Bürodiebstahl und die Folgen
Hände weg von den Wertsachen der Kollegen! Smartphone und Geldbörse von Golden Head dann lieber wegschließen.

Bürodiebstahl und die Folgen

Dass man keiner Umfrage glauben soll, die man nicht selbst gefälscht hat, ist bekannt. Jedenfalls: Laut einer repräsentativen Umfrage der GfK, der Gesellschaft für Klau-, pardon, Konsumforschung, hat jeder Vierte schon einmal was aus dem Büro geklaut. Nur. Vermutlich sind es viel mehr – manche geben es halt nicht zu, andere wissen es vielleicht gar nicht. Denn selbst wenn man nur eine Büroklammer mitnimmt, gilt dies als Diebstahl. Beziehungsweise schöner gesagt im § 242 des Strafgesetzbuches: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen“, der … halt!

Ehe wir jetzt darüber philosophieren, was das für Konsequenzen haben könnte, zum Beispiel eine fristlose Kündigung, zählen wir erst mal die laut der Umfrage beliebtesten Mitbringsel auf:

  • Schreibgeräte, sprich Kugelschreiber & Co. (51 %)
  • Papier (27 %)
  • Büroklammern (26 %)
  • Umschläge (22 %)
  • Klebstoffe (13 %)

Weniger beliebt sind größere Dinge wie Aktenordner (6 %) oder Toner (1 %). Von Baggern, Betonmischern und Hebebühnen – sind zwar keine Bürogegenstände, aber auch Arbeitsgeräte – wissen wir nichts. Dafür aber, dass 47 % kein schlechtes Gewissen haben, 9 % öfter bis regelmäßig zulangen und Männer (28 %) natürlich schlimmer als Frauen (23 %) sind. Am meisten wird übrigens in Berlin (43 %) vor Hamburg (40 %) geklaut, am wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern (10 %) – aber da gibt’s ja auch nichts zu holen.

Der Arbeitgeber muss es nicht einmal beweisen

So, und jetzt wie angedroht zu den Konsequenzen. Wie gesagt: Selbst schon eine Büroklammer kann als Bürodiebstahl gelten und zur fristlosen Kündigung führen, wenn es der Arbeitgeber darauf anlegt beziehungsweise wenn er einen Grund sucht, den Mitarbeiter loszuwerden. Er muss den Diebstahl nicht einmal beweisen können – es reicht schon ein dringender begründeter Verdacht. Immerhin: Die Arbeitsgerichte drücken bei Lappalien eher mal ein Auge zu und berücksichtigen die allgemeinen Umstände, dass man sich zum Beispiel sonst nichts zuschulden hat kommen lassen.

Anders verhält es sich mit Bürodiebstählen der anderen Art, wenn also der eine Kollege den anderen beklaut. Rund 150.000 Fälle von Diebstahl am Arbeitsplatz werden im Jahr bei der Polizei angezeigt, wenn also etwa das Portemonnaie oder das Smartphone vom Schreibtisch verschwindet. Die wenigsten Fälle werden aufgeklärt – und auch der Arbeitgeber haftet in der Regel nicht. Für Privatsachen muss der Mitarbeiter selbst aufkommen und sie in abgeschlossenen Schränken oder Rollcontainern sichern – die der Arbeitgeber zur Verfügung stellen muss. Er haftet nur für Sachen, die für die Arbeitsleistung benötigt werden, ein Diensthandy zum Beispiel, die Lesebrille für Bildschirmarbeit oder aber auch Ausweise und Fahrkarten, die für den Arbeitsweg erforderlich sind.

Schmuck im Wert von 20.000 Euro weg? Selber schuld!

Das mit den Sachen, „die ein Arbeitnehmer zwingend, mindestens aber regelmäßig“ mit sich führt oder aber „unmittelbar oder mittelbar für die Arbeitsleistung“ benötigt, ist so eine Sache. So hat das Landesarbeitsgericht Hamm in einem besonderen Fall (AZ: 18 Sa 1409/15) entschieden, dass der Arbeitgeber nicht für den Verlust von Schmuck im Wert von 20.000 Euro aufkommen muss, der im abgeschlossenen Rollcontainer im abgeschlossenen Büro gelagert wurde. Es handelte sich eben um private Wertsachen.

Der beste Schutz vor Diebstahl am Arbeitsplatz ist eben immer noch ein gutes Verhältnis der Kollegen untereinander auf der einen Seite. Und auf der anderen: ein gutes Gehalt sowie Anerkennung durch den Arbeitgeber, damit der Arbeitnehmer erst gar nicht das Gefühl entwickeln kann, er würde sich sowieso nur das nehmen, was ihm eigentlich zustehe.