Der Hype mit dem Hype

Der Hype mit dem Hype

Zwölf Uhr mittags. Die Suche auf dem Smartphone zeigt bei allen Treffern im Umkreis „Dauerhaft geschlossen“. Wo bekommt man nun einen Bubble Tea her? Gab es einst vier Läden auf einem Quadratkilometer, herrscht heuer gähnende Leere. Aber einen Smoothie gibt’s noch? Oder hat auch dieses In-Getränk seinen Zenit überschritten und ist längst kalt gebrühter Kaffee?

Eigentlich reicht zum Durstlöschen Wasser. Zeitweise kippte man sich das jedoch eiskalt mit Eiswürfeln über den Kopf, filmte mit und nannte das Ice Bucket Challenge. Inzwischen dürfte auch der letzte Nominierte abgetrocknet sein.

Jetzt wirft man die Eiswürfel wieder in Cocktails und Longdrinks. Zumindest wenn man sich traut auszugehen und an der Bar etwas zu bestellen. Denn liegen Moscow Mule und Gin Tonic schon wieder, noch immer oder gar nicht mehr im Trend?

Klar weiß man, einfaches Bier ist out – looogisch! Bananensaft im Weißbier ist ebenso längst passé. Okay zugegeben, vielleicht auf dem Dorffest und in der Kneipe – da geht Hugo oder einfaches Bier gerade noch so. Aber was trinkt man im In-Lokal? Und ist der Laden überhaupt noch angesagt, wenn man dort ankommt?

Dem Internet kann man in solchen Fragen kaum vertrauen, da wechseln Hypes schneller, als man auf den Zug aufspringen kann. Sammelt man endlich genug Leute zusammen für ein „Harlem Shake“-Video, hat die Masse längst neue Tanzmoves (Twerking, Dabbing) oder posiert als Eule (Owling) bzw. kopfüberhängende Fledermaus (Batmaning) für Fotos.

Von der Twitter-Hashtag-Front will man gar nicht erst anfangen. Erinnert sich etwa noch jemand daran, dass ein #Blumenkübel (vor einem Altenheim fiel ein Blumenkübel nächtlichem Vandalismus zum Opfer, die Lokalpresse berichtete) tatsächlich als Top 5 Thema die Welt (!) beschäftigte?

Die große Ausnahme sind natürlich Katzen. Die haben sieben Leben und sterben auch als Internetphänomen nicht so leicht aus.

Der Trend wechselt nicht erst mit der Jahreszeit

Früher trieb man sprichwörtlich noch die Sau durchs Dorf. Doch war das damals eine kleine, enge Gasse mit Geschwindigkeitsbegrenzung für domestizierte Borstentiere, rast heute die Wildschwein-Formel-1 auf der freigegebenen, vielspurigen Breitbandautobahn.

Weil aber ewiges Motzen sowieso nicht weiterhilft und Rankings gerade noch trendy sind, hier die Top 3 zum Umgang mit dem Thema „Hype“:

1. Sei der Hype!

Einfach mal etwas komplett anderes machen. Spontan Menschen auf der Straße freundlich grüßen (Greeting), alte Freude einladen zum Abendessen (Abendbrot Challenge) oder witzige Anekdoten über Taschen aller Art auf Webseiten schreiben (Bagsiting).

2. Ignoriere den Hype!

Das neueste Fleischbrötchenrezept, der trendige Tanz oder innovative Sportschuhe mit Supiallesdrin-Funktion? Einfach ignorieren und andere machen lassen. Ist doch eh morgen schon wieder out.

3. Kontere den Hype!

Alle wollen jede Saison das Neuste? Warum nicht gegensteuern und etwas kaufen, das die Saison überlebt? Nichts einfacher als das. Dem verantwortungsbewussten Kind einen Hund schenken statt den kurzlebigen Zwergnager aus der kasachischen Trockensteppe. Eine Ledertasche fürs Büro kaufen und die Entwicklung der Patina über die Dauer genießen. Und natürlich sollte man die Großmutter nach dem alten Familienrezept fragen und dann nachkochen. Wobei halt, das ist schon wieder ein Hype: Omas-Rezepte-Cooking!