Das Handtaschen-Syndrom
Je geräumiger die Handtasche, desto gefragter die Disziplin der Trägerin. (Tasche: Leonhard Helden)

Das Handtaschen-Syndrom

Die Handtasche ist das liebste Accessoire der Frau. Allerdings: Manchmal macht sie’s uns ganz schön schwer.

Handy, Schlüssel, Geldbörse. Schminke, Taschentücher, Pflaster. Brille, Bürste. Nagellack (als Laufmaschenkiller), Zweitstrumpfhose (falls der Nagellack versagt). Handcreme, Desinfektionsgel, Parfum. Kopfschmerztabletten. Schokoriegel, Trinkflasche, Bonbons, Kaugummi … Was wir Frauen so alles in unseren Handtaschen unterbringen, erstaunt die Männerwelt immer wieder. Es ist zwar super, ständig für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Aber: Wir schleppen uns dabei krank. Handtaschen-Syndrom nennen Orthopäden und Physiotherapeuten das.

Kopfschmerzen und Wirbelblockaden

Unser mobiler Hausstand wiegt schnell mal ein paar Kilo. Das belastet die Schulter und verändert die Körperstatik. Die meisten Frauen wechseln ihre „Taschenseite“ nicht – anfangs, weil sie nicht dran denken … und irgendwann, weil es sich andersrum seltsam anfühlt. Das sind dann schon die Folgeschäden, verursacht von der einseitigen Belastung und dem permanenten unbewussten Schulterhochziehen, um das Herunterrutschen des Riemens zu verhindern. Obendrein wird beim Gehen die natürliche Armbewegung behindert – wir müssen unser gutes Stück ja irgendwie festhalten. So entstehen Verspannungen, Kopf-, Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen, Wirbelverschiebungen, Blockaden und Haltungsschäden … bis hin zu Arthritis.

Also zurück zur klassischen Handtasche am Unterarm? Schon besser – aber wer Pech hat, riskiert damit einen Tennisellenbogen. Die Tasche in die Hand nehmen? An sich okay – aber dann haben wir nur noch eine frei. Orthopäden empfehlen ja ohnehin: Die Last auf zwei Taschen verteilen, eine pro Hand. Also zwei Handicaps … und keine Lösung. Oder – wie Handtaschen-Boykotteurin Hella von Sinnen – nur noch im Onepiece (okay, bei ihr ist es eher doch ein ästhetisch fragwürdiger Overall) rumrennen und alles figurschmeichelnd in den Arm- und Beintaschen verstauen? Och, nö.

Sofortmaßnahme: Taschen-Detox

Lieber erst mal die Tasche umdrehen und alles auf den Tisch. Vermutlich kann die Hälfte dessen, was wir grad mit uns herumschleppen, künftig daheim bleiben. So ist zumindest kurzfristig für Entlastung gesorgt. Den Rest zurücksortieren. Bei viel Kleinkram ist eine separate Innentasche praktisch. Die wiegt zwar ein paar Grämmchen, aber sie macht Sinn, weil Ordnung. Denn eine ungesunde Begleiterscheinung von Handtaschenchaos haben wir hier noch gar nicht erwähnt: den Stress, wenn das routinemäßige Fischen nach Schlüssel/Geldbörse/Handy nicht umgehend erfolgreich war und sich im Kopf ein Horrorfilm von verlorenen Utensilien abspult … bis irgendwann kurz vor dem Hyperventilieren das gesuchte Teil dann doch noch gefunden wird.

Tragbare Alternativen

Die rückenschonendste Option ist ein Rucksack. Ist ja glücklicherweise wieder ziemlich angesagt. Der verteilt die Last gleichmäßig auf beide Schultern. Aber auch hier gilt: Nicht zu voll packen – denn dann beugen wir automatisch den Rücken nach vorne und buckeln.

Vor erneutem Hamstern schützt eine kompakte Messenger Bag mit langem, breitem Riemen, am besten mit rutschhemmender Schulterpolsterung. Die kann quer und damit rückenfreundlich getragen werden. Die Gurtlänge so einstellen, dass das Gewicht der Tasche auf der Hüfte sitzt. Und ab jetzt bitte immer mal wieder die Seite wechseln.

Wer sich jedoch keinen Tag ohne seine schicke Hobo oder Tote Bag vorstellen kann, dem seien zumindest diese Schulter- und Nackenübungen empfohlen. Alternativ: Regelmäßig ins Yoga, zum Fitness oder zur Progressiven Muskelentspannung, um beginnende Verspannungen auszugleichen. Und versuchen, die Tasche wirklich nur mit dem Nötigsten zu beladen. Obergrenze sollten je nach eigener Körpergröße 3–4 Kilo sein, jedes Gramm weniger ist gut für Schulter und Rücken.

Hilfe gegen Verspannungen

Akute Muskelverhärtungen lösen sich durch Wärme, beispielsweise in Form von Auflagen, die unter der Kleidung getragen werden. Wird die Verspannung chronisch, können sich Entzündungsprozesse entwickeln, dann lieber mit (kühlenden) Sport- oder Schmerzgels arbeiten. Aber bitte nicht wieder die Großpackung in die Tasche stecken – sondern die Tagesration in ein kleines Döschen abfüllen.

Alternative: eine Handtasche mit Rollen.

Stehen regelmäßig größere Transportmaßnahmen an, empfiehlt sich die Anschaffung einer Handtasche mit Rollen, im Fachjargon: Rollenpilotenkoffer. Dieses schöne Stück ist designt wie eine Handtasche und bietet wirklich Platz für alles, was frau unterwegs dabei haben sollte (oder will) – vom Laptop bis zur Wechselkleidung – und ist somit, wie der Name schon sagt, auch auf (Flug-)Reisen ein treuer Begleiter.