Kleine Mäuse, wachsende Gefahr
Mäuse sehen putzig aus, aber immer öfter findet sich in ihren Hinterlassenschaften das gefährliche Hanta-Virus.

Kleine Mäuse, wachsende Gefahr

Wissenschaftler warnen vor der Ausbreitung des Hanta-Virus.

Beim Aufräumen in Haus und Garten auf keinen Fall Staub aufwirbeln, raten Experten. Denn die Gefahr, sich dabei mit dem Hanta-Virus zu infizieren, steigt von Jahr zu Jahr. Die Erkrankung hat einen grippeähnlichen Verlauf mit hohem Fieber über drei bis vier Tage sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. Anschließend drohen Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen. Im Jahr 2017 wurden den Gesundheitsämtern 1697 Fälle gemeldet – davon 785 in Baden-Württemberg. Die Zahl der Infizierten allerdings ist deutlich höher, da nur jeder zehnte die typischen Krankheitssymptome zeigt. Nach neuen Untersuchungen haben bereits 1 bis 2 Prozent der Deutschen Antikörper gegen das Hanta-Virus im Blut – haben sich also bereits einmal infiziert.

Hauptüberträger sind Mäuse und Ratten, insbesondere die weit verbreiteten Rötelmäuse. Sie alle scheiden die Viren über Speichel, Urin und Kot aus – darin übersteht das Virus lange Zeiträume. Eine Infektion ist deshalb über das ganze Jahr möglich. Sobald verseuchter Staub, etwa beim Fegen, eingeatmet wird, ist das Virus auf den Menschen übertragen. Auch Jogger oder Spaziergänger können sich beim Einatmen von infiziertem Staub anstecken, überall dort, wo Mäusekot zu finden ist. Ein zweiter Übertragungsweg ist der Biß einer infizierten Maus. Inwieweit auch andere Nagetiere das Hanta-Virus in sich tragen, wird derzeit noch erforscht. Fest steht aber, dass seit Bestehen der Meldepflicht im Jahr 2001 die Fallzahlen ständig steigen. Und es gibt sogenannte Hanta-Jahre mit regional bis zu 20-mal mehr Infektionen als im Vorjahr.

2017 war ein Hanta-Jahr – wie zuvor 2007, 2010 und 2012. Ursache ist ein biologischer Zyklus: In jedem Vorjahr hatten früchtetragende Bäume sogenannte Mastjahre. Die Sommer waren warm, es gab viele Eicheln und Bucheckern, die Mäuse kamen gut genährt durch den Winter und vermehrten sich im Frühling reichlich – je mehr Mäuse, desto größer die Infektionsgefahr. Und da langfristig die Sommer von Jahr zu Jahr wärmer werden, rechnen Forscher grundsätzlich mit mehr Fällen in jedem Jahr. Ein erhöhtes Risiko besteht heute schon auf der schwäbischen Alb, im Raum Osnabrück, in Unterfranken, im Odenwald, Oberschwaben, der fränkischen Alb, dem bayerischen Wald, Osthessen und West-Thüringen.

Um sich vor dem Hanta-Virus zu schützen, empfiehlt das Robert Koch-Institut gleich mehrere Maßnahmen. Die wichtigste ist, Haus und Garten möglichst frei von Mäusen und anderen Nagern zu bekommen. Lebensmittel und Abfälle müssen dazu unzugänglich sein, Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten müssen verschwinden. Auch der Einsatz von Schlagfallen und Nagergiften hilft, wobei nur gesetzlich zugelassene Mittel verwendet werden dürfen. Der kritischste Punkt ist die Beseitigung von toten Mäusen und Mäuseausscheidungen. Bei der Auswahl des Reinigungsmittels ist zu beachten, dass dieses die Viren zerstört oder zumindest inaktiv macht.

Bevor es zum Räumen in den Keller geht: Die Anti-Hanta-Viren-Ausrüstung besorgen (Atemschutzmaske, Reinigungsmittel und Handschuhe).

Schutz vor dem Hanta-Virus: Der 5-Punkte-Plan für Keller & Co.

Abwarten.
Vor Beginn der Reinigung 30 Minuten lüften.

Schützen.
Bei der Aktion Gummihandschuhe und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Empfohlen ist eine sogenannte FFP3-Maske.

Befeuchten.
Um die Staubaufwirbelung so weit wie möglich einzudämmen, tote Mäuse, Fallen und Staub mit geeignetem Reinigungsmittel besprühen. Achtung: keinen Staubsauger benutzen! Die Abluft wirbelt Staub auf und kann die Viren noch weiter verbreiten.

Entsorgen.
Tote Mäuse oder belegte Fallen in einer geschlossenen Plastiktüte über den Hausmüll entsorgen.

Saubermachen.
Verschmutzte Flächen sorgfältig mit Haushaltsreinger oder Desinfektionsmittel säubern. Alle Arbeitsmittel und Fallen nach Benutzung ebenfalls gründlich reinigen. Abschließend gründlich Hände mit Wasser und Seife waschen!

Die Ausbreitung des Hanta-Virus ist ein weltweites Problem, ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Noch mehr Fälle als in Deutschland werden aus Finnland und Schweden gemeldet, aber auch Belgien, Österreich und einige Balkanländer sind betroffen. In Ostasien infizieren sich bis zu 20.000 Menschen im Jahr, in Nord- und Südamerika sind es derzeit bis zu 5.000 Fälle. Dort jedoch verläuft die Krankheit meist anders. Statt der Nieren wird die Lunge geschädigt – immer wieder mit tödlichem Ausgang.

Verunsicherte Besitzer von Katzen und anderen Haustieren stellen sich die Frage, inwieweit ihre vierbeinigen Gefährten durch Kontakt mit hantainfizierten Nagetieren infiziert werden oder gar das Virus auf weitere Mitglieder des Haushalts übertragen können. In einer uns vom Friedrich-Löffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, freundlicherweise zu diesem Thema zur Verfügung gestellten Publikation*, die Sie hier downloaden können, gehen die Verfasser von einer latenten Gefahr aus, jedoch ist dies noch nicht abschließend erforscht.

*Ulrich, R.G., Imholt, C., Krüger, D.H., Krautkrämer, E., Scheibe, T., Eßbauer, S.S., Pfeffer, M. (2013). Hantaviren in Deutschland: Gefahren für Zoo-, Heim-, Haus- und Nutztier?, in Berl. Münchn.Tierärztl. WoSchr. 126, S. 514-526.