Das Revival der Aktentaschen
Der souveräne Mann hat seine Tasche im Griff (Aktenmappe: Leonhard Heyden).

Das Revival der Aktentaschen

Vor nicht allzu langer Zeit war die Messenger Bag – die meist diagonal getragene, einer Botentasche nachempfundene Umhängetasche – für trend- und stilbewusste Männer alternativlos. Die klassische Aktentasche war etwas, das Beamte mit sich herumschleppten oder in dem Lehrer die Klassenarbeiten ihrer Schüler versenkten. Nun aber entdecken Streetstyle-Fotografen wieder lässig-elegant gekleidete Männer, die ihre Hände nicht nur dazu nutzen, sie dekorativ in den Hosentaschen zu vergraben, sondern um eine geräumige, zumeist lederne Tasche zu transportieren – traditionell an zwei kurzen Henkeln.

Wenn es auf jede Sekunde ankommt, wie beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln, ist der Griff zum Kurzhenkel deutlich schneller als das (diagonale) Überziehen des Schultergurts – und da Kurzhenkel-Taschen in der Regel konstruktionsbedingt auch über stabile Bodenfüße verfügen, sind sie schnell umfallsicher abgestellt.

Auch Orthopäden sprechen sich für den händischen Transport aus: Besonders bei größeren, schwereren Taschen ist das Tragen in der Hand deutlich rückenschonender als ein Schultergurt, der durch die einseitige Belastung gerne mal zum Hochziehen der Schulter und damit zu asymmetrischer Körperhaltung verführt. Obendrein sollte die Hand mit der tragenden Rolle immer mal wieder gewechselt werden.

Strukturiert den Arbeitstag: eine Aktentasche mit zwei Hauptfächern und Organizer in der Vortasche.

Wichtigster Vorteil für viele Business-User ist jedoch ein ganz anderer: Wer seine Tasche in der Hand trägt, vermeidet unschöne Quetschspuren auf Sakko oder Jacke und hält die (gepolsterten) Schultern in Form.

Beste Basis für einen strukturierten Arbeitstag: eine Aktentasche mit zwei Hauptfächern und Organizer in der Vortasche.

Viel Platz fürs mobile Büro – und für die Nahrungsversorgung

Wer den ganzen Tag unterwegs ist, braucht Zugriff auf alles Wichtige. Hier punkten Aktentaschen mit cleverer Unterteilung und mehreren großen Hauptfächern: eine fürs mobile Office – mit passgenauen Fächern für Technik wie Laptop, Tablet und Kamera sowie A4-Aufnahmen für wichtige Papiere –, ein weiteres für Wasserflasche und Lunchpaket. In einem separaten „Notfall“-Fach finden Reservehemd, Schirm oder zusammengefaltete Regenjacke Platz.

Used-Look, Pull-up-Leder, Twill-Nylon?

Bleibt nur noch die Entscheidung fürs Material. Hochwertige Vollrindleder erhalten durch verschiedene Gerb- und Färbeprozesse sowie Zurichtungsmethoden ganz individuelle Oberflächen. In der Bildergalerie gibt’s eine Auswahl.

Die samtige Haptik und der kernige Used-Look entsteht durch Anschleifen der obersten Lederschicht (Leonhard Heyden, Serie Boston).

Geölte oder gewachste Leder entwickeln im Gebrauch eine individuelle Patina (Leonhard Heyden, Serie Dakota).

Einen besonderen Effekt bieten sogenannte Pull-up-Leder: Für diese Art der Bearbeitung eignen sich nur sehr weiche Leder, deren Oberfläche mit einer Wachs-Öl-Mischung behandelt wird (Leonhard Heyden, Serie Roma) …

… wodurch der gewollte Eindruck von Zweifarbigkeit und nach und nach eine individuelle Patina entsteht (Leonhard Heyden, Serie Salisbury).

Noch deutlicher herausgearbeitet ist der Two-Tone-Effekt dieses hochwertigen Pull-up-Leders (Leonhard Heyden, Serie Glasgow).

Wer sich an den im Laufe der Zeit entstehenden typischen Gebrauchsspuren stört und eine konstantere Optik bevorzugt, greift zu geschlosseneren Oberflächen. Vollrindleder mit transparentem Anilin-Finish (Leonhard Heyden, Serie Cambridge) wirken ebenfalls sehr natürlich.

Besonders weich und dennoch strapazierfähig sind sogenannte gemillte Leder, die durch trockenes Walken geschmeidig gemacht werden – zum Beispiel solche mit dekorativer, einheitlicher Narbenstruktur (Leonhard Heyden, Serie Berlin).

Sehr exklusiv sind dicke Vollrindleder mit einer ganz besonderen, aufwendig strukturierten Oberfläche: der Kreuzkrispelung – eine echte Tasche fürs Leben, die im Gebrauch immer schöner wird (Leonhard Heyden, Serie Tradition).

Wer es hingegen gerne ganz unkompliziert und strapazierfähig mag, greift zu Taschen aus alternativen Materialien – hochwertiges Kunstleder ist von Echtleder kaum zu unterscheiden (Leonhard Heyden, Serie Hannover).

Extrem leicht, sehr belastbar und stark im Trend sind Aktentaschen aus textilem Gewebe, wie diese hier in matt schimmerndem Twill-Nylon (Leonhard Heyden, Serie Soho).

Wie auch immer: Hand aufs Herz und die andere an die Tasche – an die Hand-Tasche, mit der Mann sich hervorragend emanzipieren kann.