Jetzt wird losgerollt!
Werden E-Scooter zu neuen, treuen Begleitern vieler Pendler? Umhängetaschen, wie die Leonhard Heyden aus der Serie Berlin, sind es jetzt schon.

Jetzt wird losgerollt!

Sie sind in aller Munde, waren bisher aber noch nicht auf den Straßen unterwegs: E-Scooter. Die motorisierte Variante der Tretroller, die wir sonst vor allem als beliebte Fahrzeuge für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter kennen. In einigen Ländern sind die elektronischen Tretroller bereits gängiges Fortbewegungsmittel. Doch in Deutschland waren sie bisher nicht erlaubt. Das ändert sich jetzt: Mitte Mai hat der Bundesrat die Zulassung von elektronischen Rollern als Elektrokleinstfahrzeuge beschlossen. Jetzt dürfen E-Scooter auch auf Deutschlands Straßen rollen. Dabei muss aber einiges beachtet werden.

Diese Regeln gelten

Die E-Scooter dürfen 6 bis maximal 20 km/h schnell sein. Die Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein, brauchen aber keine Fahrerlaubnis. Für die Elektro-Tretroller gelten im Straßenverkehr ähnliche Regeln wie für Fahrräder: Sie sind auf Radwegen, Fahrradstraßen und Radfahrstreifen erlaubt. Auf dem Gehweg dürfen sie nicht fahren. Fehlt ein Radweg, dürfen die Rollerfahrer auf die Straße ausweichen. Die E-Scooter müssen mit zwei voneinander unabhängigen Bremsen, Beleuchtung und Reflektoren sowie einer „helltönenden Glocke“ ausgerüstet sein. Eine Helmpflicht gibt es nicht, obwohl wie beim Fahrrad, das Tragen eines Schutzhelms empfohlen wird. Der größte Unterschied zum Fahrrad: E-Scooter brauchen eine Haftpflichtversicherung und eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer. Ohne Versicherungsplakette dürfen die Roller nicht auf öffentlichen Straßen fahren.

Probleme und Gefahren

Radfahrer werden künftig also Konkurrenz auf dem Radweg bekommen. Da der Wegeausbau für Radfahrer in vielen Städten aber zu wünschen übrig lässt, sind Konflikte programmiert. Auch die Unfallgefahr wird durch noch mehr Verkehrsmittel größer: Das Risiko für Zusammenstöße auf den engen Radwegen steigt. Andere Verkehrsteilnehmer könnten außerdem leicht die Geschwindigkeit der Roller unterschätzen. Kritiker sehen mit Blick auf Metropolen wie Paris außerdem Probleme mit Leihrollern auf uns zukommen. Miet-E-Scooter sorgen dort für Chaos, denn sie werden oft wild auf Gehwegen abgestellt und es kommt zu Vandalismus.

Warum E-Scooter?

E-Scooter haben allerdings auch Vorteile: Sie sind besonders für kurze Strecken geeignet, bei denen man sonst das Auto nehmen würde. Zum Beispiel für den Weg zur Bushaltestelle oder von der Haltestelle ins Büro. Die Roller könnten also auch motivieren, mehr mit Bus und Bahn zu fahren, wenn bisher der Weg zur Haltestelle ein Hinderungsgrund war. Denn die Roller sind in der Regel kleiner und leichter als Fahrräder, oft zusammenklappbar und können so auch praktisch in Bus und Bahn mitgenommen werden. Das Auto mal stehen zu lassen und stattdessen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ist gut für die Umwelt. Wenn der Tretroller dabei helfen kann – super! Mit dem guten alten Fahrrad wäre man aber natürlich noch umweltschonender unterwegs.

Und der Umweltschutz?

Kein Lärm und keine Luftverschmutzung, weniger Autofahren – was das angeht, sind die Elektro-Roller ein wirklich fortschrittliches Verkehrsmittel. Bei näherem Hinsehen gibt es aber doch einen Haken: Die Akkus der Roller hinterlassen in der Herstellung einen recht großen ökologischen Fußabdruck. Die Batterien enthalten Kobalt, Nickel und andere seltene Rohstoffe. Für die Herstellung wird außerdem viel Energie benötigt. Die verhältnismäßig kurze Lebenszeit der Akkus wiegt das auch nicht auf.

Im Leihbetrieb sind E-Scooter aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit daher eher fragwürdig. Roller und Akkus sind häufig nicht besonders hochwertig produziert. Dadurch und durch die starke Nutzung der Scooter ist ihre Lebensdauer entsprechend kurz. Durch ausrangierte Mietroller wird daher viel Müll entstehen. Günstige Leih-E-Scooter sind also nicht unbedingt die Lösung für unsere Klimaprobleme. Ökologischer ist ein eigener (hochwertiger) E-Scooter. Besonders für Pendler ist die Anschaffung sinnvoller, als einen Roller zu mieten. Was man beim Kauf beachten muss, damit der Roller dann auch zugelassen wird und Freude macht, kann man auf zahlreichen Ratgeberseiten online nachlesen.