Schaun mer mal!
Gemeinsam gucken und darüber reden – auch eine schöne Form der Erziehung.

Schaun mer mal!

19.30 Uhr, Disney Channel. Es läuft „Camp Kikiwaka“ oder „Miraculous“ oder eine der sonstigen Serien, die meine Töchter ( 9 und 12 Jahre alt ) gerne sehen, bevor sie ins Bett gehen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, diese Serien mit ihnen zu gucken, obwohl ich mich dabei tödlich langweile und mich der Stumpfsinn mancher Dialoge irgendwas zwischen nervös und fassungslos macht. Aber ich finde es wichtig, diese Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Außerdem kann ich dann gleich den einen oder anderen Kommentar zum Geschehen in der Kiste anbringen. So ist das gemeinsame Fernsehschauen für mich wichtiger als irgendwelche Verbote auszusprechen oder die Kinder mit meinen Vorstellungen von „gutem Fernsehen“ zu belehren, bis sie die Lust daran verlieren.

Ich glotze, also lerne ich

Apropos „gutes Fernsehen“. Was ist eigentlich gut oder schlecht? Und wann wird es schädlich? Wir schauen auch gemeinsam Nachrichten. Wir finden, auch schlechte Nachrichten sind wichtig, und unsere Kinder müssen lernen, damit umzugehen. Dennoch kontrollieren wir, was sie dann genau sehen und hören – und schalten um, wenn beispielsweise Kriegsbilder oder Bilder von verletzten Kindern zu sehen sind. Aber nur wenn unsere Kinder eine Ahnung bekommen von dem, was in der Welt passiert, verstehen sie auch die Lage des syrischen Flüchtlingskindes, mit dem sie sich die Schulbank teilen.

Aber nun zum Bildungseffekt, der dem Fernsehen ja generell eher abgesprochen wird: Natürlich würde ich mir wünschen, dass meine Kinder sich nur auf ARTE oder 3Sat und GEO TV rumtreiben. Machen sie auch ab und zu – aber eben nicht immer. Und seit es SMART TV gibt, haben sich die Grenzen ohnehin verschoben. Man konsumiert nicht nur, was die Sender servieren. Sondern man schaut, wann man will, was man will – und auch das haben meine Kinder schon gelernt. Im (aus Elternsicht) Schlechten wie im Guten. Schließlich gibt es heute unzählige Möglichkeiten, auf Dokumentationen und Wissensbeiträge zurückzugreifen, die für die Kinder interessant sind und ihren Horizont erweitern.

Auch hier finde ich es wichtig, dass das gemeinsame Schauen zum Erlebnis wird, man sich währenddessen austauscht, kommentiert, sich lustig macht, wundert, fragt … und so auch eine Auseinandersetzung stattfindet, die manchmal weit über die eigentliche Sendung hinaus reicht. Dann hat das Fernsehen ja durchaus einen Lerneffekt. Und ganz nebenbei ist Fernsehzeit oft auch noch Kuschelzeit – etwas, was ja auch mit steigendem Alter der Töchter immmer weniger wird …

Natürlich kommt es hin und wieder auch mal vor, dass meine Frau und ich unsere Ruhe haben wollen und wir die Kinder alleine vor der Glotze „parken“. Allerdings haben wir dann zuvor genau ausgesucht, was geguckt wird – und natürlich, dass es altersgerecht ist.

Mindestens ebenso wichtig ist für uns, wie lange bei unseren beiden Mädels Showtime ist. Dabei zählt für mich allerdings der Gesamtkosum. Schließlich gibt es heute Handys, Tablets und Computer – tägliche Begleiter, vor und mit denen täglich ein nicht unwesentlicher Teil der Zeit verbracht wird. Einen festen Zeitrahmen pro Tag habe ich nicht; ich mache das von der Verfassung meiner Kinder abhängig. Das heißt jetzt nicht, dass ich sie drei Stunden nonstop schauen lasse. Ich denke, jeder Elternteil weiß da selbst am besten, was er seinem Kind zugestehen (bzw. -muten) kann und was nicht.

Leben vs. Fernsehen

Hört sich nach Binsenweisheit an, ist aber vermutlich doch wahr: Von all der Zeit, die man verbringen kann, sind die Stunden draußen in der Natur oder mit Freunden doch wohl immer noch die schönsten. Zumindest erlebe ich das so mit meinen Kindern. Schließlich gibt es nach wie vor nichts Spannenderes als das „wahre Leben“ – und diese selbst erlebten Episoden sind es, an die sie sich später intensiv erinnern. Hoffen wir einfach mal 🙂

Tipps zur Medienerziehung

Klare Regeln

Wie in allen Bereichen der Kindererziehung gilt auch beim Fernsehkonsum: klare Regeln setzen, absprechen … und dran halten. Eine schöne Regel ist zum Beispiel, nach einer Sendung das Gerät abzuschalten: bewusstes Sehen statt gedankenlose Dauerberieselung. Ebenso kann man auch klar trennen zwischen gemeinsamen Mahlzeiten und TV-Konsum. Wann und wieviel, obliegt Ihrer Entscheidung.

Betreutes Fernsehen

Es empfiehlt sich, Kinder nicht komplett allein fernsehen zu lassen – seien Sie also zumindest mit im Raum. Je nach Alter braucht ein Kind mal mehr, mal weniger Einordnung, um das Gesehene zu verarbeiten. Zudem lernt ein Kind nur dann, was „gutes“ und „schlechtes“ Fernsehen ist, wenn es dafür Maßstäbe vermittelt bekommt. Bei der altersgerechten Auswahl und Beurteilung hilft nicht zuletzt die Altersempfehlung für Filme.

„Guilty Pleasures“

Fernsehen kann bilden. Es darf aber auch unterhalten – gelegentlich sogar ganz ohne Bildungsanspruch. Auch Kinder dürfen sich mal Quatsch anschauen. Sie sollten allerdings wissen, welche Sendungen Quatsch sind.

Kommunikation ist das A und O

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Sendungen Sie gut finden – und auch warum. Schauen Sie mit und unterhalten sich über Gesehenes. Nachrichten mit Bildern von Katastrophen und Krieg können ein kleines Kind  verstören. Je älter, desto mehr ist Kindern zuzumuten – allerdings sollten entsprechende Sequenzen nicht ohne Einordnung konsumiert werden.

Vorbildfunktion

Die gute und zugleich schlechte Nachricht lautet: Kinder lernen sehr viel von Erwachsenen. Sie ziehen viel aus Regeln und Gesprächen, allerdings auch ebenso aus deren Verhalten, das sie sich beobachten und sich abschauen. Es bringen alle kommunizierten Regeln nichts, wenn das eigene Verhalten diesen konträr läuft. Leben Sie Ihrem Kind einen bewussten Medienkonsum vor – weit über das Fernsehen hinaus.