Gender Fluidity: umsonst zum neuen Outfit

Gender Fluidity: umsonst zum neuen Outfit

Endlich. Nun dürfen wir Mädels nicht nur die Schränke, Regale und Schubladen unserer männlichen Mitbewohner mit frisch gewaschener und akribisch gebügelter Wäsche befüllen. Sondern uns auch offiziell daraus bedienen – weit über den ausgeleierten Sweater für die Gartenarbeit oder die verratzte Pyjamahose zum Sofaabend hinaus. Also so richtig, für den Club oder das Büro: Hemd, Weste, Sakko, Hose.

Wer aktuell Frühlingsgefühle verspürt und als Dame einen männlichen Gegenpart sucht, ist daher gut beraten, den potenziellen Begleiter nicht nur nach Gesicht und Charakter abzuchecken, sondern auch auf Modegeschmack und äquivalente Kleidergröße. Kleiner Tipp: Damengröße + 6 = Herrengröße, d. h. wenn wir 38 tragen, sollten wir uns nach Männern umsehen, die sich in der Herrenabteilung ungefähr bei Größe 44 ausprobieren. Da ist die Auswahl zugegebenermaßen nicht allzu groß. Aber glücklicherweise verträgt die aktuell angesagte Men’s Attitude auch wieder etwas Oversize, sprich: Zwei Nummern größer ist auch noch okay.

Das Spiel mit männlichen Elementen in der Damenmode ist Teil der „Gender Fluidity“, wie sich das Phänomen der Aufhebung klassischer Geschlechterrollen aktuell nennt. Allerdings: So richtig neu ist die Idee, sich als Frau so anzuziehen, als wäre man gar keine, nicht. Man denke da nur an Marlene Dietrichs Blauen Engel oder Kim Basingers 9-½-wöchige Herrenhemdenanimation. Und wie es scheint, finden Männer das – im Gegensatz zu Ballerinas, Crocs, Haremshosen oder Puschelhausschuhen mit Tiergesichtern – gar nicht mal so unsexy. Ob das auch dann noch gilt, wenn wir ihnen ihr Lieblingshemd mit Cranberry-Eis oder grünem Thai-Curry verziert haben, bleibt abzuwarten. Notfalls können sie sich ja rächen. Schluppenbluse als Schal, Volantrock als Einstecktuch oder so.


Jedoch, und das soll hier nicht verschwiegen werden: Was an großen, dünnen Models supercool aussieht, ruft an mit Rundungen und Kurven gesegneten Damen schnell nach einem Änderungsschneider. Gilt natürlich besonders für den Klassiker im Herrenportfolio, die Anzughose. Und ob unsere Jungs uns diesen Eingriff dann verzeihen, das sollten wir erst mal vorsichtig antesten – und nicht unbedingt an seinem besten Stück.

Daher vielleicht den Trend zur Maskulinisierung erst mal mit Dingen zelebrieren, die auf jeden Fall funktionieren: Oberhemden, gerne auch nicht ganz akkurat geschlossen. Westen. Große Uhren. Markige Messenger Bags. (Letztere ändern sogar die Farbe – je nachdem, wie heiß es hergeht.) Alternativ empfiehlt sich ein beherzter Griff zur männlichen Geldbörse. Entsprechenden Inhalt vorausgesetzt, gehen wir damit erst mal shoppen. Vielleicht sogar in der Herrenabteilung.