Optimiere mich

Optimiere mich

Schritte zählen, immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und Arbeitseffizienz steigern: Viele Deutsche optimieren ihren Alltag mit dem Smartphone. Zahllose Firmen bieten Apps, die unsere Finanzen dokumentieren, das heimische Work-out vorgeben und unser Gehirn fitter machen sollen. Ist das der Weg zu einem komplett strukturierten Leben?

Für den Körper

Fitness-Apps gehören zu den Klassikern der Selbstoptimierung. Programme wie Runtastic oder Freeletics ersparen stressgeplagten Workaholics den Gang in die Muckibude, indem sie das Training nach Hause verlagern – oder aufs Fahrrad, zum Beispiel mit Cyclemeter. Gepaart mit Fitnessuhren sollen erste Ergebnisse schon nach wenigen Wochen sichtbar sein – Sixpack und knackiger Hintern natürlich inbegriffen. Aber beim Sport ist noch nicht Schluss.

Anders als der Name erwarten lässt, kümmert sich Plant Nanny nicht etwa um das Wohl von Zimmerpflanzen, sondern um unseren Wasserhaushalt. Mittels ein paar virtueller Pflanzensamen und Blumentöpfe erinnert die App den User mehrmals am Tag, seine Pflanzen zu „gießen“ – und gleichzeitig sich selbst einen Schluck Wasser zu gönnen. Im erstellten Profil kann der Wasserkonsum der letzten Tage und Wochen nachvollzogen werden. Mit den so gewachsenen Pflanzen lässt sich dann vor Freunden prahlen – vorausgesetzt, diese nutzen die App ebenfalls.

Für den Geist

Wenn’s beim Körper funktioniert, warum soll’s dann nicht auch für den Geist gut sein? Lumiosity und Elevate sind nur zwei Beispiele für Apps, die unsere kognitiven Fähigkeiten verbessern sollen. Gedächtnis, Schnelligkeit, analytisches Denken, Flexibilität und Konzentration sollen schrittweise in maßgeschneiderten Trainingseinheiten optimiert werden. Das bietet auch die App Peak, die sich individuell auf das Alter, Bildungsstand und Beruf des Users einstellen lässt – da hat die ganze Familie was davon. Wie sich Kaffee trinken, morgendliches frühstücken oder Sex auf die mentalen Fähigkeiten auswirken, lässt sich mit der App Quantified Mind im Selbstversuch herausfinden – und welche Arbeit man zu welcher Tageszeit am effektivsten erledigt.

Durch die App Moodpanda lässt sich der eigene Stimmungspegel dokumentieren. Für alle, die schnell in Stress verfallen – oder zu traurigen Gedanken tendieren. Durch Eingabe der momentanen Gefühlslage erstellt die App ein Stimmungsbarometer. So erfährt der User, in welchen Situationen ihn die schlechte Laune überkommt. In solchen Fällen kann man sich dann an die Community wenden, die auffängt und Trost spendet.

Traumtänzer können mit der App Shadow ein Traumtagebuch führen. Die Anwendung ersetzt zum einen den Wecker: der User wird mit langsam ansteigenden Tönen sanft aus dem Schlaf geholt. Denn wer abrupt geweckt wird, erinnert sich meist nicht an seine Träume. Anschließend lässt sich per Diktiergerät der letzte Traum festhalten – dazu stellt die App auch Fragen. In ruhigen Stunden kann man so seine Träume Revue passieren lassen.

Für den Alltag

IFTTT steht für „If this then that“ (zu deutsch: „Wenn dies passiert, tue das.“) und überwacht selbstgewählte Ziele des Anwenders. Dazu vernetzt der User andere Apps mit dem Programm und gibt Ziele vor. Verbindet man die Anwendung beispielsweise mit der Haustechnik-App, kann man vorgeben, dass IFTTT zu Hause die Heizung anstellt, sobald man den Arbeitsplatz verlässt. Oder einfacher: Ändert sich der Wetterbericht für den nächsten Tag, erinnert einen die App einen Regenschirm mitzunehmen – sofern man dieses Ziel eingegeben hat.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Damit er auch unbeliebte Tätigkeiten regelmäßig wahrnimmt, soll ihm die App Coach Me auf die Finger schauen. Die überprüft, ob selbst gewählte Ziele eingehalten wurden. Egal ob es sich um Leistungssteigerungen im Job, beim Sport oder beim Lernen handelt. Die App unterstützt also bei Gitarrenstunden genauso wie Kontakt halten mit Freunden. Die Ergebnisse kann man anschließend mit der Community teilen und sich so selbst und andere motivieren.

Für die Finanzen

Die App The Birdy behält den Überblick über die persönlichen Ausgaben – und verrät, wofür man am meisten Geld ausgegeben hat. Mehrmals täglich fordert sie zur Eingabe der Ausgaben auf. Das funktioniert per Text-Message, Mail oder Tweet. Versieht man die einzelnen Positionen mit einem Hashtag (bspw. #lebensmittel), ordnet die App die Ausgaben einer Kategorie zu. Ähnlich funktioniert MoneyBook, die den Anwender mit vielen Statistiken über seine Ausgaben informiert.

Und was bringt der Zauber?

Hauptsächlich sollen Apps helfen, Kontinuität in den Alltag zu bringen und uns auch mit unliebsamen Tätigkeiten auseinanderzusetzen. Ein wenig Selbstdisziplin vorausgesetzt, ist das auch zu schaffen. Klar muss einem sein, dass man viele Daten von sich preisgibt und mit anonymen Communities teilt. Tipp: Am besten erst mal auf Sparflamme starten und erst nach und nach die vollen Möglichkeiten der Apps nutzen – man weiß ja schließlich nie, wer alles mitliest.