No-gos im Büro
Auch bei Hitze Stil bewahren – zumindest bei der Businesstasche (Golden Head: Polo Business).

No-gos im Büro

Ein Dauerbrenner im Hochsommer: überall behaarte Beine, käsige Füße, schwitzige Achseln, speckige Röllchen – zum Teil auch im Büro. Okay, bei 30 Grad plus macht Arbeiten nirgendwo so richtig Spaß, dennoch gilt es, ein paar Anstandsregeln einzuhalten. Auch in der Schule, wo es schon Auswüchse und Maßnahmen gegeben hat.

Grundsätzlich kann man zwar im Beruf zwischen strengeren (Banken, Versicherungen und Halsabschneider) und lässigeren (Kreative, Creatives und Möchtegerns) Branchen unterscheiden. Aber ein bisschen mehr Rücksichtnahme kann eigentlich an allen Arbeitsplätzen nicht schaden, weil die Freiheit des Einzelnen immer da aufhört, wo die des Anderen anfängt. Und das kann schon der regelmäßige Blickkontakt sein. Ob nun beim gemeinsamen Projekte abwickeln oder Abhängen auf offiziellen Anlässen: Es zeugt von gegenseitigem Respekt, wenn man andere nicht mit gruseligen Outfits belästigt. Und man tut sich auch selbst etwas Gutes, denn „dress for success“ heißt nichts anderes, als dass man sich nicht dem aktuellen Job angemessen kleidet, sondern für den Job, den man eines Tages mal haben möchte. Hier ein paar weitere Hinweise.

Dresscode für Frauen

Frauen haben’s einfach immer besser, oder? Die können mehr Bein zeigen, die Füße lüften und mit den Brüsten wippen. Nun ja, eher nein! Der strenge Businesscode erlaubt kein nacktes Bein, sondern schreibt auch im Hochsommer Feinstrumpfhose vor. Wer sich daran halten muss, greift am besten zur hauchdünnen Sommerstrumpfhose in 12 Denier. Die Rocklänge pendelt je nach Branche, Land und Legislaturperiode zwischen „Knie umspielen“ und nicht mehr als eine Handbreit drüber. Im Sitzen jedenfalls sollte nicht mehr als ein Drittel des Oberschenkels zu sehen sein. Auch die Schuhe sollten immer geschlossen sein, zumindest vorne. Allenfalls Peeptoes sind mal drin, besser Sling-Pumps, Sandalen eher nicht und Flip-Flops auf keinen Fall.

Obenrum muss Bluse sein, vielleicht auch mal ein blickdichtes T-Shirt, aber bloß nicht schulterfrei und auch kein Ausschnitt. Beziehungsweise wie sagte der Soziologe Georg Simmel mal: je größer die Veranstaltung, desto größer das Dekolleté. Wir erinnern uns an Madame Merkel in der Oper, was ja auch ein beruflicher Termin sein kann. Hier noch ein paar Hinweise im Kurzdurchlauf:

• Bei Kunden- und Kollegenkontakt sollte immer ein Blazer im Einsatz sein.

• Vorsicht vor großen, wilden Mustern und zu LAUTEN Farben.

• Weiße Hosen kann und sollte sich auch nicht jede leisten.

• Kostüm und Hosenanzug sind immer gern gesehen.

• Die Unterwäsche darf nicht durchscheinen, also auch nicht der obere Teil.

• Make-up, Schmuck und Parfüm – alles schön dezent im Sinne von: weniger ist mehr.

• Tattoos im Blickfeld? Mädels, irgendwann muss die Party auch mal vorbei sein!

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Dresscode für Männer

Männer haben’s einfach immer leichter, oder? Die müssen nur Anzug, Hemd und Krawatte tragen – und können nichts falsch machen. Nun ja, auch eher nein. Dass kurze Hosen und Sandalen tabu sind, und zwar nicht nur im Büro und auf Anlässen, sondern auch in der Stadt (dazu später mehr), versteht sich von selbst. Was aber viele Herren der Schöpfung, die sich für gut angezogen halten, nicht wissen, dass Hochwasserhosen zu braunen Schuhen auch nicht so dufte ankommen, und zwar weder noch. Wer’s noch nicht gehört hat: Die harte Variante lautet „no brown in town“, die abgesoftete „no brown after six“. Tagsüber sind also als halbwegs offiziell gekleideter Herr schwarze Schuhe zu tragen. Diese Stilvorgaben kommen allerdings aus dem alten England, wo man dank Brexit bald ja wieder mit Tierfellen an den Füßen herumläuft. Die Italiener sind da etwas lässiger – aber im Zweifelsfall ohnehin besser gekleidet.

