Ist Ihr Kind auch eine Lärmbelästigung?

Ist Ihr Kind auch eine Lärmbelästigung?

Woran erkennt man frisch gebackene Eltern? Richtig, am glückseligen Grinsen und den tiefdunklen Ringen unter den Augen, weil sie nachts eben doch etwas häufiger raus müssen. Die direkten Nachbarn im Mietshaus haben meist auch Augenringe; ihnen fehlt jedoch das Grinsen. Und das kehrt auch später leider nicht mehr so schnell wieder.

Kinder – besonders Kleinkinder und Babys – haben keinen Aus-Knopf. Klingt simpel, versteht aber nicht jeder und klagt sogar. Resultat: Das Schreien, Lachen und Weinen eines Säuglings gehört allerdings zu der Art Kinderlärm, die grundsätzlich hingenommen werden muss (AG Bergisch-Gladbach, 18.05.1982, 26 C 14/82). Dabei spielt es auch keine Rolle, wie dünn die Wände sind. Adressat für Forderungen nach besserer Dämmung und Schallschutzmaßnahmen ist der Vermieter.

Kinderlärm ist Ausdruck freier Entfaltung

Kinder haben einen natürlichen Spiel- und Bewegungstrieb und müssen sich ausleben dürfen. Dabei sind sie sich nicht bewusst, wie laut sie sind und kennen schon gar keine Dezibelgrenzen. Kinderlärm ist zudem kein Dauerlärm.

“Es mag an der Definition liegen, aber mein Kind macht keinen Lärm und die Kinder der Nachbarn auch nicht.“ Eine Mutter, befragt zu Kindern und „Lärm“

So legt das Bundesimmisionsschutzgesetz (BImSchG) in § 22 1a fest, dass Kinderlärm keine schädliche Umwelteinwirkung ist. Das betrifft zwar im engeren Sinne nur Kindertageseinrichtungen sowie Spiel- und Ballspielplätze. Doch wo mehr als zehn nicht schaden, sind ein oder zwei Kinder wohl ebenso unbedenklich. Eine Umweltplakette dafür gibt es jedoch noch nicht.

Karoline am Klavier, Sven auf dem Spielplatz

Übung macht den Meister: Damit das auch Kindern an ihrem Musikinstrument gelingt, haben sie genauso wie Erwachsene das Recht, zwei bis drei Stunden täglich zu musizieren. Ein generelles Musizierverbot im Mietvertrag ist somit unzulässig und unwirksam. So schräg und schändlich das Gezupfe, Gefiedel, Getrommel oder Geklimper auch am Anfang klingen mag, da müssen die Nachbarn durch. Wird alles irgendwann besser. Versprochen.

Die Königsklasse der Nachbarschaftsbeschwerde ist natürlich: Kinder auf dem Spielplatz, die angeblich zu laut sind. Dabei stellt bereits das BImSchG klar, dass die Kleinen in Ihrer Umwelteinwirkung höchst unschädlich (!) sind. Das Wort „Spielplatz“ macht doch offensichtlich, für welchen Zweck dieser Ort zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gedacht ist. Darum organisieren sich die ganz Gewieften bereits bei der Planung als Bürgerinitiative gegen Räume für Kinder.

Alles hat ein Limit

Natürlich hat der Spaß auch für Kinder irgendwo Grenzen. Der Stuhl muss im Zimmer nicht zwingend alle 30 Sekunden gegen die Wand geworfen werden. Auch sollte der zwölfjährige „Fußballstar“ sein Talent nicht in der Wohnung entdecken, sondern lieber auf dem Bolzplatz oder im Hof. Stichwort: Mannschaftssport!

Apropos Hof: Das Spielen dort ist grundsätzlich erlaubt, wenn nicht in der Hausordnung anders geregelt. Parken dort jedoch Autos, dann nicht. Ebenfalls geeignet zum Spielen sind Gartenanlagen, sofern diese nicht explizit als Zier- oder Nutzflächen ausgewiesen sind. Kommen die Kinder so langsam in die Pubertät, darf man auch Eltern ansprechen und um etwas mehr Ruhe bitten. Allerdings merken diese wahrscheinlich selbst, dass die bis zum Anschlag aufgedrehte Stereoanlage etwas zu laut ist.

Wer sich als Kinderlärmgeplagter dennoch juristisch austoben möchte, dem sei der Vermieter als Ansprechpartner für eine Mietminderung (bis zu 20 oder 30 Prozent) ans Herz gelegt. Wenn der jedoch daraufhin den Mietvertrag kündigt und vor Gericht Recht bekommt, ist man zwar das „Lärmproblem“ los, seine Wohnung aber auch.