Kostet Ihre Katze zu viel Geld?

Kostet Ihre Katze zu viel Geld?

Knapp 13 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten – und haben laut IVH im vergangenen Jahr Katzenfutter im Wert von 1,6 Milliarden Euro vertilgt. Moment. Da stimmt was nicht. Dann würde jede Katze nur 123 Euro im Jahr verfressen? Da müssen jede Menge Mäusejäger dabei sein, die den Menschen nicht als Dosenöffner betrachten. Selbstversorger also. Kompliment übrigens an diese archaische Spezies, die zumeist unbeirrt ihrer Wege geht, autark mehrtägige Ausflüge macht, sich konsequent rauft und mindestens zwei Mal im Jahr lautstark paart. Allerdings: Rein in die kuscheligen Bettchen ihrer Servicekräfte dürfen die anderen.

Grundsätzlich gilt: Je putziger das Kätzchen, desto degenerierter. Zumeist gehen Schmusefaktor und – sorry – aberzogene oder weggezüchtete Intelligenz einher mit der vom Menschen angestrebten Häuslichkeit. Die Autorin dieser Zeilen darf das schreiben, sie ist selbst Facility Manager zweier Katzen, deren Ahnen in grauer Vorzeit wohl aus Persien stammten und die ihr regelmäßig charmant das Interieur verwüsten. (Haare, Haare, nichts als Haare. Katzenfutterbröckchen, gerne weitläufig neben dem Teller. Katzenstreu in der Toilette, um die Toilette und weit, weit drumherum. Zerfetzte Ledersofas. Um nur die signifikantesten Symptome zu nennen. – Egal.)

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Goldener Löffel, bronzener Teller

Die Wohnungskatzen sind es auch, die die Katzenindustrie so was von am Laufen halten. Für so genanntes Heimzubehör geben wir so um die 185 Millionen Euro im Jahr aus. Vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass so ein Fressnapf aus Bronze schon 85 Euro kosten kann – im Sale, versteht sich (Regulärpreis 113,99!). Das muss nicht unbedingt sein. Wichtig ist doch nur, dass sich das Schüsselchen gut reinigen lässt. Glas ist hier eine gute Wahl. Alternative: Edelstahl, sofern Mieze noch keine Allergie gegen Chrom oder Nickel entwickelt hat. Keramik ist tückisch; die Oberfläche kann bei längerem Gebrauch Risse bekommen, in denen sich Bakterien festsetzen können – ein prächtiger Nährboden für die gefürchtete Katzen-Kinnakne. Gleiches gilt für Kunststoffe.

Vorsicht, Brunnenvergifter!

Apropos unerwünschte Mikroorganismen bei der Futteraufnahme: Auch die viel gepriesenen Trinkbrunnen bergen diesbezüglich Risiken. Eigentlich logisch: Das Wasser wird den ganzen Tag umgewälzt, mit Futterresten aus dem Maul der Katze angereichert – und fängt unweigerlich irgendwann an zu müffeln. Empirischer Test mit einem recht hochwertigen Keramik-Exemplar: Nach ein paar Tagen hängt trotz permanentem Wasserwechsel ein leicht schimmeliger Geruch in der Luft. Alternative könnte ein Brunnen mit Aktivkohlefilter sein. Den soll aber bitte jemand anders testen. Der Nutzen eines solchen Gerätes ist ohnehin fraglich. Wird die Katze mit Nassfutter ernährt oder gebarft  (also nach einem ausgeklügelten Ernährungsplan mit rohem Fleisch und Innereien sowie diversen Nahrungsergänzungsmitteln wie Kalzium, Taurin etc. so versorgt, dass das Futter in etwa dem Nährwert einer frisch erlegten Maus entspricht), deckt sie ihren Flüssigkeitsbedarf nahezu ausschließlich übers Essen. Den Rest erledigt ein täglich frisch gefülltes Wasserschüsselchen. Mehr Durst stellt sich erst ein, wenn Trockenfutter in den Napf oder zucker- und malzhaltige Leckerlies ins Spiel kommen. Für diese braucht es dann natürlich ein adäquates Aufbewahrungsbehältnis, beispielsweise aus hochwertiger Keramik, entworfen von einer Designerin, die auch schon für Marc Jacobs gearbeitet hat (aber was?). Die Dose dann besser auf dem Fußboden stehen lassen – sonst könnte sich versehentlich noch ein menschliches Wesen an den verlockend duftenden Käse- und Algenpads oder den luftgetrockneten Lammfleischstreifen mit Minze bedienen. Wobei: Gesünder als ein Schokoriegel dürfte das allemal sein.