Immer wieder überrascht und empört sind manche Herren, wenn sie hören, dass man als Mann keine Kurzarmhemden trägt. Es sei denn, man ist noch kein Mann oder Busfahrer oder Polizist. Basta! Ein Polohemd wäre immer die bessere Wahl, auch wenn das nicht als Businesskleidung durchgeht. Hier noch weitere kurze Hinweise:

• Kein Hemd ohne Unterhemd, das man auch nicht durchsehen sollte. Am besten ein enges weißes T-Shirt.

• Wenn doch nichts drunter: Achseln abkleben. Oder wie bitte, Herr Löw, soll man sonst Schweißflecken vermeiden?

• Kein nacktes Bein. Die Strümpfe müssen also immer länger sein, als die Hose hochrutschen kann.

• Über Tennis- und Comicsocken beziehungsweise gar keine müssen wir hier nicht reden, oder?

• Lustige Regel: Bei längeren hitzigen Besprechungen darf das Jackett erst ausgezogen werden, wenn dies der Ranghöchste getan hat.

• Schuhe, Schuhe und nochmals Schuhe: je besser, desto besser.

Wem das alles zu viel des Guten ist, den könnte man beruhigen mit einer Linkedin-Umfrage, deren Ergebnis besagt, dass in Deutschland nur 15,4 Prozent der Beschäftigten eine Uniform tragen müssen, 8,6 Prozent gehen in formeller Kleidung wie Anzug oder Kostüm ins Büro. 47,6 Prozent ziehen demnach an, was sie wollen – der Rest trägt „Smart Casual“, wobei davon auszugehen ist, dass viele gar nicht wissen, was das ist. Deswegen noch Hinweise für Fortgeschrittene:

Smart Casual – Gilt meist für offizielle Termine nach der Arbeitszeit. Für Männer: Anzug ohne Krawatte, für Frauen auch mal T-Shirt statt Bluse.

Casual Wear – Eine Stufe drunter. Jetzt geht auch Hose mit Jackett und Polo Shirt oder auch Pulli über der Schulter.

Casual Friday – Kommt aus Amerika und bedeutet, dass man vor dem Wochenende auch im Büro etwas lässiger sein darf. Geht auch mit dunkler Jeans oder im Leinenanzug, der zwar edel knittert, aber eben knittert – und ansonsten nicht erlaubt ist.

Informal – Der Name täuscht und sollte nicht wörtlich genommen werden. Gilt für Abendveranstaltungen mit Herren in dunkeln Anzügen und Damen in halblangen eleganten Kleidern.

Black Tie – Richtig offizieller Anlass mit Smoking und schwarzer Fliege für ihn und langem Abendkleid, eventuell auch Cocktailkleid oder Kostüm für sie.

White Tie – Höchst offizieller Anlass mit Frack, weißer Weste – und weißer Fliege beziehungsweise bodenlangem Abendkleid.

City Look – Gibt es als Bezeichnung nicht offiziell. Erlaubt ist, was gefällt und worüber man streiten kann. Kurze Hosen zum Beispiel sind nur etwas für Touristen und Kinder – ja, Surfer-Boys sind eben auch nur Kinder. Man möge sich mal Herren in mediterranen Ländern anschauen, wo es viel wärmer ist. Und Obacht, die Damen: Ballerinas sind die Fußpest der Neuzeit, die aus jeder noch so schönen Frau ein hässliches Entlein machen. Dann doch lieber gleich Crocs. Ansonsten gilt: keine Leggins, Dreiviertelhosen, Adiletten oder weiße Socken beziehungsweise – man muss die Regeln zumindest kennen, um sie brechen zu können.