Siesta im Büro
Ein Nickerchen im Büro? Während der Mittagspause kein Problem! (Tasche: Leonhard Heyden)

Siesta im Büro

Chefs sehen es vielleicht nicht so gern, aber wir haben doch alle schon mal drüber nachgedacht: mittags einfach für eine Viertelstunde die Augen schließen und Energie tanken. Und so ein Nickerchen hat nichts mit Faulheit zu tun.

Unser Biorhythmus hindert uns daran, den ganzen Tag volle Leistung zu bringen. Auch tagsüber gibt es Phasen, in denen die Konzentration nachlässt. Besonders schlimm ist es nach dem Mittagessen. Zwischen 12 und 14 Uhr hängen wir durch, und ein zu voller Bauch verstärkt dieses Mittagstief noch. Vor allem an heißen Sommertagen – man denke zurück an die jüngsten Hitzerekorde – lässt die Leistungsfähigkeit über den Tag schnell nach. Im Süden Europas gibt es dafür längst eine Lösung: Während der Siesta verschläft man die schlimmste Mittagshitze einfach. In Deutschland schleppen wir uns dagegen mit viel Koffein durch den Tag. Kaffee hält uns dabei vielleicht wach, wirklich gut fühlen wir uns damit aber nicht.

Kurz mal „nappen“

Was wirklich hilft, ist laut Schlafforschern ein „Powernap“, also ein kurzes Nickerchen. Das steigert die Konzentration und Leistungsfähigkeit. Also besser direkt nach dem Mittagessen keine Termine vereinbaren. Stattdessen während der Mittagspause das Telefon leise stellen, die Beine hochlegen, zurücklehnen und Augen zu. Musik auf den Ohren oder Geräusch unterdrückende Kopfhörer können die typischen Bürogeräusche ausblenden. Das Schläfchen sollte aber auf keinen Fall zu einem ausgewachsenen Mittagsschlaf ausgedehnt werden. Maximal eine halbe Stunde darf ein Powernap dauern. Sonst rutscht man in die Tiefschlafphase. Wer erst danach wieder aufwacht, fühlt sich unter Umständen sogar schlapper als zuvor und braucht eine Weile, bis er wieder fit ist. Außerdem könnte es nach einem zu ausgedehnten Nickerchen Ärger mit Arbeitgeber und Kollegen geben …

Nicht verschlafen

Keine Angst vorm Verschlafen: Es gibt einige Tricks, um rechtzeitig wach zu werden. Am einfachsten ist es natürlich, sich einen Wecker zu stellen. Wer Sorge hat, den zu überhören, kann seinen Schlüsselbund in die Hand nehmen. Wenn wir in die nächste Schlafphase fallen, lässt die Körperspannung nach und der Schlüsselbund fällt scheppernd zu Boden. Ein weiterer Trick: Vor dem Nickerchen einen Kaffee trinken. Die Wirkung des Koffeins setzt nach 20 bis 30 Minuten ein – als genau rechtzeitig, um dann erholt wieder an die Arbeit zu gehen.

Wenn das Mittagstief also das nächste Mal anklopft, ruhig mal einen Powernap einlegen oder wenigstens eine Viertelstunde dösen. Und danach geht es produktiv und konzentriert weiter. Und dagegen sollte doch eigentlich kein Arbeitgeber etwas einzuwenden haben. Oder?

Was sagt der Chef dazu?

Während der Mittagsschlaf in deutschen Büros eher unüblich ist, ist in Japan ein Schläfchen am Arbeitsplatz nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Denn wer so erschöpft ist, dass er einschläft, der arbeitet auch hart – so sehen es zumindest die Japaner. Und auch in US-amerikanischen Unternehmen setzt sich die Powernap-Kultur immer mehr durch. Da gibt es teilweise sogar Ruhe- und Schlafräume für die Mitarbeiter. In Deutschland sind wir längst noch nicht so weit. Ein Mittagsschläfchen zu halten, gilt in vielen Unternehmen nach wie vor als Ausdruck von Trägheit und Faulenzerei. Doch obwohl es verpönt ist, spricht arbeitsrechtlich grundsätzlich nichts gegen einen Powernap im Büro – solange er während der Mittagspause (!) abgehalten wird. Denn die Mittagspause gilt nicht als Arbeitszeit, sondern als Ruhepause. In einigen Branchen gibt es aber Ausnahmen und Sonderregeln. Wer auf Nummer sicher gehen will, bespricht am besten mit dem Arbeitgeber, welche Pausenregelung gilt und was in der Pause erlaubt ist.