Reine Männersache – Freundschaft zwischen Vater und Sohn
Die ist bei jeder Vater-Sohn-Aktion dabei und macht jeden Spaß mit: eine anständige Umhängetasche (Leonhard Heyden).

Reine Männersache – Freundschaft zwischen Vater und Sohn

Erst machen, dann reden. Die Glücksformel für Väter und Söhne?

Ja. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ausgelöst wurde es beim Querlesen zu einem ganz anderen Thema. Plötzlich sprang mich also dieser Satz an: „Bleibt der Vater für den Sohn das unbekannte Wesen, so bleibt der Sohn sich auch fremd.“ (Dr. Marga Kreckel, Psychotherapeutin)

Bang! Erste Reaktion: Wie soll das geschehen, wenn man sich doch täglich mindestens zweimal sieht? Zweite Reaktion: Reicht das wirklich? Inzwischen sind einige Tage vergangen, doch der besagte Satz hat sich festgesetzt und beschäftigt mich immer wieder. Beispielsweise reise ich in meine Vergangenheit und mein Vater erklärt mir dort die Lamellenkupplung. Oder wir laufen durch den Wald und ich erfahre, wo welcher Pilz zu finden sein sollte. Das mache ich heute nicht. Fast wartungsfrei ist die Kupplung, anders als in den 1970ern, überhaupt kein Thema – und Pilze suchen wir aus verschiedenen Gründen nicht mehr im Wald. Unsere Themen sind in erster Linie Hausaufgaben, Körperhygiene und allgemeines Ordnunghalten, gefolgt von Tagesaktualitäten, Erlebtem und der Frage, wer die Spülmaschine ausräumt. Aber dieser Satz sticht tiefer. Er zielt auf meine Männlichkeit. Und das bedroht mich.

Wer bist Du?

Das Problem ist komplex und weit entfernt von einer sonnenlichtdurchfluteten Fernsehfrühstücksidylle. Die Frage ist nämlich, wieviel von mir kann und will ich preisgeben. Und beides setzt voraus, dass ich mich selbst kenne. Heikel. Statt darüber erschreckt zu verkopfen, lese ich den Satz diesmal so neu: „Kinder brauchen ein Vorbild.“ Mit dieser Auslegung kann ich besser arbeiten, denn ich sehe in meiner Erinnerung meinen Vater und was wir zusammen unternommen haben – sehr viel deutlicher als dass ich seine Worte höre. Sein Verhalten war prägend. Und wie verhalte ich mich? Und wie oft hat (m)ein Kind eigentlich Gelegenheit, mein Verhalten zu erleben? Abgesehen von Urlaubszeiten und notwendigen Diskussionen (Streit) kategorisiere ich mein Auftreten überwiegend als wenig intensiv. Am liebsten hab ich meine Ruhe – Youtube und Konsolenspiele sind für die Kids offenbar aktuell interessanter als ein Museumsbesuch oder gemeinsames Schneeräumen … „Halt!“, donnert bei diesem Gedanken mein Gewissen und fährt ruhig, gleichwohl bestimmt, fort: „Du kneifst. Du bist zu faul. Denk Dir was aus!“

Machen statt reden

Vor mir liegt eine Liste möglicher Aktivitäten. Ich streiche Nachtwanderung (lässt Mama nicht zu). Bogenschießen? Beim letzten Mal kam die Polizei. Angeln? Bloß nicht. Frösche fangen? Ist verboten. Und es ist Winter. Ein Lagerfeuer am Ufer? Da kam auch die Polizei. Fußball im Stadion gucken? Bei der Kälte? Oder doch eine Runde Onlinezocken? Nein. Nicht auch noch Stress mit der Hausherrin. Wie war das mit den guten Vorsätzen? Die kleinen Dinge wieder wichtiger nehmen … Was ist so ein kleines Ding? Was ist hängen geblieben aus meiner Kindheit? Was hat mir Spaß gemacht? Es klingelt leise …

Wäschewaschen. Männersache.

Zwei Stunden sind wir nun unterwegs gewesen – mit den Rädern durch den Wald. Die Gesichter glühen, die Klamotten stehen vor Dreck und wir zusammen vor der Waschmaschine. Wir plaudern und gehen die Strecke in Gedanken noch mal durch. Am Bach habe ich mich ordentlich lang gemacht. Dafür ist er beim Absteigen am Sattel hängen geblieben und mal eben in die Hecke geplumpst. Ich habe eine Schramme im Gesicht, dafür hat seine Hose ein Loch. Egal. Spaß hat es gemacht. Ich sehe den Tag kommen, dass er vor mir den Berg hoch ist. Und morgen reden wir mit Mama noch mal über eine Nachtwanderung. Vielleicht kommt sie ja sogar mit? Es sind ja gleich zwei Männer dabei.