Pranking – ist das noch Spaß oder schon für den Anwalt?

Pranking – ist das noch Spaß oder schon für den Anwalt?

Einen Geldbeutel, einen dünnen Bindfaden und ein Gehweg – mehr braucht es nicht für einen Lausbubenstreich. Man verbindet den Faden mit der Börse und legt diese als lohnende Beute auf dem Gehweg aus. Kommt schließlich ein neugieriger Passant des Weges, der sich nach dem guten Stück bückt, zieht man aus dem Versteck am Schnürchen und lässt den verdutzten Mitmenschen düpiert zurück. Schlau ist natürlich jener Zeitgenosse, der den Jokus wittert und auf den Faden tritt.

Irgendwann zu Kaisers Zeiten zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert war dieser Streich bestimmt ein Klassiker oder gar im Trend.

Von Eiern, Mäusen und Spinnen

Auch heutzutage nehmen sich die Leute noch mit Schabernack auf die Schippe. Der Streich heißt allerdings im neudeutschen Internet-Jugendsprech „Prank“, wird heimlich mitgefilmt und online gestellt. Über die Unterhaltsamkeit für die Betroffenen lässt sich vortrefflich streiten.

Es gibt harmlose Streiche. Die Plastikspinne, die auf das ahnungslose Opfer, das auf der Couch liegt, von der Decke fällt, ist ebenso nur ein kleiner Scherz wie die ferngesteuerte Maus, die schreckhafte Mitbewohnerinnen überrascht. Etwas kniffliger gestaltet sich die Lage beim Eierschachtel-Streich. Bei dem kocht man alle Eier ab und legt sie abgetrocknet zurück. Glücklich der Lausbub, der dann noch eine weitere Packung mit Eiern parat hat, damit die Mutter nach dem ersten Schreck und gemeinsamen darüber Lachen doch noch Eierkuchen backen kann. Die hartgekochten Eier gibt es dann zum Abendbrot im Eiersalat.

Schlimmer geht leider immer

Die Grenze der guten Unterhaltung ist erreicht, wenn Dinge kaputt gehen oder Personenschaden entsteht. Ein mit Mehl gefüllter Föhn sorgt für einen perfekten Vampir-Look in Horrorfilm-Qualität. Die Reinigung des Badezimmers sowie der Klamotten dürften jedoch übergebührlich Zeit in Anspruch nehmen für den kurzweiligen Gag. Ob der Föhn diesen Streich unbeschadet übersteht, ist zudem fraglich.

Bevorzugte Ziele für Streiche sind schlafende Personen – insbesondere für Bemalungsaktionen jeglicher Art. Fest getackerte Klamotten und zerschnittene Bikini-Träger am Strand finden sich aber eher in der Rubrik Sachbeschädigung beheimatet und benötigen stabile Freundschaften.

Schadenfreude ist sprichwörtlich die schönste Freude – weiß man im Heimvideobereich spätestens seit Sendungen wie „Pleiten, Pech und Pannen“. Der kreative Erfindergeist beim Streiche spielen und diese als Prank-Video für das Internet festzuhalten, bietet den Opfern wenig Grundlage mitzulachen. Sich das Bein oder die Rippen zu brechen, weil die Liebste für ein virales Video großzügig Butter auf den Fliesen vor der Dusche verteilt hat, erfordert zudem eher einen Arzt oder Anwalt als Humor.

Im Zweifel greift man besser zum schmerzfreien Klassiker. Der sorgt zwar nicht für das ganz große Publikum, vermeidet aber die Anzeige wegen Körperverletzung. Streiche spielen – so haben wir einst bei Kurt Felix bei „Verstehen Sie Spaß“ gelernt – sollte eigentlich etwas sein, bei dem schlussendlich alle etwas zu lachen haben; auch der Betroffene.  Wobei auch die gute alte Zeit im Fernsehen längst so verloren wirkt wie der Geldbeutel auf der Straße.