Gut eingepackt
Rechts: Kuschelsachen zum Wohlfühlen. Links, falls man doch mal rausmuss: die passende Tasche (Leonhard Heyden).

Gut eingepackt

Ganz schön frisch geworden! Und wie jedes Jahr muss man sich erst einmal wieder daran gewöhnen und die richtigen Klamotten bereithalten. Hier zeigen wir, wie und womit man sich am besten einpackt.

Die richtigen Stoffe

Angora, Wolle oder Daunen: Alle drei eignen sich wunderbar für kalte Tage. Angora und Wolle wärmen auf natürliche Art und Weise gut. Allerdings: Angora ist ein echtes Luxusprodukt und daher ziemlich teuer. Wolle kann auf der Haut kratzen. Aber auch das Futter eines Kleidungsstücks ist entscheidend: Daunen mit ihrer leichten und verästelten Struktur speichern viel Luft – und die wirkt als isolierendes Polster. Die Körperwärme bleibt gespeichert … und die Kälte außen vor.

Lieber nicht!

Baumwolle und Viskose sind zwar sehr hautfreundlich und angenehm zu tragen, nehmen aber viel Feuchtigkeit auf, trocknen langsam und kühlen eher als dass sie wärmen oder isolieren. Polyester ist reißfest und wasserabweisend, wärmt selbst aber überhaupt nicht. Der synthetische Stoff Gore-Tex ist wind- und wasserdicht sowie atmungsaktiv, spendet aber auch keine Wärme. Immerhin: Für stürmische Herbsttage ist er geeignet.

Tierfreundliche Alternativen

Veganer und Menschen, die Tiere nicht für ihr Wohl leiden lassen wollen – auch diesbezüglich sind Angora und Daunen problematisch – haben es etwas schwerer, an warme Stoffe zu kommen, aber frieren müssen sie nicht. Unter den synthetischen Materialien eignet sich Fleece am Besten:  Die künstliche Wolle wird aus Polyester hergestellt, welcher zu feinen Fäden verarbeitet wird und anschließend in Maschen den Fleecestoff ergibt. Durch die besondere Dichte und Struktur der Maschen wird Fleece zu einem kuschelig warmen Stoff, ist robust, formbeständig, elastisch, isoliert gut gegen Kälte und ist dabei extrem flauschig. Aber: Fleece ist nicht gleich Fleece. Standardfleece neigt eher zum Pilling (Fasern lösen sich und bilden Knötchen an der Oberfläche), wohingegen Microfleece feiner und hochwertiger ist. Um Fleece wärmer, stabiler und wind- und wasserdicht zu gestalten, werden zwei Lagen Fleece miteinander verklebt und dazwischen wird eine funktionelle Membran gelegt (Fleece-Bonding-Verfahren). Es kommt aber grundsätzlich auch immer auf eine gute Kombination verschiedener Materialien an, um einen Kälteschutz zu bewirken.

Immer unschlagbar: das Zwiebelprinzip

Die Kleidung an kalten Tagen sollte aber nicht nur die Aufgabe haben, uns warmzuhalten, sondern auch einen Temperaturausgleich herbeizuführen: Schließlich schwitzt man auch dann, wenn man dick eingepackt ist – gerade weil durch typische wind- und wasserdichte Winterkleidung ein Hitzestau entsteht, der wiederum eine Kühlung mittels Schweißabsonderung zur Folge hat. Das Ergebnis davon: Wir frieren. Um dies zu vermeiden, ist es besser, sich nicht auf ein einziges dickes Teil zu verlassen, sondern auf mehrere Lagen zu setzen.


Dabei werden mindestens drei Kleidungsschichten übereinander getragen, die miteinander funktionieren. Bei der ersten Lage geht es um die Feuchtigkeits-Regulation. Der unerwünschte Kühlungseffekt wird vor allem auf der ersten Schicht, der Unterwäsche, deutlich spürbar. Daher soll ihre Aufgabe darin bestehen, den Schweiß schnell an das darüber getragene Kleidungsstück weiterzugeben. Hier eignet sich Wäsche aus synthetischen Materialien oder kratzfreier Merino-Wolle gut, die das Klima-Management besser beherrscht als Baumwolle.

Bei der zweiten Lage steht die Wärme-Isolation im Vordergrund: Hier empfehlen sich leichte und dehnbare Unterzieher (je nach Temperaturempfinden) aus Fleece oder Merino-Wolle. Zum Kuscheln steht Kaschmir ganz oben auf der Liste, allerdings auch beim Preis. Last, but not least: Wetterschutz. Zum Beispiel mit einer witterungsabhängigen und atmungsaktiven Wind- oder Regenjacke. Softshell-Jacken bieten übrigens den besten Kompromiss aus Atmungsaktivität und Wetterschutz.


Da nicht nur alles Gute von oben kommt, ist eine Kopfbedeckung eine gute Investition – und jederzeit ein schönes Accessoire, wie in dieser Liebeserklärung an die Mütze zu lesen ist.


Warme Füße

Weil die Kälte gerne von unten kriecht, ist es wichtig, auch an dieser Stelle anzusetzen. Denn wir wissen ja – nichts ist unangenehmer als kalte Füße zu bekommen. Also: dicke Gummisohlen, die auch vor Nässe schützen. Wenn man länger stehen muss, eignen sich Doubleface-Lammfellstiefel oder Lederschuhe mit einem Lammfell- oder Hightech-Futter. Auch Schneestiefel aus reiner Synthetik wärmen gut. Die kosten zwar, aber lohnen sich.


Für lange Spaziergänge im Schnee eignen sich Modelle mit eingearbeiteter Tex-Membran. Hat der Schuh nur eine flache Sohle oder ist der Träger besonders kälteempfindlich, sind Einlegesohlen ein zusätzlicher Puffer. Zum Beispiel Thermo-Einlagen aus Lammfell oder dreilagige Sohlen mit einer eingearbeiteten Isolierschicht aus Alufolie. Wichtig: Das Schuhwerk darf nicht zu eng sein, sonst ist die Durchblutung behindert. Eine Luftschicht zwischen Fuß und Schuh isoliert zusätzlich und gibt den Zehen Spielraum.

Auch gut: die Füße immer mal wieder bewegen und mit den Zehen kreisen. Und was die Socken angeht – hier kommt es in erster Linie nicht auf die Dicke, sondern das Material an. Socken aus Schafwolle, mit hohem Angora-Anteil oder Thermosocken eignen sich gut, Baumwolle eher weniger. Auch der Igelball macht Füße glücklich: Fußmassagen verhindern verengte Fußgefäße, die auch eine Ursache für kalte Füße sein können.

So: und jetzt kann der Winter kommen. Ach, er ist gefühlt schon da? Dann kann es ja nicht mehr weit bis zum Frühling sein …