Explodierende Planeten und Hasen ohne Ohren
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Explodierende Planeten und Hasen ohne Ohren

Frühaufsteher staunten sicher nicht schlecht, als sie letztes Jahr auf KIKA statt „Coco – der neugierige Affe“ knapp 30 Minuten des Horrorfilms „Halloween – Die Nacht des Grauens“ um sechs Uhr morgens gezeigt bekamen. Etliche Kinder dürften geschockt in das elterliche Schlafzimmer gestürmt sein und von schrecklichen, Axt schwingenden Psychopathen berichtet haben. Mit einer Altersfreigabe ab 16 war der Film für diesen Sendeplatz eindeutig falsch.

Selbstverständlich ist das die klare Ausnahme. Dennoch stellen sich Eltern regelmäßig die Frage, was Kinder im Fernsehen und natürlich im Kino sehen sollten? Besonders in Fällen, welche die Altersfreigabe ab sechs Jahren und ab zwölf Jahren betreffen, werden gelegentlich kontroverse Debatten geführt und die Unsicherheiten größer. Denn dazwischen liegt nicht nur eine Differenz von sechs Jahren, sondern ebenso gibt es sehr unterschiedliche Entwicklungsstände bei Kindern. Eben darum fällt eine Antwort auf „Was vertragen die Kinder auf der Kinoleinwand?“ nicht leicht.

Der Film „KeinOhrHasen“ startete im Jahr 2007 mit einer Freigabe ab sechs Jahren. Etwa 400 heftige Beschwerden und Elternproteste später wurde die Freigabe nachträglich auf zwölf Jahre hinauf gesetzt. „Es sei keineswegs auszuschließen, dass Kinder durch die stark sexualisierte Sprache irritiert und verstört würden“, so die Begründung der FSK, der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft.

Ein weiteres Beispiel für die nachträgliche Korrektur der Altersfreigabe – dieses Mal in die andere Richtung – findet sich im Weltraumepos „Star Wars – Episode IV“. Hier spielt vor allem der Showdown in der Cantina eine entscheidende Rolle. Der vermeintlich gute Schmuggler gegen den bösen Kopfgeldjäger. Schießt der Held zuerst, ist es kaltblütiger Mord und der Film ist ab zwölf Jahren frei gegeben – so geschehen in und mit der ursprünglichen Fassung von 1977. Weicht er dem Schuss des Bösen aus und drückt als Zweiter ab, wie in der Special Edition von 1999, ist es Notwehr und der Film ab sechs Jahren freigegeben. Die Tatsache, dass ein kompletter bewohnter Planet vom Todesstern zerstört wird, der wiederum zum Schluss selbst mit voller Besatzung in die Luft fliegt, ist nicht weiter störend.

Zuständig für solche Entscheidungen, also die Einstufung der Filme, ist in Deutschland die FSK in Wiesbaden. Nahezu alle der jährlich etwa 480 Filme, die zur Veröffentlichung vorgesehen sind, werden dort zur Prüfung eingereicht. Jeder Film wird von einem Prüfungsausschuss, bestehend aus fünf Mitgliedern beurteilt – zwei entsandt von der Filmwirtschaft, die drei anderen beauftragt von der öffentlichen Hand, den Kirchen, dem Zentralrat der Juden oder dem Bundesjugendring. Wird kontrovers diskutiert, gilt für die Entscheidung die einfache Mehrheit.

In den letzten Jahren wurde immer wieder angeregt, die Altersfreigaben zu reformieren oder anzupassen, um den Entwicklungsstufen der Kinder gerecht zu werden. In Österreich und der Schweiz beispielweise gibt es zusätzlich die Freigaben ab acht Jahren sowie ab zehn Jahren.

Die aktuelle Lösung in Deutschland ist die sogenannte „Parental Guidance“ (PG). Diese sieht für Filme mit einer Freigabe ab zwölf vor, dass Kinder in Begleitung von „personensorgeberechtigen Personen“ – also explizit nur den Eltern – bereits schon ab sechs Jahren ins Kino dürfen. Damit bleibt es den Eltern vorbehalten zu entscheiden, welche Filme sie ihrem Kind und dessen Entwicklungsstand zumuten können und welche nicht.