Mensch, ärgere dich nicht!

Mensch, ärgere dich nicht!

Ganz schnell ist er da, der zweite Weihnachtsfeiertag: Die Familie sitzt nach dem Essen beisammen und irgendjemand holt das alte Monopoly raus. Sechs Stunden später packt man entnervt – ohne Gewinner – zusammen, und alle sind sich einig: Brettspiele sind doof. Die Jugendlichen hätten sowieso lieber auf der Konsole gespielt, die Mutter war bei diesem langen Spielverlauf nebenbei schon mit dem Abendessen beschäftigt und der Vater und Großvater diskutierten über Hausregeln bei „Frei Parken“ sowie dem Direkt-auf-Los-landen. Der Schwager vergisst zudem jedes Jahr aufs Neue zu erwähnen, dass in den Regeln etwas steht, das verhindert, dass eine Partie so lang wird.

Ein Dauerbrenner ist keine Universallösung

Häufig liegt ein grundsätzlicher Fehler bereits in der Wahl des Spiels, denn nicht jedes Brettspiel ist für jede Gelegenheit das Passende – auch in Hinblick auf das Alter und Anzahl der Teilnehmer oder die Spieldauer. Für den Weihnachtsnachmittag empfiehlt sich vielleicht eher etwas mit einer Spieldauer von 30 bis 60 Minuten. Notfalls spielt man dann lieber eine zweite Runde und hat am Ende zwei Gewinner.

Oder man spielt gleich in Teams wie bei „Codenames“, dem Spiel des Jahres 2016. Es eignet sich für zwei bis acht Spieler ab zehn Jahren, und eine Partie dauert etwa 15 Minuten. Darf es ein bisschen länger dauern, bietet sich auch der Klassiker „Siedler von Catan“ an, bei dem bis zu vier Spieler – mit den passenden Erweiterungen bis zu sechs Spieler – etwa 45 bis 90 Minuten Spaß haben.

Pädagogischer Wert von Brettspielen

Beiden genannten Spielern ist gemein, dass sie längst gar kein klassisches Brett mehr haben, sondern sich immer wieder anders gestalten durch unterschiedlichen Aufbau. Bereits diese Spielvorbereitungen können für Kinder ein Ritual sein, bei dem sie Sorgfalt lernen, aber auch Kreativität entwickeln. Muss die Insel beispielsweise immer rund sein?

Beim Spielen selbst geht es hauptsächlich um den gemeinsamen Spaß. Nebenbei lässt sich aber auch logisches Denken trainieren und Kooperation erlernen. Längst führt in vielen Brettspielen heutzutage der Weg zum Sieg über die Zusammenarbeit und das Handeln mit den Mitspielern.

Während in den letzten Jahren der Umsatz mit Brettspielen etwa bei 400 Millionen Euro im Jahr lag, setzte die Video- und Computerspielindustrie mit 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2015 das Siebenfache um. Neben dem Aspekt des generationenübergreifenden miteinander Spielens spricht jedoch der Umgang mit Regeln als pädagogisch wertvolle Lektion für Brettspiele. Möchte man die Software betrügen, um zu gewinnen, reicht ein Cheatcode oder eine Schwachstelle in der Programmierung, die sich ausnutzen lässt. Mit dem Menschen, der einem am Spielbrett gegenübersitzt, gilt es sich bei Regeln und Verstößen direkt auseinanderzusetzen.

Fällt dem Großvater beim „Mensch ärgere Dich nicht!“ der Würfel auf den Boden, hebt man diesen natürlich auf. Stehen allerdings die Figuren plötzlich anders, heißt es erst einmal den Mut aufbringen, das dann auch anzusprechen.

Engelsgeduld

Auch Geduld lässt sich mit Brettspielen bei Kindern trainieren, denn schließlich ist wichtig, bei der Sache zu bleiben und nicht einfach während des Spiels vom Tisch aufzustehen. Spätestens wenn man ein begeisterndes Spiel wie das neue „Icecool“ (von Amigo für zwei bis vier Spieler ab sechs Jahren) auspackt, will auch niemand mehr weg: Figürchen aus Holz geschickt durch den 3D-Parcour schnippen und dabei Sprünge und Kurven vollführen, um Fische einzusammeln oder die anderen zu fangen. Da vergehen die 30 Minuten wie im Flug.

Spielt man an Weihnachten übrigens doch wieder Monopoly, sollten trotz Geduld unbedingt mal die Regeln gelesen werden. Denn dort steht: „Straßen, Bahnhöfe und Versorgungswerke ohne Besitzer können zum aufgedruckten Preis bei der Bank gekauft werden oder werden direkt unter allen Spielern versteigert, wenn derjenige, der auf dem Feld gelandet ist, nicht kaufen kann oder will.“ Diese Versteigerung wird bei allem Klimbim um Hausregeln immer vergessen, beschleunigt das Spiel jedoch ungemein. Zumindest etwas.