Jetzt legt mal eure Handys weg!

Jetzt legt mal eure Handys weg!

Smartphones töten. Also nicht aktiv. Aber das ewige Daddeln kann einem zum Verhängnis werden – speziell im Straßenverkehr. Die Stadt Köln testet deswegen jetzt Bodenampeln für Smartphone-Starrer. Denn jeder sechste Fußgänger schaut lieber aufs Smartphone, als dass er auf Verkehrszeichen achtet. Ja, es gibt sie. Diese Menschen, die mit ihren Smartphones verschmolzen zu sein scheinen, sind keine Seltenheit. Lehrer, Eltern, Freunde leiden darunter – und nicht zuletzt auch die Betroffenen selbst. Predigten verhallen meistens im Nichts. Zu einfach ist der Griff zum Mobiltelefon – zu verlockend sind die Neuigkeiten. Die Ermahnungen der Eltern, doch endlich das Handy aus der Hand zu legen, werden zum festen Bestandteil des Familienessens – dabei übersehen Mütter und Väter oft, dass sie sich selbst nicht von dem Problem freisprechen können. Unsere Smartphones haben uns im Griff.

Die Zahlen sind erschreckend: Wer mehr als 60 mal am Tag Apps auf Smartphones, Tablets oder ähnlichen Geräten nutzt, gilt als süchtig. Das besagt zumindest diese Studie aus dem Jahr 2014. Davon betroffen: rund 176 Millionen Menschen weltweit – im Jahr zuvor waren es gerade mal 79 Millionen.

Besonders Mütter und Menschen mit dem Beruf Erzieher sollen demnach abhängig sein. Das größte Problem: es ist eine gesellschaftlich anerkannte Sucht. Und wie jede Abhängigkeit kommt sie schleichend. Ein Blick aufs Smartphone in der Bahn, auf der Straße und beim gemütlichen Beisammensein mit Freunden. Und prompt ertappt man sich dabei, dass man von dem Spielfilm, der gerade läuft, kaum etwas mitbekommen hat. Der Konsum wird zur Selbstverständlichkeit – und Kinder schauen sich das ab.

Vorsicht bei diesen Anzeichen

Online-Games zocken, Push-Nachrichten lesen und ständig diese Neugier, ob der letzte Post auf Facebook schon einen Like bekommen hat. Der Drang, immer Up-to-date zu sein, versklavt uns – und unseren Sklaventreiber tragen wir immer ganz nahe bei uns. Ein Zwang, in dem viele auch Befreiung suchen – oder einfach Kurzweil. Kaum kündigen sich Stress oder unangenehme Tätigkeiten an, erfolgt der Griff zum Smartphone – nur um kurz durchschnaufen zu können.

Schnell passiert es, dass man selbst schöne Situationen für den Blick aufs Smartphone unterbricht. Und spätestens an diesem Punkt wird die Realitätsflucht bedenklich. Denn langsam leidet auch die Arbeit unter den ständigen Push-Nachrichten und Erinnerungen. Schlechte Konzentration, Vergesslichkeit und Leistungsstörungen sind die Folgen. Die Freunde hocken in den sozialen Medien, aber im echten Leben wird man immer einsamer. Mit vielen Menschen in Kontakt – und doch immer alleine. Egal: das Mobiltelefon ist ja da. Hat das aber mal keinen Empfang oder ist der Akku leer, stellt sich sofort diese innere Unruhe ein. Wut kommt auf, Hilflosigkeit. Gefangen im Strudel der Sucht, quält das schlechte Gewissen bei jedem Griff zum Handy. Wird es mal vergessen, bricht einem der kalte Schweiß aus.

Süchtig, und jetzt?

Wichtig: sich zu festgelegten Zeiten komplett frei vom Smartphone machen – das gilt auch für Kinder. Tipp: Smartphone in Flugmodus schalten, sobald man am Feierabend nach Hause kommt. Während der Mahlzeiten und zur Schlafenszeit hat das Smartphone ohnehin nicht in Alarmbereitschaft zu sein. Für die Frage nach der Uhrzeit wieder Wecker und Armbanduhr in Betrieb nehmen. Dann gibt es auch keinen Grund, das Ding ständig mit sich rumzutragen. Außer vielleicht die Kamera – aber jeden Quatsch muss man ohnehin nicht fotografieren. Und auch die Arbeit muss abends mal ruhen. Geschäftliche Anrufe und Mails müssen dann eben bis zum nächsten Tag warten.

Die meisten Apps und Messenger braucht man nicht, also weg damit. Beim Rest: Push-Nachrichten deaktivieren. Alles was die Konzentration stört, gehört weg. Online-Spiele kompromisslos löschen – und für die Unterhaltung in der Bahn wäre doch ein Buch mal wieder schön. Ist der Wälzer zu groß und unhandlich? Dafür gibt’s praktische E-Book-Reader. Für Fortgeschrittene: handyfreie Tage einführen. Die beste Art, sich selbst zu beweisen, dass man ohne die Dinger klar kommt. Und die Kinder? Sie komplett vom Handy zu trennen, ist kontraproduktiv. Das Verbot macht das Smartphone noch begehrenswerter. Und wer nicht im Klassenchat ist, ist schnell nicht mehr auf dem Laufenden. Besser sind Angebote zu Aktivitäten, die dem Kind Spaß machen – und eine Weile vom Smartphone ablenken. So kann man gemeinsam der Fessel Smartphone entgehen.

War es früher ein Privileg, immer erreichbar zu sein, ist es heute genau umgekehrt. Wer sich aber von der ständigen Erreichbarkeit lossagt, erlangt viel Freiheit wieder. Und lernt unsere zwischenmenschliche Kommunikation wieder zu schätzen – und was es heißt, mal nicht erreichbar zu sein.