Der kleine Trinkgeld-Ratgeber
Auch mit einer Geldbörse von Golden Head stellt sich die Frage: Wie großzügig soll man sein?

Der kleine Trinkgeld-Ratgeber

Das Thema Trinkgeld ist so alt wie die Zivilisation. Beziehungsweise: Seit Menschen bewirtet werden und dafür bezahlen müssen, stellt sich die Frage: wie viel? Also wie viel mehr als das, was ohnehin verlangt wird?

Fest ins kollektive Bewusstsein eingebrannt hat sich die 10-Prozent-Regel, auch wenn das in manchen Ländern anders gehandhabt wird. Mit 10 Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld liegt man meist nicht schlecht, wobei die Gesamthöhe ruhig berücksichtigt werden kann. Also bei 3,40 Euro für einen Cappuccino muss man nicht 34 Cent geben oder liegen lassen, sondern darf auch mal auf vier Euro aufrunden. Bei 230 Euro im Sternerestaurant wiederum müssen es nicht zwingend 23 oder gar 25 Euro sein, vielleicht genügen 15 Euro auch, denn eigentlich ist die 10-Prozent-Regel eine 5-bis-10-Prozent-Regel.

Wenn die ganze Gruppe zahlt

Schwieriger wird es bei größeren Gruppen, wenn die Rechnung zusammen gezahlt wird. Ist im Gegensatz zu südlichen Ländern in Deutschland weniger üblich, was den Service zwar nerven kann, wenn jeder einzeln rumkrämert. Aber vielleicht hat er in der Summe sogar mehr davon, weil es eben auch hier die Tendenz gibt: Je höher die Gesamtsumme, desto mehr bleibt man unter den 10 Prozent. Ob das immer fair ist, weil ja jeder einzelne vom Service profitiert hat, sei dahingestellt.

Bekommt der Chef auch was?

Und was ist eigentlich mit dem Chef? Eine alte Regel besagt, dass man dem kein Trinkgeld geben muss, weil er eh bessergestellt ist als seine Angestellten. Ist inzwischen aber überholt – also vielleicht nicht, dass er mehr verdient, was tatsächlich nicht immer so sein muss, sondern dass man ihm was geben darf. Und wenn der Chef ein guter ist, stopft er das gewissenhaft in die Gemeinschaftskasse. Wenn er ein schlechter ist, knöpft er das Trinkgeld seinen Hilfskräften ab. Darf er aber nicht, wie ein Urteil des Arbeitsgerichts Koblenz bestätigt hat. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sagte dazu: „Der Grundsatz ist klar, das Trinkgeld gehört nicht dem Arbeitgeber und steht ihm auch nicht zu.“ Andernfalls müsste er es als Betriebseinnahme versteuern.

Ob das Trinkgeld aber nun demjenigen gehört, der es in die Hand gedrückt bekommt, ist auch so eine Sache. Oft wird es fairerweise untereinander aufgeteilt – inklusive Crew in der Küche, die ja maßgeblichen Anteil daran haben kann, dass die Gäste zufrieden sind. Aber das wird von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich geregelt.

Die Tricks der Kellner

Wie und für wen auch immer – es gibt ein paar psychologische Tricks, damit die Bedienung mehr bekommt:

  • Wenn der Service die Bestellung des Gasts wiederholt, bekommt er im Schnitt 20 Prozent mehr. Wir lieben es eben, wenn wir gespiegelt werden, hat eine Studie der Cornell University herausgefunden
  • Wenn der Gast mit Namen angesprochen wird, weil der durch die Reservierung bekannt ist, kann auch mehr für den Service rausspringen. Man fühlt sich halt eher geschmeichelt.
  • Setzt sich der Kellner beim Abrechnen mit an den Tisch, muss das nichts mit müden Beinen zu tun haben, sondern wird eine persönliche Nähe erzeugt. Und der Gast wird spendabler als in einer distanziert anonymen Situation, aus der er sich besser herausstehlen kann.
  • Auch ein proaktives Dankeschön auf dem herübergereichten Rechnungsbeleg kann animierend sein ebenso wie der Kaffee oder Schnaps aufs Haus, den man vor dem Zahlen bekommt. Reziprozität nennt man in der Soziologie das Prinzip des gegenseitigen Gebens.

Danke für nichts!

Und wenn man nun gar nichts geben will, weil das Essen schlecht und der Service lausig war? Kann man im Extremfall mal machen und dies auch begründen. Warum soll man eine miese Leistung belohnen? Im Zweifelsfall kann man von der 1-Prozent-Reglung Gebrauch machen, also bei 69,30 Euro auf 70 Euro aufrunden und generös sagen: „Stimmt so“, besser noch „passt schon“! Denn wenn man wirklich so unzufrieden mit allem war, geht man doch eh nicht mehr hin. Also nur Mut!