Elternfreie Zone

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Snapchat ist der neue Star unter den Social-Media-Apps – und hat unlängst Instagram vom Beliebtheits-Thron gestoßen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von 6.500 Teenagern aus den USA, durchgeführt durch die US-Investmentbank Piper Jaffray. Und auch in Deutschland wird die App immer populärer. Dabei ist der Service noch gar nicht so lange auf dem Markt: 2011 in Los Angeles gegründet, gehört die Social-Media-App mit rund 16 Milliarden US-Dollar jetzt schon zu den wertvollsten, nicht börsennotierten Unternehmen der Welt. Aber was macht die Faszination an Snapchat aus?

Mehr als nur ein Messenger

Snapchat ist eine auf Videos und Fotos basierende App zum Verschicken von Nachrichten. Mit einer sich ständig verändernden Auswahl an Masken kann man witzige Selfies oder animierte Videosequenzen aufnehmen und verschicken. So kann man als Hund die Zunge herausstrecken oder als Einhorn einen Regenbogen erbrechen – und das ist nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten. Die App gibt außerdem die Möglichkeit, Bilder mit Stiften und Emojis zu bearbeiten – um ganze Geschichten zu erzählen. Außerdem gibt es da noch die Live-Events: Bei denen können Snapchatter in Echtzeit dabei sein, wenn US-Präsident Obama in Hannover über den roten Teppich geht oder ein Bergsteigerteam den Mount Everest erklimmt.

Eine weitere Besonderheit von Snapchat ist, dass die geteilten Videos nur für einen begrenzten Zeitraum zu sehen sind. Je nach Einstellung zwischen einem Tag oder nur wenigen Sekunden. Danach zerstören sich die Nachrichten von selbst und können nicht mehr abgerufen werden. Ein Vorteil, den andere Apps, wie zum Beispiel vom Branchenriesen Facebook, nicht bieten. Außerdem ist man hier unter seinesgleichen – denn Eltern nutzen diesen Dienst noch kaum.

Die Konkurrenz schläft nicht

Lange darf sich Snapchat nicht auf seinem letzten Erfolg ausruhen: Mit Musical.ly steht schon die nächste Social-Media-Plattform in den Startlöchern, die sich um die junge Zielgruppe reißt. Einige Teenager in den USA bezeichnen das Programm als die spannendste App, die Erwachsene nicht kennen. Muser, wie sich die User nennen, können über die App Lip-syncing-Videos aufnehmen, teilen oder entdecken. Bis zu 15 Sekunden lang sind die sogenannten „Musicals“, die meistens aus einzelnen Videoschnipseln zusammengebastelt werden. Die Tonspur der Videos kann mit Popsongs belegt werden. Mit geschickten Handbewegungen und Lippensynchronisation wird man so zum Interpret des eigenen Lieblingssongs – oder zum Sprecher von bekannten Filmzitaten. Erfolgreiche Muser gewinnen innerhalb von wenigen Monaten Millionen von Fans und Herzen (das Äquivalent zu Likes auf Facebook). Ein Trend, der Experten aufhorchen lässt – und den Betreibern von Snapchat gar nicht gefallen dürfte. Ob sich der Messenger allerdings bewährt, ist eine andere Frage. Noch ist er vergleichsweise klein, im Gegensatz zu den etablierten Diensten.

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter hingegen sinken bei Jugendlichen weiter in der Beliebtheit. Ein Schicksal, das Snapchat und Musical.ly spätestens dann ereilen dürfte, wenn auch Eltern die Apps für sich entdecken.