Mami, krieg ich einen Hund?!
Voll süß – und doch bringt so ein Tier viel Arbeit und manchmal auch Ärger mit ins Haus.

Mami, krieg ich einen Hund?!

Es gibt diese Kinderfragen, um die man als Elternteil wohl nicht drum herum kommt. Eine davon ist mit Sicherheit die nach einem Haustier. Kein Wunder: Ohne Garfield, Kikaninchen und Co. geht ja kein Tag im Kinderprogramm vorüber. Und ist man auch kein Befürworter, sollte man diese Frage ruhig im Familienkreis diskutieren. Es gilt eine Menge an Überlegungen anzustellen und Entscheidungen zu treffen – allein fürs Verständnis des Sprösslings.

Die Familienfrage

Bevor Überlegungen über Tierrassen oder sogar schon Namen diskutiert werden, ist eines ganz wichtig: Sind alle Familienmitglieder mit der Anschaffung einverstanden? Ja? Dann ab zum nächsten Punkt. Ist die Frage nicht eindeutig zu beantworten, lieber nochmal die ganze Familie befragen – und bei der Gelegenheit herausfinden, welches Tier überhaupt in die Familie passt. Wenn ein Familienmitglied Angst vor Hunden haben sollte, sind die schon mal tabu. Denn mit dem neuen Mitbewohner sollen sich ja alle wohlfühlen.

Da helfen auch keine Kompromisse. Jeder, der unter einer Spinnenphobie leidet, wird verstehen, was es bedeutet, wenn man mit so einem Achtbeiner unter einem Dach leben soll. Und bitte nicht den Helden spielen, denn schlussendlich schadet man auch dem Tier, wenn man es später wieder abgeben muss. Auch wichtig: je nach Tierart zuerst einen Allergietest machen – und zwar für die ganze Familie. Und ist das Tier mal da, sind Hygienevorschriften für alle Familienmitglieder sicher sinnvoll, wie beispielsweise das Händewaschen nach dem Spielen.

Die Vorteilsfrage

So ein Haustier kann ja auch zur Reife eines Kindes beitragen – und das in mehreren Lebensbereichen. So lange man’s richtig anstellt. Verantwortlichkeit, Ordnungssinn und Zuverlässigkeit sind da nur ein paar Tugenden, die eine soziale Entwicklung vorantreiben. Im Gegenzug gibt ein Tier auch viel – Halt zum Beispiel. Denn es unterscheidet nicht nach Äußerlichkeiten und akzeptiert Menschen so, wie sie sind – egal ob dick, dünn, lang oder kurz. Außerdem sagen sie nie ab, weil sie zu beschäftigt sind oder schon was anderes vorhaben. Das stärkt das Selbstbewusstsein – und auch die Empathie für andere Lebewesen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die emotionale Bindung.

Haustiere sind aber nicht nur für die mentale Stärke gut: Je nach Tierart hat man durch sie auch mehr Bewegung an der frischen Luft und verbessert so die eigene Fitness – Hunde, Hauschweine, Alpakas, Ziegen wollen alle raus, egal bei welchem Wetter. Blöd nur, wenn die Eltern als einzige was davon haben.

Die Tierfrage

Bei der Frage nach dem richtigen Haustier sollte man besonders genau recherchieren. Denn ein Hauskätzchen ist vielleicht nicht immer zum Schmusen aufgelegt, und ein Border Collie sieht zwar furchtbar süß aus, braucht aber auch wahnsinnig viel Aufmerksamkeit, wenn man nicht möchte, dass er irgendwann seinen eigenen Schwanz jagt. Viele Tierarten, besonders Vögel und Kleintiere, sollte man auf gar keinen Fall einzeln halten. Bei Kaninchen, Wellensittichen und Meerschweinchen grenzt eine Einzelhaltung an Tierquälerei. Wer also lieber ein einzelnes Tier hat, sollte von diesen Mitbewohnern Abstand nehmen.

Auch dem Grund, warum der Sprössling ein Haustier möchte, sollte man zuerst auf den Grund gehen – vor allem wenn’s um Exoten geht. Reptilien wie Schildkröten sind keine Schmusetiere, und der Halter muss wissen, was er tut. Macht man hier Fehler bei der Aufzucht oder Haltung, vegetieren die Tiere schnell nur noch vor sich hin. Und für kleine Kinder ganz wichtig: keine nachtaktiven Tiere kaufen. Hamster sind toll, nur leider nie aktiv, wenn das Kind sich es wünscht – und nachts fängt es dann an, im Käfig zu rascheln. Auch eher ungeeignet für kleinere Kinder sind Tiere, die sie leicht zertreten oder zu ruppig anfassen können. Aber klar sollte den Kindern auch ein liebevoller Umgang mit Hunden oder Katzen beigebracht werden. Denn wenn sich die Tiere nicht mehr anders zu helfen wissen, könnte es schnell schmerzhaft fürs Kind werden. Bisswunden, egal von welchem Tier, müssen von einem Arzt behandelt werden. Kleinere Kratzer auf jeden Fall immer desinfizieren.

