Grill-Alarm auf dem Balkon

Grill-Alarm auf dem Balkon

Seine Nachbarn kann man sich meist nicht aussuchen, was zu atmosphärischen Störungen führen kann. Ein besonders heißes Thema ist, wer wie oft und warum überhaupt grillen darf. Probleme, die mir bisher fern waren: zum einen, weil mir wohl ein Höhlenmenschen-Gen fehlt, zum anderen aber auch der geeignete Platz. Mein Outdoor-Paradies, wie ich meinen Hinterhofbalkon nenne, ist eben nur zweieinhalb mal anderthalb Meter groß.

In einem Laden für Wohnideen grinste mich aber jüngst ein kleiner Kugelgrill an. Da hatte ich Mitleid und nahm ihn einfach mit und freute mich auf das erste Mal Grillen auf dem eigenen Balkon nach zehn Jahren. Also etwas Holzkohle und – so viel weiß ich auch als Grillgast, der die Sauerei üblicherweise anderen überlässt – etwas Brandbeschleuniger besorgt, der Schwung ins lahme Kokeln bringt. Ich meine natürlich flüssigen Grillanzünder nach DIN EN 1860-3:2003-12.

Ein Nachbar war sehr zuvorkommend

Okay, es gab eine kleine Stichflamme, aber ich hatte alles unter Kontrolle. Im Hinterhof hörte ich zwar etwas, aber ich reagiere schließlich auch nicht, wenn mal wieder um vier Uhr nachts irgendwo da drüben krakeelt wird. Geschweige denn, dass ich die Polizei rufe. Außerdem klang es nicht nach: „Hallo? Alles in Ordnung da drüben?“ Doch keine fünf Minuten später klingelte es im ganzen Haus. Ich ging vom dritten Stock lieber mal runter, um nach dem Rechten zu sehen. Im Hof stapften vier Feuerwehrmänner in voller Montur durch die Blumenbeete und schauten nach oben. „Grillen Sie?“, fragte einer und reichte mir die Hand mit den Worten: „Keine Angst, Sie bekommen keine Rechnung.“ Das fand ich beruhigend, besonders als ich die acht Löschfahrzeuge und das Polizeiauto sah, die die Hauptverkehrsstraße samt angrenzendem Verbindungstunnel in die City blockierten.

Die Polizei schaute auch noch vorbei

Der Feuerwehrmann begutachtete kurz den Brandherd auf meinem Balkon – alles in Ordnung. Sie seien auch schon ausgerückt, als jemand nur eine Zigarette im Blumentopf ausgedrückt habe. Kurz darauf klingelte noch die Polizei. Ich wies mich in meiner eigenen Wohnung aus, zeigte die Feuerstelle, immer noch alles in Ordnung. Dann legte ich zwei der vier Lammkoteletts – ein Schnäppchen aus dem Feinkostladen für 23 Euro – auf die Glut.

Am nächsten Abend habe ich die Grillsaison für beendet erklärt. Bin ich halt wieder Biedermann statt Brandstifter. Die anderen beiden Koteletts wurden in der hochwertigen Pfanne einer schwäbischen Traditionsfirma zubereitet: geht schneller, schmeckt besser und ist gesünder. Danke dafür, liebe Nachbarn. Meinen zum Einweggrill degradierten kugeligen Freund stelle ich bei eBay rein.

Diese Geschichte ist also gerade noch einmal gutgegangen. Aber wie ist das nun grundsätzlich? Wann muss man einen Feuerwehreinsatz zahlen? Wo und wie oft darf man grillen? Einige amtliche Verordnungen und Urteile dazu gibt es hier.