Der Bart muss ab

Der Bart muss ab

Scharfe Klingen für den Mann von heute

Erst war es nur ein Trend, aus dem Trend wurde eine Leidenschaft – und diese Leidenschaft soll jetzt wieder weg: der Bart. Was die Damenwelt noch vor einigen Monaten verzückte und den männlichen Kollegen neidische Blicke entlockte, scheint wieder aus der Mode – könnte man zumindest meinen, nachdem sich in letzter Zeit die Clips auf YouTube häufen, in denen sich bärtige Kerle von ihrer Gesichtsbehaarung trennen. Wie aber von einer Leidenschaft Abschied nehmen, wenn man sie mit so viel Geduld und Herzblut gehegt und gepflegt hat? Am besten durch eine neue Leidenschaft ersetzen. Um dem geliebten Bart einen standesgemäßen Abschied zu bereiten, greifen viele nun zum Handwerkszeug, das auch schon ihre Großväter frisch aussehen ließ.

Der Mann von Welt verzichtet wieder auf Pelz

Lange schon hat der Vintage-Gedanke Industrien wie die Musik- oder Inneneinrichtungsbranche befallen. Es soll aber nicht bei Schallplatten und Nierentischen bleiben, denn jetzt erobert er auch noch das männliche Antlitz. Rasierhobel (mit austauschbaren Rasierklingen – oder für die ganz mutigen auch Rasiermesser), -pinsel und -seife stehen wieder voll im Trend – passen ja schließlich auch ausgesprochen gut zu stylisher Hornbrille und wärmespendendem Beanie.

Die Hersteller sind vorbereitet und bieten verschiedene Rasieröle, scharfe Klingen, duftende Seifen und Cremes, spezielle Handtücher für die Rasur und eine Armada an After Shaves mit oder ohne Alkohol für den täglichen Kick mit der Klinge. Worin soll man in Zeiten des Zinstiefs sein Geld denn sonst anlegen? Die ehemals so verhasste morgendliche Pflicht wird zur zeitintensiven Kür, für die man auch gerne früher aufsteht. So mutiert ein überzeugter Rasiermuffel glatt noch zum kultivierten Gentleman.

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Stoppt den Klingenwahn

Drei, vier oder doch besser gleich fünf speziell geschliffene Sicherheitsklingen mit ausgefeilter Lamellentechnik und sanften Hautpflegestreifen? Nein, danke! Man(n) braucht heutzutage nur noch eine einzige scharfe Rasierklinge für die besonders männliche Rasur. Die liefert mit einem Rasierhobel zudem ein gründlicheres Ergebnis als mit Elektro- oder Systemrasierern.

Die investierte Zeit macht den Unterschied

Bei der eigentlichen Rasur gilt es dann, einen genauen Ablauf einzuhalten. Zuerst die Bartstoppeln mit warmem Wasser einweichen (oder vor der Rasur eine heiße Dusche nehmen), dann die Seife oder Rasiercreme zu einem festen Schaum aufschlagen, auftragen und zwei bis drei Minuten einwirken lassen – das alles nimmt in etwa so viel Zeit in Anspruch wie früher die gesamte Rasur. Zuerst wird einmal komplett in Haarwuchsrichtung rasiert. Danach erneut alles einpinseln und eine Runde gegen den Strich rasieren. Allein der Klang der Klinge, wie sie sich sanft ihren Weg durch die Bartstoppeln ebnet, entspannt in etwa so sehr wie das Gefühl nach einer Doppelstunde ganzheitlichen Yogas. Zum Abschluss das komplette Gesicht mit frischem, kaltem Wasser erfrischen – das schließt die Poren. Etwas After Shave oder eine feuchtigkeitsspendende Lotion runden die Rasur ab und lindern eventuelle Hautreizungen.

Eine noch sorgfältigere Rasur gibt es wohl höchstens noch beim Fachmann – und die sind wieder im Kommen. Barbiere, in schicken, auf Retro getrimmten Salons, setzen sich wieder in deutschen Großstädten fest. Dort kann Man(n) sich ganz entspannt, zwischen Tinkturen und Lotionen, den Bart stutzen lassen – ohne Blessuren in Kauf nehmen zu müssen. Ob blank rasiert, mit Stoppeln oder Vollbart: Keine Kontur bleibt hier dem Zufall überlassen. Von Meisterhand rasiert sahen Bärte immerhin auch zu Großvaters Zeiten schon sehr stattlich aus. Ein Handwerk, das nicht so schnell wieder verschwinden sollte – und eine Option für all diejenigen, die sich dann doch nicht komplett vom geliebten Gesichtshaar trennen möchten.