Spätestens seit den Harry-Potter-Filmen sind auch Eulen oder Eichhörnchen sehr beliebt. Davon aber bitte die Finger lassen. Die Tiere lassen sich nicht wirklich zähmen und sind in freier Wildbahn viel schöner anzuschauen.

Die Zeitfrage

Wie viel Zeit darf das Tier pro Tag in Anspruch nehmen? Die Geschichte mit Border Collies hatten wir ja schon. Eltern, die gerne und viel arbeiten, sollten sich die Anschaffung lieber noch mal überlegen. Denn ganz allein schafft es ein Kind nicht, auf ein Haustier aufzupassen. Und die müssen auch regelmäßig zum Arzt, sich gegen Würmer und Flöhe behandeln lassen. Aufgaben wie die Reinigung des Käfigs und Katzenklos sollten auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden – Aquarien sind davon nicht ausgeschlossen. Das alles frisst Zeit, und zwar nicht zu knapp.

Ebenso sollte man sich ein paar Gedanken über die zukünftige Urlaubsplanung machen. Die stellt so ein Haustier je nach Reiseziel und Tierart nämlich ganz schön auf den Kopf. Da darf man es der Katze nicht übel nehmen, wenn sie einem die zwei Wochen Erholungsurlaub nicht gönnt. Und ist man nicht im Urlaub, verbringt man seine Tage ja für gewöhnlich auf der Arbeit. Ist das Haustier also den Tag über immer alleine zu Hause? Und wenn ja, wie viel Zuneigung und Betreuung braucht das liebe Tier über den Tag? Man will das neue Familienmitglied ja nicht nur um glücklicher zu sein, sondern auch um es glücklich zu machen.

Die Machbarkeitsfrage

Bin ich empfindlich gegenüber Gerüchen? Wie teuer darf ein Tier in der Unterhaltung sein? Und wie stark soll die Bindung zum Haustier sein? Die ist bei Hunden und Katzen bekanntlich enger als bei Fischen. Hier ruhig mal eine To-Do-Liste mit allen Fragen, die einem in den Sinn kommen, erstellen. Dabei auch den eigentlichen Initiator, das Kind, nicht vergessen. Vor allem: Bleibt das Interesse bestehen? Haustiere sind ja kein Hobby, wie die Gitarre, die’s zu Weihnachten gab und die jetzt in der Ecke verstaubt. Dann lieber nochmal zusammen überlegen, ob ein Haustier wirklich das Richtige ist. Mittlerweile gibt’s ja auch Pokemon Go – das wird man einfacher wieder los.

Und auch die Wohnumstände hinterfragen. Was steht nochmal zu Haustieren im Mietvertrag? Wie gut komme ich mit meinen Nachbarn zurecht? Und ist die Wohnung groß genug? So ein Tierchen beansprucht je nach Gattung auch ein wenig Platz – und zwar einen eigenen. Das Babyzimmer sollte für Tiere absolut tabu sein – und dauerhaft sollte der Tierkäfig auch nicht im Kinderzimmer stehen.

Die Gewissens- und alles entscheidende Ja-Nein-Frage

Auch wenn man anfangs noch skeptisch ist: Haustiere wachsen einem schneller ans Herz, als einem lieb ist. Darum ist es nicht schlecht, sich vorher darüber Gedanken zu machen, was passiert, wenn es mal stirbt oder wegläuft/-fliegt? Für Kinder ist das natürlich doppelt so schlimm. Das soll jetzt kein Grund sein, sich kein Haustier anzuschaffen – aber sich für das Worst Case vorzubereiten, ist mit Sicherheit auch kein Fehler.

Ganz wichtig steht am Schluss die alles entscheidende Frage: Wer bestimmt, ob ein Haustier her kommt? Hier gilt ganz klar: die Eltern. Und bitte nicht von Quengelei beeinflussen lassen. Wenn das Interesse für das Tier schnell wieder schwindet, haben es die Eltern an der Backe – und wenn es dann nur noch nervt, hat es selbst auch kein schönes Leben mehr. Ein Mensch bindet sich vielleicht nur ein paar Jahre an den neuen Gefährten, für die Tiere ist das aber meist lebenslänglich.