Gewalt auf dem Bildschirm
Medienerziehung ist kein Kinderspiel

Gewalt auf dem Bildschirm

Nach den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden waren sie in aller Munde: Videospiele mit Gewaltinhalten – „Killerspiele“. Die Debatte um Ego-Shooter und Co. sowie deren Einfluss auf Jugendliche eskalierte bis zur Forderung eines generellen Verbotes – wozu es schließlich aber nicht kam.

Psychologische Studien belegen inzwischen: Mit der Intensität des Spielekonsums steigt bei Jugendlichen „die Bereitschaft zum Rauchen, Alkoholkonsum sowie ungeschütztem Geschlechtsverkehr und aggressivem Verhalten als Konfliktlösungsstrategie“. Ebenso werden Depressionen gefördert.

Dementgegen stehen Studien, die das komplett konterkarieren und negative Einflüsse klar widerlegen. Zudem gibt es die Kritik: Studien unter Laborbedingungen fördern auch nur Laborergebnisse zu Tage. Das finale Ergebnis ist Verunsicherung bei den Eltern.

Die USK hilft

Äquivalent zur FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) gibt es für Videospiele die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) als Kontrollinstanz. Dort wird jedes Spiel gespielt, anhand der Kriterien des Jugendschutzes beurteilt und für eine Kennzeichnung vorgeschlagen. Die Alterskennzeichnung selbst erfolgt von staatlicher Seite durch den Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der USK – oder wird mit einem Veto abgelehnt.

Spiele, die überwiegend oder ausschließlich Gewalthandlungen, militärische Missionen und Kämpfe darstellen, erhalten je nach Intensität und Hintergrundstory eine Freigabe ab 16, in der Regel jedoch zu meist keine Jugendfreigabe (USK ab 18). Beim aufgedruckten Alter auf der Verpackung handelt es sich keineswegs um eine Empfehlung, sondern der Handel ist zwingend an die mit den Alterskennzeichen verbundenen Abgabebeschränkungen an Kinder und Jugendliche gebunden. Nach dem Jugendschutzgesetz können Händler bei Missachtung mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld bestraft werden.

Online-Plattformen und App-Stores

Schwieriger gestaltet sich die Kontrolle auf dem Smartphone und Onlineplattformen wie Steam und Co. Als Scharfschütze in 3D Leute umlegen auf dem Smartphone? Mit so manchem Shooter aus dem App-Store ist das kein Problem. Die Spiele haben zwar auch dort eine USK-Freigabe ab 16 oder 18, lassen sich jedoch ohne Alterprüfung downloaden, installieren und spielen. Manche dieser Spiele sind überdies kostenlos – und daher noch leichter zugänglich, da man keine Zahlungsdaten benötigt.

Der richtige Umgang mit Videospielen

Natürlich läuft Medienerziehung selten konfliktfrei ab. Darum ist für Eltern eine Auseinandersetzung mit der Mediennutzung ihrer Kinder dringend nötig und Basis für einen reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang. Denn das relativ neue Medium ist eher die Domäne der jungen Generation. Deshalb gewinnen Kinder und Jugendliche häufig den Eindruck, dass Einschränkungen und Spielregeln lediglich auf Unkenntnis und Vorurteilen beruhen.

Empfehlenswert ist, sich zumindest rudimentäre Grundkenntnisse anzueignen, wie beispielweise das Wissen über unterschiedlichen Genres und die Alterfreigaben. Zudem gilt – ähnlich wie im Falle der Überwachung von Smartphones – gemeinsam mit den Kindern offen darüber zu sprechen, klare Regeln zu kommunizieren und Sperrmechanismen auf den Geräten informiert, aber wohl dosiert einzusetzen. Denn rigoroses Verbieten führt in der Regel nur zu Ausweichverhalten: Nicht altersgerechte Spiele werden dann eben bei älteren Freunden gezockt – oder bei denjenigen, die es eben von Haus aus dürfen.

Vielleicht lohnt es sich ja sogar, selbst mit den Kindern und Jugendlichen zum Controller zu greifen. Mit altersgerechten Inhalten (USK ab 6 oder 12), versteht sich. Denn es kann durchaus Spaß machen und zum gemeinsamen Erlebnis werden, wenn man zusammen spielt – auch ganz ohne Gewalt auf dem Bildschirm.