Nach dem Essen … Zähneputzen nicht vergessen.

Bei Katzen eine besondere Herausforderung. Die meisten Katzensklaven werden daher in regelmäßigen Abständen mit ihrem fauchenden Mitbewohner beim Tierarzt vorstellig. Für die professionelle Zahnreinigung bedarf es allerdings einer Narkose. Alternative ist ein mechanischer Zahnsteinentferner: „Geeignet für Haustiere, die sich ruhig halten und sich Zahnstein entfernen lassen.“ Tja. Solche Dinge weiß man meist erst hinterher. Wer sich das nicht traut, wagt den Versuch des Zähneputzens – mit Fingerbürsten und Zahnpasta. Oder Mundwasser. Einfacher scheint es mit einer chemischen Lösung zur Zahnsteinentfernung zu werden. Vorsicht ist hier jedoch bei Jungtieren geboten – deren Zähne können davon schwarz werden. Technikbegeisterte greifen stattdessen zur tierischen Schallzahnbürste.

Wellness und Beauty

Aber kommen wir zu den elementaren Dingen. Auch da ist der luxuriöse Katzen-Shop eine wahre Fundgrube. Hinter der Rubrik „Wellness & Cat Spa“ verbirgt sich ein wunderbarer Euphemismus für Mittel gegen Flöhe, Zecken und Läuse, vor denen offensichtlich auch der behütetste Stubentiger nicht gefeit ist. Damit lässt sich dann auch das von Prinzessin Maja von Hohenzollern designte „Himmelbett mit edler Kronen-Stickerei und zarten Gardinen“ behandeln. Gardinen? Hatten wir da nicht bislang Bilder im Kopf von Katzen, die entlang von Gardinen erst das Wohnzimmer erobern und dann die Bude zerfetzen? Aber nein, denn gegen diesen tierischen Trieb hat ein Tierarzt (sic!) ein probates Mittel entwickelt: Krallenschuhe. In modischen Farben. Sieht aus wie Nagellack fürs liebe Vieh und wird permanent verklebt. Bis zum Abfallen. Aber ob das der Katze gefällt? (Und so praktisch: Da kann der lifestyleorientierte Katzenhalter gleich den hässlichen Kratzbaum abbauen – oder wie war das gedacht?)


Einen ganz wichtigen Aspekt der Tierhaltung, den schon Helge Schneider besungen hat, dürfen wir natürlich nicht vergessen. Das Örtchen, in dem die Katze ihre Notdurft verrichtet. Im Idealfall also: im Katzenklo. Da ist die Designertoilette aus Keramik in 11 stylishen Farbvarianten für 189 Euro der letzte Maunz. Zugegeben: Das Ding sieht auch wirklich superschön aus. Für größere Katzen könnte es jedoch etwas eng werden – 48 cm sind nicht allzu üppig dimensioniert. Aber notfalls wird das Katzenklo zur Blumenschale und der beim letzten Punktesammeln im Supermarkt erstandene Gänsebräter umfunktioniert. Inhaber konventioneller Katzentoiletten haben immerhin die Möglichkeit, diese zu verstecken – in einem eigens dafür konzipierten und maßgefertigten Schrank.

Katzen sind auch nur Menschen

Stylebewusste mit dem nötigen Kleingeld haben die Wahl unter etlichen innenarchitektonisch wertvollen Katzenmöbeln, die sich diskret in ein modernes Wohnambiente integrieren lassen. Da fällt es dann gar nicht mehr auf, dass im Haushalt eine Katze lebt. Ein Fest für Psychologen, die ja schon seit geraumer Zeit feststellen, dass Haustiere immer mehr vermenschlicht werden, als Ersatz für Kinder oder gar Partner herhalten müssen und entsprechend behandelt werden.

Wenn das ehemalige Raubtier dann bei dem Druck, sich dem Menschen anzupassen, die Krätze kriegt, könnte eine Schlammschlacht helfen. Der Matsch soll bei „Hautreizungen aufgrund von Infektionskrankheiten, Problemhaut, Kratzern oder Hautabschürfungen“ wirken und – das ist die Herausforderung – hautbedeckend aufgetragen werden. Viel Vergnügen. Und besser gleich die Jodflasche bereitstellen. Für die Hautreizungen, die das erboste Kätzchen dann dem Sani-Täter zufügen wird.