Schon gecheckt?
Wo ist es noch günstiger? Gut, dass wir vergleichen können, oder?

Schon gecheckt?

Vergleichende Verkaufsportale tummeln sich im Netz wie Pilze im Wald. Biallo, Smava, Weg.de, Kayak oder Idealo heißen die häufig marktschreierischen Schaltungen im Fernsehen, die uns in vielen Werbeblöcken ziemlich auf den Geist gehen können. Dabei stechen besonders zwei Unternehmen hervor, die Platzhirsche der Branche: Verivox und Check24.

Es geht um Strom- oder Gasverträge, um Policen bei Kfz-Versicherungen, um Ratenkredite oder Reisebuchungen. Auf diesen Feldern hat sich ein gigantischer Markt entwickelt mit großen Internetunternehmen, die oft aus einem kleinen Start-up entstanden sind. „Wir sind keine Stiftung Warentest“, betonte Check24-Gründer Heinrich Blase in einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit“. Seiner Ansicht nach aber ist sein Portal für die Verbraucher sogar von höherem Nutzen als die kritische Institution Stiftung Warentest.

Mit Verbraucherschutz hat das nichts zu tun

Doch mit klassischem Verbraucherschützern und deren Vergleichsportalen haben diese Unternehmen nichts gemein. Der wichtigste Kritikpunkt, von dem immer wieder zu lesen ist: Bei Check24 & Co. steht beim Suchen ganz oben in der Ergebnisliste, wer am meisten dafür bezahlt.

Nach Meinung der Verbraucherschützer treiben es Verivox und Check24 besonders dreist. Bei Verivox ist eine Promi-Figur das Werbemaskottchen – früher die kölschen Geissens, heute ein berühmter Berliner Comedian, dessen Name uns gerade nicht einfällt, der die Vorzüge des Angebotes erklärt. Hört man genau zu, ist deutlich zu erkennen, dass dies ein Verkaufsportal und kein Vergleichsportal ist, auch wenn immer wieder werblich von Vergleich gesprochen wird.

Das Konzept bei Check24 ist etwas anders. Dort wird von einer ach so lustigen Familie in verschiedenen Kurzgeschichten gezeigt, wie man Nutzen aus dem Angebot ziehen kann. Gerade Check24 gibt sich stark als neutrales Vergleichsportal: „Hier checke ich alles“, heißt es immer wieder im Slogan der TV-Truppe. Also Checken im englischen Sinne für Suchen, Vergleichen, Überprüfen.

Manche Portale sind im Visier der Justiz

Doch das ist wohl eher eine Verbrauchertäuschung. Alle Portale geben sich zwar betont objektiv, sagte Dorothea Mohn von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin in einem Zeitungsinterview. Doch die Portale verdienen ihr Geld nicht mit Preisvergleichen, das müsste ja der Leser oder Verbraucher bezahlen, sondern von einem Produkt, das über Ihre Seite verkauft wird. Das ist ähnlich wie Finanzberatern der Banken, die für ihre Beratung Provision kassieren. Verivox und Check24 sind die reinsten Verkaufsmaschinen, kritisiert Michael H. Heinz Chef des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute diese Masche. Vor geraumer Zeit sind gerade diese beiden Portale ins Visier der Politik und der Justiz geraten. So verpflichtete der Bundesgerichtshof wie auch das Oberlandesgericht München sie im vergangenen Jahr zu mehr Transparenz beim Anbieten von Versicherungen.

Beide Unternehmen sind richtige Imperien, die rasant wachsen. So stieg etwa der Umsatz des Marktführers Check24 im Geschäftsjahr 2014/15 um 60 % auf 330 Mio. Euro, im Folgejahr waren es dann schon 500 Mio., schreibt „Der Spiegel“. Um dieser Geschäftemacherei etwas entgegenzusetzen, haben mehrere Krankenversicherungen ein eigenes Vergleichsportal gegründet, das ohne Provisionen funktionieren soll. Doch der Druck ist groß: Viele Versicherer überlegen genau, ob sie es sich es leisten können, in der Liste eines Online-Rankings der genannten Verkaufsportale nicht aufzutauchen. Und gerade das passiert, wenn sie Provisionen verweigern. Die Verbraucher merken davon in der Regel nichts.