Immer mehr Zecken!
Wenn die Zeckensaison losgeht, ist in Vorgärten wieder Vorsicht geboten.

Immer mehr Zecken!

Wer glaubt, Zecken lauern nur im Wald auf ihre Opfer, irrt gewaltig. Die gefährlichen Parasiten sind überall – auch im Garten, weil Vögel, Nagetiere, Katzen, Hunde und Füchse als Transportmittel dienen und die millimetergroßen Blutsauger so bis ans Haus langen. Und: Die sogenannten Risikogebiete breiten sich weiter aus. Inzwischen gelten laut Robert-Koch-Institut 161 Landkreise als Risikogebiet – fünf mehr als 2018, das ohnehin schon ein Zeckenrekordjahr war. Bei 583 Menschen diagnostizierten Ärzte eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Sie gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, da die Krankheit, die tödlich enden kann, nicht bei allen Menschen so dramatisch verläuft und als solche erkannt wird.

Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach den kleinen Spinnentieren abgesucht werden.

So kommt es zur Infektion

Wenn die Zecke zuschlägt, bohrt sie ihren Stechrüssel in die Haut des Wirts und verankert ihn mit Widerhaken und einer Art Klebstoff – das Opfer merkt davon nichts. 0,1 Prozent bis 5 Prozent der Zecken haben das FSME-Virus im Speichel und übertragen damit den Auslöser von lebensgefährlichen Hirnhautentzündungen. Das Opfer ist infiziert, sobald der Zeckenspeichel in die Wunde eindringt, die Wahrscheinlichkeit der Übertragung beträgt ein Drittel. Für die Hauptrisiko-Gebiete Bayern und Baden-Württemberg ist deshalb allen, die sich häufiger im Grünen aufhalten, eine Impfung dringend empfohlen.

Jede dritte Zecke kann außerdem Borreliose verbreiten – eine Krankheit, die Nerven, Gelenke, Organe und Gewebe schädigt. Da sich die Borreliose-Bakterien im Darm der Zecke befinden, vergehen 8 bis 15 Stunden, bis sie auf den Wirt übertragen sind – Zeit, die Zecke zu finden und zu entfernen.

Hat sich die Zecke festgebissen, sollte sie schnell entfernt werden. Geeignete Werkzeuge wie Zeckenzangen gibts in der Apotheke.

So schnell wie möglich entfernen

Zecken sind wenig wählerisch – sie stechen, wo sie können. Nach jedem Aufenthalt in Wald oder Garten muss der gesamte Körper abgesucht und eine gefundene Zecke sofort entfernt werden. Mit Zeckenhaken, Zeckenschlinge oder Zeckenkarte ist das ganz einfach – notfalls auch mit den Fingernägeln. Die Gefahr, dass dabei etwas schief geht, ist viel geringer als die einer Borreliose-Ansteckung. Alle Anti-Zecken-Werkzeuge werden zwischen Haut und Zecke angesetzt, die Zecke senkrecht leicht angehoben und aus der Haut gezogen – wenn möglich, macht eine Drehung des Werkzeugs den Vorgang noch leichter. Wichtig ist, dass kein Druck auf die Zecke ausgeübt wird, da diese sonst vermehrt Speichel absondert. Entgegen landläufiger Meinung ist es nicht schlimm, sollte der Stechrüssel abreißen und in der Haut bleiben – er wird vom Körper abgestoßen. Ist die Zecke entfernt, nicht vergessen, die übrige Haut abzusuchen – eine Zecke kommt selten allein!

Vorsichtig entsorgen

Keine gute Idee ist es, Zecken lebendig zu entsorgen – auch nicht in der Toilette, denn Wasser kann ihnen nichts anhaben. Beim endgültigen Erledigen einer Zecke achten Sie darauf, nicht mit dem Zeckenkörper oder austretender Flüssigkeit in Berührung zu kommen – es besteht Infektionsgefahr! Ganz auf Nummer sicher geht, wer die Zecke abschließend luftdicht aufbewahrt –  sollte es tatsächlich zu einer Übertragung gekommen sein, ist der Kadaver sehr hilfreich für eine genaue Bestimmung.

Erste Hilfe: eine Zeckenkarte in Kreditkartenform, die auch in der kleinsten Geldbörse Platz findet. Damit können die Zecken schiebend entfernt werden, was die Gefahr von Erregerübertragung verringert.

Dann zum Arzt

Entsteht nach einem Zeckenstich eine Rötung und klingt diese nicht innerhalb von zwei Tagen ab oder sollte die Haut sogar anschwellen, schmerzen oder pochen, muss ein Arzt konsultiert werden. Die sogenannte Wanderröte ist eine ringförmige Rotfärbung um die Einstichstelle und entwickelt sich über mehrere Tage – sie signalisiert sicher eine Borreliose-Erkrankung. Diese Verfärbung zeigt sich jedoch nur bei jedem vierten Patienten, und daher ist eine Blutuntersuchung und anschließende ärztliche Behandlung unverzichtbar – etwa 50 Krankheiten werden von Zecken übertragen.

Zähe Biester

Ist es wärmer als 5 Grad, wird die Zecke munter und ist deshalb fast ganzjährig auf Beutezug. Zwar erschweren dichte Kleidung und Abwehrmittel einen Zeckenstich, verhindern können sie ihn nicht. Zecken überleben ohne Nahrung Tage und Wochen auch in Kleidung – eine 30-Grad-Wäsche samt Schleudergang lässt sie unbeschadet, erst ab 60 Grad in der Waschmaschine oder dem Trockner sterben sie.

Es bleibt riskant

Mit der Klimaerwärmung kommen neue Zeckenarten und Probleme. Jüngst bereitet den Forschern die neu eingeschleppte subtropische Hyalomma Sorgen. Sie wird zwei Zentimeter groß, kann Überträger des Krim-Kongo-Virus und somit Auslöser eines tödlichen Fiebers sein. Aber welche Art auch immer: Noch haben Forscher kein absolut sicheres Mittel gegen Zecken entdeckt. Bis es soweit ist, bleibt es bei Suchen, Finden und Entfernen. Oder Impfen: In Österreich gibt es eine Impfquote von 85 Prozent, in Deutschland suchen etwa nur ein Drittel so viele Menschen Schutz auf diesem Wege.