf den Fahrradanhänger der Zahnradbahn. Mit der „Zacke“ geht’s zwei Kilometer bergauf bis nach Degerloch. Nach ein paar Minuten sind die 220 Höhenmeter überwunden. Für die Jungs fängt der Spaß aber erst an: Fahrrad startklar machen, Helm auf, Handschuhe an – und dann geht’s in vollem Tempo auf schmalen Waldwegen den „Woodpecker-Trail“ hinab. Mit Adrenalin pur.

Der Stuttgarter „Woodpecker-Trail“ ist die bundesweit erste legale Downhill-Strecke, die von einer Kommune betrieben wird. Die am 1. November 2015 eingeweihte Strecke misst ungefähr einen Kilometer Länge. Auf der Jagd ins Tal überwinden die Fahrer rund 120 Höhenmeter – für den Spaßfaktor gespickt mit einigen Kurven und Rampen. Dirt Bikes kommen aber nicht nur auf abschüssigen Wegen in Stuttgarts Wäldern zum Einsatz.

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Blankes Entsetzen in bester HD-Qualität

Bei der Funsportart Dirtjump stehen krasse Stunts und halsbrecherische Action im Vordergrund. Die mit dem Dirtjump eng verwandte Slopestyle-Variante verschärft den ohnehin schon rasanten Sport noch mit Elementen aus dem Downhill. Die Tricks in der Luft mit BMX oder Dirt Bike über Schanzen und von Rampen (in der Fachsprache Tables und Doubles) entlang der Trails (dt. „Strecken“) nennen sich Backflip, Barspin oder Tailwhip (um nur eine kleine Auswahl zu nennen) – und setzen extrem viel Übung und Wagemut voraus. Dabei drehen sich die Fahrer vertikal um die eigene Achse, lassen ihr Fahrrad um den Lenker kreisen oder ihren Lenker wie einen Wirbelwind um die eigene Achse rotieren. Einige Sprünge der professionellen Dirt Biker, die besorgten Müttern das blanke Entsetzen ins Gesicht treiben dürften, lassen sich in bester HD-Qualität auf YouTube bestaunen.

Damit das Bike die Stunts gut übersteht, muss es super wendig und extrem stabil sein. Darum haben Dirt Bikes meist einen kleineren Rahmen (zwischen 12 und 16 Zoll) als normale Mountain Bikes. Größere Touren sind mit diesen Gefährten definitiv nicht drin, denn Dirt Bikes haben oft keine Gangschaltung (im Fachjargon Single Speed) und lediglich eine Hinterradbremse – störende Kabel der Vorderradbremse würden bei manchen Tricks verhindern, dass sich der Lenker um die eigene Achse dreht.

Zehn Meter weite Sprünge – mit und ohne Federung

Damit die Bikes bei den meterhohen Sprüngen schnell und leicht aufsteigen können, ist jedes Gramm entscheidend. Darum kommen auf ebenen Strecken oft Reifen mit nur wenig oder überhaupt keinem Profil zum Einsatz – das hilft auch beim Beschleunigen. Manche Spitzenfahrer aber wollen auf die Gangschaltung nicht verzichten, da sie nur so schnell genug Fahrt aufnehmen können, um ihre Tricks sauber und sicher über den Table zu bringen. Um die zum Teil zehn Meter weiten Flüge abzufedern, ist eine Federgabel eigentlich Pflicht – einige Profis aber bevorzugen eine starre Vordergabel, damit sie den Schwung der Landung gleich für den nächsten Anlauf nutzen können.

Blessuren gehören bei diesem Sport dazu, und auch gefährlichere Verletzungen können durchaus passieren. Um die Sprünge sauber hinzubekommen, ist viel Übung notwendig – und natürlich die richtige Sicherheitsausstattung. Empfehlenswert: Bevor man sich todesmutig auf den Trail begibt, ein Fahrtechniktraining absolvieren oder Rat bei Spezialisten suchen – damit die ersten Sprungversuche nicht gleich in der Notaufnahme enden.