Faltige Angelegenheiten
Origami hat das Zeug zum Trend – die Frage ist nur, wann Trendsetter das erkennen?

Faltige Angelegenheiten

Irgend einer findet sich immer: Ist die Stimmung gerade am Boden und ein Notizzettel in der Nähe (manchmal tut es auch ein Geldschein), wird aus dem Stück Papier mit ein paar geübten Kniffen ein Kranich gebastelt – der Hit auf jeder Party. Wer so jemanden nicht im Freundeskreis hat, muss halt selbst Hand anlegen.

Hilfsmittel streng verboten

Die Kunst der Knicke und Falten nennt sich Origami, bestehend aus den japanischen Wörtern für „falten“ („oru“) und „Papier“ („kami“). Alles, was man dazu benötigt, ist ein Stück Papier, das sich ohne Probleme falten lässt und nicht zu leicht reißt. Meist wird das sogenannte quadratische Japanpapier („washi“ oder „wagami“) verwendet, das es einfarbig oder auch mit verschiedenen Mustern gibt. Mehr ist nicht nötig, denn Schere und Klebstoff sind für die meisten Origami-Künstler ein absolutes Tabu.

Back to basic

Kein Geheimnis: Bis die ersten Figuren richtig gut aussehen, erfordert Origami viel Übung und Durchhaltevermögen. Dafür sollte man vor allem die klassischen Grundformen beherrschen, denn darauf bauen fast alle Modelle auf. Natürlich gesellen sich mittlerweile etliche neue Formen zu den Klassikern, aber für Anfänger sind diese essentiell, um beispielsweise den Kranich, den Fächer oder – für Fortgeschrittene – den Schwan zu falten. Ein wunderbarer Ausgleich für gestresste Menschen, denn kaum ein Hobby verbindet Entspannung, Konzentration und Perfektion so eng miteinander wie eine gefaltete Seerosenblüte. Das ist derart beliebt, dass sogar ein deutschlandweiter Verein für passionierte Falter gegründet wurde.

Kranich?! Kann doch jeder!

Profis erfinden ständig neue Origami-Modelle – Anfänger würden sich daran allerdings wohl die Zähne ausbeißen. Ein professionell kreiertes Faltmuster kann schnell mal 300 anstatt nur 30 Faltschritte zählen. Die herausragende Technik des Origamis findet auch bei Wissenschaftlern Beachtung.

Die komplexen Faltpläne der Profis haben mit dem eigentlichen Hobby nicht mehr viel gemein – vielmehr wird die Bastelei hier zu einer Arbeit, die mit der eines Konstrukteurs oder Ingenieurs vergleichbar ist. Solche Faltpläne werden mit speziellen Computerprogrammen erstellt, eine Kleinstarbeit, die durchaus ein paar Wochen in Anspruch nehmen kann.

Wissenschaft im Faltrausch

Aber die lange Konstruktionsarbeit lohnt sich: intelligent gefaltete Straßenkarten, Auto-Airbags oder Solarpanels von Satelliten, die sich erst im All entfalten – Origami-Kunst verhilft vielen solcher Projekte erst zum Durchbruch. Dabei bedient sich die Technik ganz natürlicher Vorbilder: Blütenknospen, die Flügel von Vögeln, unser Gehirn und sogar unsere Gene – all dies ist gefaltet und auf ein Minimum an Material reduziert.

Auch bei Alltagsgegenständen helfen die Falttechniken zu mehr Komfort. Extrem platzsparendes Reisegepäck, das ausgebreitet trotzdem genug Raum für jede Reise bietet (so wie der Move It Cruiser von Hardware), oder die Seitentaschen von Schulranzen (wie beim Scout Sunny, die nur dann Platz brauchen, wenn auch wirklich was drin ist: Alle profitieren von der Kunst des Origami.

Ungeahnte Verbindungen

Was aus den gefalteten Objekten entsteht, muss aber nicht immer nützlich sein – manchmal ist es auch einfach nur schön. Im Schmuckbereich, bei Möbeln oder in der avantgardistischen Mode – Designer sind geradezu verliebt in die Verbindung aus Style und Tradition, die durch die Faltmuster entsteht. Ob die Macher bei ihren Kreationen wohl auch nur nach Entspannung gesucht haben? Die Frage bleibt vorerst offen – im Gegensatz zu der Frage, was man jetzt bei schlechtem Wetter anstellen soll.