Die virtuelle Welt ist nicht genug

Die virtuelle Welt ist nicht genug

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Wenn denn überhaupt jemand drin ist im Wald und man nicht wie ein einsamer Rufer in der Wüste da steht … Doch genug der schlechten Bilder. Was wir eigentlich sagen wollen: Kinder und Jugendliche kommen viel zu wenig raus – weil sie einfach nicht mehr so viel raus wollen wie damals, als es noch kein elektrisches Licht gab. Lieber in der Bude hocken und zocken, daddeln, ballern … oder posten, twittern, chatten. Aber sich in der Wirklichkeit da draußen begegnen, durch die Wälder streifen oder als Städter wenigstens in Parks oder Gartenanlagen unterwegs sein? Laaang-weilig! Wenn man einfallslos ist und nicht schon in jungen Jahren an die Natur heran und in die Natur hinaus geführt worden ist. Also von wegen, wie man in den Wald ruft und so.

Ab in den Waldkindergarten

Ein pädagogischer Weg, der bei uns erst in den 90er Jahren so richtig aufgekommen ist, sind die Waldkindergärten. Wird auch Kindergarten ohne Dach und Wände genannt, was nicht so ganz stimmt. Zwar sollen die Kleinen ruhig mal bei Wind und Wetter draußen sein – aber nicht bei Hagel und Sturm, weswegen in der Regel ein Unterschlupf in Form eines Bauwagens oder einer Waldhütte erreichbar sein sollte.

Und was ist mit den Zecken?

Mehr als 1.500 Gruppen gibt es inzwischen in Deutschland, allerdings gibt es auch zunehmend ein Problem: Zecken. Vor allem der Süden ist ein einziges Risikogebiet, weil die kleinen Biester nicht nur nervig sind, sondern Borreliose oder schlimmer noch FSME übertragen können. Das aber übrigens auch im eigenen Garten, wie hier zu lesen ist. Dieses Problems ist sich auch der Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland e.V. bewusst. Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen kann man das Risiko also etwas minimieren, und dass vor lauter Panikmache niemand niemals mehr in den Wald gehen darf, wäre auch übertrieben.

Wir zimmern ein Baumhaus …

Wenn die Kinder nicht professionell in einem Kindergarten betreut werden, kann man natürlich auch selbst was auf die Beine stellen. Je älter, desto mehr. In Stuttgart hatten ein paar rührige Eltern – oder waren es die Kinder? – eine lustige Idee: Lasst uns ein Baumhaus bauen! Gesagt, getan hat die Gruppe aus Zehnjährigen, unterstützt von den Eltern, darunter auch ein Sozialpädagoge, in so mühe- wie liebevoller und monatelanger Arbeit ein Baumhaus zusammengezimmert. Mitten im städtischen Forst. Doch oweh, oweh: Eines morgens war davon nur noch ein Bretterhaufen übrig. Forstarbeiter hatten die Hütte einfach platt gemacht – auf amtliche Anordnung hin. Die Wut und Trauer war bei den Betroffenen groß, die Einsicht gering.

… aber bitte ohne Nägel!

Na gut, das Baumhaus stand wohl an einem gefährlichen Abhang, die Erbauer haben es mit Nägeln an Stämme gehämmert, was nicht nur Sachbeschädigung ist, sondern ein Todesurteil für die Bäume bedeuten kann. Deswegen darf in Waldkindergärten übrigens nur Mobiles gebaut werden, das sich schnell wieder von selbst in Natur auflöst. Und bei genauerer Überlegung: Wenn nun alle auf die Idee kämen … dann könnte aus so einem Stück Wald alsbald einen Reihenbaumhaussiedlung werden. Sollte man da nicht lieber beim Nachbarn im Garten ein Monument hinterlassen? Das Ganze hat jedenfalls zu einer hitzigen Diskussion geführt.

Spiele für draußen

Wir meinen: Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Und wenn man die Kinder im Wald nicht sich selbst überlassen will – obwohl ein bisschen was anstellen eigentlich zu einer ganz normalen Sozialisation gehört: Auch pädagogisch wertvolle Unternehmungen sind in der freien Natur möglich. Die klassische Schnitzeljagd kennt und kann wohl jeder. Alternativen wie Baumschaukel, Knospenpuzzle oder Borkenkäferspiel werden auf den Seiten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (Landesverband Bayern) oder der Stiftung Unternehmen Wald vorgestellt. Dazu gibt es natürlich viel Wissenswertes rund um das Ökosystem.

Und die richtige Ausrüstung

Was auch immer man sich im Wald sonst noch alles einfallen lässt: Zweckmäßige Kleidung und ein bisschen Grundausrüstung sollten dabei sein. Grundschüler können sie hier gut unterbringen.