Rubbel die Katz

Rubbel die Katz

Was aus der Geldkatze wurde

„Mach mal schneller!“ Das verstehen wir heute, wenn die Redewendung „Rubbel die Katz“ fällt. Woher der eigenartige Ausruf aber kommt, ist den wenigsten bekannt – nein, nicht von Detlev Buck oder Matthias Schweighöfer und ihrer gleichnamigen Komödie, sondern aus dem Mittelalter. In einer Zeit, in der noch viel auf Märkten gefeilscht wurde, trugen Kaufleute ihr Geld gewöhnlich noch an ihren Gürtel gebunden, in einem Säckchen aus Leder – der sogenannten Geldkatze. Wollte ein Kaufmann überprüfen, ob er Geld für den nächsten Handel übrig hatte, strich er über das Leder. So wusste er, ob sich noch genügend Münzen in seiner „Katze“ befanden. Wer schnellstmöglich ans Geld des Gegenübers kommen wollte, befahl ihm kurzerhand seine Katze zu rubbeln – also den Geldbeutel zu öffnen.

Warum aber Geldkatze?

Warum die Geldkatze so heißt, wie sie heißt, ist nicht eindeutig belegbar. Zum einen wird vermutet, dass die Bezeichnung darauf zurückzuführen ist, dass die Geldsäcke oft aus Katzenleder hergestellt wurden – oder aber die kleinen, ledernen Beutel an Katzenköpfe erinnerten. Wahrscheinlicher ist, dass sich der Begriff Geldkatze aus dem Althochdeutschen ableitet: „Chazza“ steht für „Beutel zum Tragen“ oder „Gefäß“. Der Begriff könnte auch aus dem arabischen ḫazînâ („Kasse“, „Tresor“) entliehen sein. Wie auch immer: Mit der Einführung des Papiergeldes verlor das Format der Geldkatze an Bedeutung – und die Geldbörse hat ihren Platz übernommen.

Das Nord-Süd-Gefälle

Heute fällt der Ausdruck Geldkatze höchstens noch auf Mittelaltermärkten – oder eben in besagter Redewendung. Auf einen gemeinsamen anderen Namen können
wir uns nicht einmal in Deutschland einigen. Zwischen Nord und Süd unterscheiden sich die Gewohnheiten deutlich. Portemonnaie sagt man vor allem im Norden der Republik – aber auch in der Schweiz, in Luxemburg, im Osten Belgiens oder natürlich in Frankreich. Aus dem Französischen stammt die Bezeichnung (eingedeutscht „Portmonnee“) ja schließlich und setzt sich aus den Wörtern „porter“ für „tragen“ und „monnaie“ für „Geld“ zusammen. Der Süden bleibt in seinen Sprachgepflogenheiten eher old-school, weil der Begriff Geldbeutel noch stark ans Mittelalter erinnert, als man die Börse am Gürtel trug.

Wer sagt wie?

Heute findet man Geldbörsen aus Materialien wie Stoff, Pappe, Nylon – oder aus New Cryptan. Aber Klassiker sind nach wie vor aus Leder, hochwertig verarbeitet und stehen für Stil und Eleganz. Geldbörse ist übrigens der Begriff, der vor allem im Fachhandel benutzt wird. In unserer Alltagssprache findet Geldbörse hingegen selten Verwendung. Ganz im Gegensatz zu Teilen Österreichs. In Niederösterreich oder rund um Wien und im Burgenland spricht man in der Verniedlichung gerne von „Geldbörserl“. Auch Brieftasche hört man in Österreich viel öfter ebenso wie „Säckel“ oder „Kasse“. In Kärnten und im deutschsprachigen Teil Südtirols ist hingegen die Rede vom „Gelddascherl“. Die Schweizer haben außer Portmonee noch ein anderes Synonym: „Gäldseckäl“.

Die Vielfalt an Namen ist bei Portemonnaies ungefähr so groß wie die Mannigfaltigkeit an verschiedenen Modellen. Aber egal, welche Begriffe sich aus der Geldkatze abgeleitet haben: Am besten, es steckt immer genügend drin …