Mit Kindern im Restaurant
Kleine Kleckser bleiben bei Restaurantbesuchen mit Kids nicht immer aus – passieren den Großen aber genau so.

Mit Kindern im Restaurant

Nicht mit Kindern und Tieren, lautet eine alte Hollywood-Weisheit. Soll heißen: Ein Schauspieler sollte es besser vermeiden, mit solchen Mitspielern zu drehen, weil sie einem nur die Show stehlen und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nicht mit Kindern und Tieren könnte man aber auch sagen, wenn man ganz bedenkenlos eine schöne Zeit im Restaurant verbringen möchte. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn ja: es gibt Kinder, die nicht schreien, und Hunde, die nicht stinken, oder?

Wer nimmt seine Katze mit ins Restaurant?

„Wer Hunde und kleine Kinder nicht mag, kann kein schlechter Mensch sein.“ Pardon, das ist jetzt nicht von uns, sondern ein Zitat des US-Schauspielers W.C. Fields, der eine Vorliebe für misanthropische Rollen und unkorrekte Sprüche hatte. Bevor wir jetzt als kinderfeindliche Tierquäler dastehen, sagen wir: Wir mögen Katzen, mit denen man nie auf die Idee kommen würde, ins Restaurant zu gehen, und Hunde auch. Ein bisschen zumindest, wenn sie nicht gerade unterm Esstisch vor sich hinsabbern. Und wir kennen auch richtige kleine Feinschmecker unter den Kindern, die sich andächtig für alles interessieren, neugierig probieren und eben nicht nach der weit verbreiteten Methode verfahren: was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht – und sofort zu brüllen anfangen. Oder einfach eine Riesensauerei auf und um den Tisch veranstalten.

Und ja, wir kennen Restaurants, in denen man sich rührend um die lieben Kleinen kümmert, nicht einfach nur einen Kinderstuhl bereitstellt und somit schon als kinderfreundlich gilt. Restaurants, in denen Mal- und Spielsachen herbeigeschafft werden, Restaurants, in denen es eine Extra-Kinderkarte gibt, Restaurants, in denen sich der Preis nach Körpergröße berechnet – Restaurants, die wir meiden, wenn wir einen ruhigen Abend genießen möchten und nicht auf die berühmten Ausnahmen angewiesen sein möchten.

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Auch Eltern mögen Adults-only-Hotels

Der Witz ist: das möchten viele Eltern auch. Und meist sind ja nicht die Kinder nervig, sondern deren Eltern, die ihre Kleinen stundenlang quälen und sich selbst damit auch. Denn viel Freude kommt an so einem Restauranttisch selten auf, was den Verdacht nahe legt, dass manche Eltern nach dem Prinzip verfahren: Wenn wir schon keinen Spaß haben, sollen die anderen auch keinen haben. Und da sage noch einer, Gäste, die gut ohne hysterisches Kindergeschrei in Restaurants (und übrigens auch in Wellnessbereichen, die auf regulierende Maßnahmen à la „Kinder unter 16 Jahren nicht erwünscht“ verzichten) auskommen, seien egoistisch. Es hat eben alles zwei Seiten, mindestens, zumal es auch nicht wenige Eltern gibt, die in ihrem kinderfreien Urlaub Adults-only-Adressen ansteuern. Gerade denen sollte man dann mal in ihrer wohlverdienten Ruhephase so eine lärmende Bande auf den Hals hetzen.

Wir plädieren also für mehr Toleranz und Einsicht auf beiden Seiten. Und für Essen mit Kindern zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir sind nicht kinderfeindlich, obwohl das uns Deutschen fast schon zusteht. So hat eine zwar nicht ganz topaktuelle Studie von 2011 – seitdem dürfte es aber nicht viel besser geworden sein – ergeben, dass nach der Befragung von 15.000 Europäern in 13 Ländern Deutschland auf dem vorletzten Platz liegt (vor Russland…). Nur 21 Prozent der Befragten glaubten demnach, dass Kinder in ihrem, also unserem Land gut leben könnten. Dieses Meinungsbild unterstreicht auch eine Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks zum Weltkindertag 2018. Demnach sind nur 56 Prozent der Befragten der Meinung, dass Deutschland alles in allem ein kinderfreundliches Land ist. 39 Prozent befinden sogar das Gegenteil: Laut ihrem Empfinden ist Deutschland kein kinderfreundliches Land.

Glückliches, kinderfreundliches Dänemark

Mit der angeblichen Kinderfreundlichkeit der Italiener ist es übrigens auch nicht so weit her. Dort antworteten zwar 47 Prozent mit „ja“, den Kindern geht es gut bei uns. Allerdings ist die Geburtenrate im Jahr 2019 mit 1,32 Kindern pro Frau noch lausiger als in Deutschland mit 1,57 gewesen. Nein, am kinderfreundlichsten ist man in Skandinavien, und dort ganz besonders in Dänemark mit 86 Prozent „ja“ und wenigstens 1,75 Kindern pro Frau. Aber diese Dänen sind hinter den Finnen weltweit ja auch am glücklichsten, wie hier zu sehen ist.

Und wenn man bedenkt, dass eine Quote von 2,1 zum Selbsterhalt einer Bevölkerung gilt, müssten wir in Deutschland eigentlich froh sein, dass es derzeit überhaupt noch vereinzelte Kinder im Restaurant gibt. Ob sie auch zu den stillen Genießern zählen, müssen die Eltern selbst entscheiden. Für etwas lebhaftere Kinder empfehlen wir Biergärten mit angeschlossenem Spielplatz oder eben Restaurants, die mit ihrer Kinderfreundlichkeit werben. Eine kleine Hilfe könnte dieses Portal sein, das uns allerdings noch etwas lückenhaft erscheint. Aber das liegt nun wirklich nicht an uns.