Glühwein für alle!
Die meisten auf dem Weihnachtsmarkt konsumierten Glühweine müssen bezahlt werden. Hilfreich dabei: eine schöne Geldbörse (Golden Head).

Glühwein für alle!

Weihnachtsmärkte bringen die Menschen zusammen und steigern die Stimmung bis hin zur Besinnlichkeit.

Jaja, schon klar. Alle Jahre wieder heißt es: süßer die Kassen nie klingeln. Weihnachtsmärkte sind nun mal ein einziger Reibach, nein, ein 2.500-facher Reibach. Hier kurz die Zahlen.

• Es gibt tatsächlich rund 2.500 Weihnachtsmärkte in Deutschland.
• 80 davon allein in Berlin.
• Die größten in Köln und Dortmund ziehen bis zu 4 Millionen Besucher an.
• Insgesamt besuchen 85 Millionen Menschen Weihnachtsmärkte.
• Mehr als ein Fünftel reist aus mehr als 100 Kilometern an.
• Für 78 % der Städtetouristen spielt der Weihnachtsmarkt eine maßgebliche Rolle.
• Mehr als 1 Milliarde Umsatz wird gemacht.

Aber was ist so schlimm daran, wenn manche damit ihr Geld verdienen, anderen eine Freude zu machen? So wie in Shoppingmalls und Freizeitparks, auf Volksfesten und all den Events, die ein bisschen mehr Spaß in den grauen Alltag bringen. Und im Gegensatz zu Ballermann & Co. geht es auf einem Weihnachtsmarkt sogar besinnlich und nicht besinnungslos zu, im Idealfall. Mehr als zwei Glas Glühwein sollte man allein schon aus Selbstschutz nicht trinken, es sei denn, man erwischt eine der seltenen hochwertigen Mischungen. Es schadet übrigens auch nicht, wenn die Thüringer richtig durchgegart ist.

 Endlich ankommen und loslassen können

Wenn alles passt oder passend gemacht wird, kann ein Weihnachtsmarkt so vieles sein: eine Begegnungsstätte für die Einheimischen, für die Angekommenen sowie hoffentlich endlich Loslassen-Könnenden und all die verlorenen Seelen. Wenn im Job so langsam alle Häkchen gemacht sind, ist es die verdammte Pflicht, in Stimmung zu kommen, so wie es sich in der Adventszeit ursprünglich gehört. Stress, Hektik und Chaos hinter sich lassen und ein bisschen wieder zum Kind werden bei all dem Bling-Bling um die Buden herum. Alte Freunde treffen oder neuen Kollegen ganz nah kommen, sich mal völlig gehen lassen, Pardon, einfach ein, zwei Stunden runterkommen nach dem Büro: Dafür lieben wir, dafür brauchen wir den Weihnachtsmarkt, auf dem alles noch so herrlich analog zum Anfassen ist.

German Gemütlichkeit mit Senfstempel im Kreuz

Natürlich empfiehlt sich dazu nicht nur der geeignete Zeitpunkt, sondern auch ein geeigneter Standpunkt, an dem man die herangekarrten Schweizer auf ihrer Schnäppchenjagd um sich herum schieben lassen und dabei dem einen oder anderen so versehentlich wie unauffällig einen Senfstempel ins Kreuz drücken kann. So unterstützt man nicht nur den Exportschlager German Gemütlichkeit – übrigens auch für die Italiener, Franzosen, Holländer …, sondern kurbelt den örtlichen Einzelhandel zusätzlich mit an.

Am schönsten sind Weihnachtsmärkte eben für diejenigen, die schon alles (hinter sich) haben und das Schauspiel nur genießen müssen, obwohl es in den Bretterbuden genügend Gelegenheiten für Last-Minute-Geschenke gibt. Die müssen gar nicht mal danach aussehen, also nach irgendeinem Dekokitsch, für den schon am 1. Weihnachtstag ein hübsches Plätzchen im Keller gefunden wird. Es gibt ja ebenso Dinge zu erstehen, die jeden Haushalt nicht nur schmücken, sondern ihm auch nützen. Wer je die Performance eines Gemüsehobelverkäufers erlebt hat – oder ist auf dem Weihnachtsmarkt 4.0 etwa nur noch der Thermomix im Einsatz? –, weiß, wovon die Rede ist. Also her mit dem satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch, her mit den Kinder- und Posaunenchören, her mit den Geweihen und Gehörnten. Schließlich ist nur einmal im Jahr Weihnachten. Luja sog i!

Unverbesserliche Weihnachtsmarktskeptiker werden hier bestätigt: