Die verschwundenen Schmuckkoffer

Die verschwundenen Schmuckkoffer

Eier gehören ins Eierfach, Gewürze ins Gewürzregal und Schmuckstücke in den Schmuckkoffer. Logisch. Deshalb ist jede Frau dankbar für ein solch praktisches Utensil.

Seltsam allerdings ist, dass Jahr für Jahr immer wieder unzählige dieser Köfferchen gekauft werden – und das, obwohl die Bevölkerungsentwicklung im Segment der Damen im schmuckkofferfähigen Alter (also ca. 8 bis 98) eher stagniert. Das könnte natürlich daran liegen, dass im Schmuckkofferbereich noch keine Grundversorgung erreicht ist. Viel eher aber trifft eine andere Hypothese zu. Er wird geklaut. Und das meistens nicht von bösen Einbrechern. Sondern von den eigenen Verwandten.

Wie es scheint, haben Schmuckkoffer mehr mit einer Modelleisenbahn gemein, als auf den ersten Blick ersichtlich ist – auch sie werden als Geschenk gekauft, um dann im Eigenbedarf genutzt zu werden. Allerdings aus einem eher pragmatischen Grund: der hohen Aufnahmekapazität für klein- und kleinstteilige Dinge. Die Knopfsammlung der Tochter oder die Elektronikbauteile des Gatten schielen förmlich nach einer solch luxuriösen Aufbewahrung. Das Unterfangen, durch sorgfältige Wahl des Standortes (Einbauschrank, oberste Etage, nur mit Leiter erreichbar – oder: Badezimmer, hinter der zweiten Lage Handtücher) eventuellen Entwendungen vorzubeugen, hat sich im Selbstversuch als wenig erfolgreich erwiesen. Die Schmuckstücke sind zwar noch da, mehr oder weniger sorgfältig in Schuhschachteln oder Tüchern eingeschlagen. Das Behältnis aber ist weg.

Zumeist passieren dererlei Entwendungen im zweiten Teil der zweiten Jahreshälfte. Mit einem listigen Hintergedanken. Wenn Weihnachten naht, ist die liebe Verwandtschaft auf der Suche nach einem Geschenk. Und was macht einer soeben charmant um einen Schmuckkoffer erleichterten Dame wohl mehr Freude als ein … noch größerer, schönerer Schmuckkoffer?

Eben. Aber hoffentlich sind diesmal die tollen Ohrringe drin, die vor wenigen Tagen offensiv und lautstark im Schaufenster bestaunt wurden.