Ist das Kunst oder bleibt das kleben?

Ist das Kunst oder bleibt das kleben?

Wenn was schnell und vorrübergehend halten soll, ist es oft die erste Wahl: Klebeband. Dass man viel mehr aus den haftenden Streifen machen kann, zeigen Tape-Art-Künstler mit ihren Werken. Auf Wandbildern, Innenwänden oder ganzen Häuserfassaden entstehen durch Klebestreifen zum Teil riesige Kunstwerke – kunterbunt oder auch mal nur monoton. Und es geht noch mehr: Ganze dreidimensionale Skulpturen können aus den klebenden Streifen erschaffen werden.

Entwickelt hat sich die Klebekunst bereits in den 1960ern vor allem in urbaner Umgebung. Aus der Unterart des Graffiti-Sprayens wurde langsam eine ganz eigene Kunstform – und die sieht man heute auch gerne mit Graffitis kombiniert. Wurde in den Anfängen noch oft normales Krepp- oder Paketklebeband verwendet, ist die Vielfalt an Farben mittlerweile üppig. Das hat dazu geführt, dass es richtige Händler für Tape-Art-Bedarf gibt. Besonders beliebt sind Gewebe-Klebebänder (kurz: Gaffa oder Gaffer Tape), da diese sich von Hand abreißen lassen. Und das kommt dann überall zum Einsatz, wo es haftet – egal ob Stein, Beton, Asphalt, Holz, Stoff oder Glas.

Alltagsgegenstand wird zum Allrounder

In letzter Zeit feiert Tape Art den Einzug in die Popkultur: Künstler, Musiker und Street Artists entdecken die Bänder für sich – und Firmen nutzen sie für Werbekampagnen. Und die Kunstform entwickelt sich ständig weiter: die Fusion von Tape Art mit Video Mapping (bei dieser Kunstform werden beliebig strukturierte Oberflächen mit einem Videoprojektor beleuchtet) bezeichnet man als Tape Mapping. Hier werden mit Klebeband gestaltete Formen von Lichteffekten angestrahlt – und dadurch visuell verstärkt.

Mal schön eine kleben

Wer jetzt selbst zum Tape-Art-Künstler avancieren will, sollte sich vorerst mal auf die eigenen vier Wände beschränken. Zwar sind Tape Arts nicht gänzlich verboten, da sie öffentliche Flächen nur temporär verändern, aber trotzdem bewegt man sich in einer Grauzone. Zum Vergleich: Graffitis können schnell teuer werden. Besser: erst mal den Profis zuschauen. Verschiedene Street-Art-Gruppen bieten Live-Performances, Ausstellungen oder Workshops mit der klebrigen Kunst. Wer hingegen einfach nur auf stylishe Farben steht, darf hier zugreifen.