Das harte Brot eines Restauranttesters

Das harte Brot eines Restauranttesters

Essen gehen ist eine schöne Sache – wenn man nicht dafür bezahlt wird. Wie?! Ja genau. Die landläufige Laiensicht mag eine andere, nämlich ziemlich genau die gegenteilige sein. „Lecker Essen gehen und auch noch Geld dafür bekommen, das ist ja wohl ein Traum“ – sagen die, aus denen manchmal nichts anderes als der Futterneid spricht. Denn als Restauranttester erlebt man nicht nur, aber auch Abende, um die man eigentlich nicht zu beneiden ist: arroganter Service, abgestandener Wein, lauwarmes Essen, lange Wartezeiten, falsche Rechnung – kann passieren, darf aber nicht passieren, muss man dann manchmal fast entschuldigend verbreiten.

Zwei ganze Einfamilienhäuser verspeist?

Von Genuss kann sowieso nicht immer die Rede ein, wenn man alles haarklein analysieren, weil später beschreiben muss. Das gilt besonders in der Sternegastronomie, wo in einem Gericht bis zu zehn verschiedene Komponenten um die Aufmerksamkeit buhlen. Das Ganze mal fünf, wenn man aus repräsentativen Zwecken ein Menü verkosten muss. Das dauert dann gerne mal viereinhalb Stunden. Dies eventuell nach einem ganz normalen Arbeitstag – weil es ja auch noch einen richtigen Broterwerb gibt. Von Restaurantkritiken allein können schließlich nur die wenigsten leben. Höchstens diejenigen, die damit prahlen, dass sie in ihrem Testerdasein schon zwei Einfamilienhäuser verspeist hätten. Aber sind ja nur Spesen.

Ratatouille – was sonst?

Dass man als Restaurantkritiker nicht erkannt wird, auch wenn man zwar immer unter falschem Namen, aber manchmal verdächtig allein am Tisch sitzt, könnte daran liegen, dass viele ein falsches Bild im Kopf haben. Sie unterliegen einem ähnlichen Irrtum wie bei Köchen: dass ein guter immer Leibesfülle haben muss. Viele der besten Köche aber sind gertenschlank, weil sie erstens vor lauter Stress kaum zum Essen kommen und, wenn doch, zweitens in ihrer Küche Kohlenhydrate (sprich: Sättigungsbeilagen) so gut wie keine Rolle spielen. Und auch große Restaurantkritiker können ein Strich in der Landschaft und tatsächlich dem notorisch schlecht gelaunten Monsieur Ego recht ähnlich sein. Aber am Ende des Pixar-Klassikers wird der alte Griesgram dann doch noch weich beim Lieblingsgericht aus der Kindheit, das dem Film seinen Namen gibt: Ratatouille! Das kann ein Gedicht sein, wenn es richtig gemacht ist, also das richtige Gemüse in der richtigen Reihenfolge geschichtet ist: Auberginen, Tomaten, Zucchini und Paprika – hallo, liebe Weicheier – auch grüne Paprika!

artikelbild_restauranttester

Rezepte? Nein danke!

Aber über Rezepte wollen wir hier eigentlich nicht plappern. Das überlassen wir mal schön den Hausfrauen, Blogger-Schnorrern und Teilzeit-Machos, die sich einmal im Monat für ihre Hipsterrunde die Schürze umbinden und beim großen Aufkochen die Nase kaum aus dem Buch kriegen, weil sie nicht mal wissen, wie man das Gelbe vom Ei trennt. Ein echter Kochkerl betrachtet Rezepte höchstens als Inspiration. Basta mit Pasta!