Bodenständig

Bodenständig

Wer heute zu gepflegten Pärchenabenden in geschmackvoll möblierte Altbauwohnungen eingeladen wird, stolpert in Dielen und Wohnzimmern relativ schnell über seltsame Gebilde. Poufs heißen die dicken, zumeist runden Mutationen zwischen Kissen und Hocker, ausgesprochen [puːf]. Sie dienen als mobile Sitzgelegenheit für überraschende Gäste (die dann auch mangels Lehne nicht gar so lange bleiben wollen), mit einem Tablett drauf werden sie zum Beistelltisch und die Katze nutzt sie dankbar als Ruheinsel oder Kratzbaum. Vor allem aber attestieren sie den Wohnungsinhabern Stilgefühl, Hipness, weltgewandte Lässigkeit und eine gewisse archaische Verbundenheit.

Schließlich gilt das Sitzkissen als eines der ersten Sofas überhaupt. Vermutlich aus dem Orient stammend, wo das Nomadentum die Flexibilität von Behausung und Möblierung erforderte – konnte doch die Stoff- oder Lederhülle nach Belieben mit Sand gefüllt und beim Umzug wieder entleert werden. Heute sind Poufs zumeist rund, die schönsten haben eine Strickhülle aus Riesenmaschen oder punkten mit farbenfrohem Patchwork. Es gibt aber auch welche in Knotenform, aus Filz und kunstvoll drapiert, uni oder im Patchwork-Style … und natürlich auch welche zum Selbermachen nach eigenem Geschmack und Können, gestrickt bzw als Kugel, Zylinder oder Quadrat genäht.

Warum die Dinger so heißen, ist nicht abschließend geklärt – vielleicht waren sie zuerst Betten (beim französischen Militär Pouf genannt) und sind erst später zu Kissen geschrumpft. Oder der Pouf ist eine Weiterentwicklung des Gesäßpolsters an Damenkleidern, das Bouffant genannt wurde. Das wäre zumindest ein klares Indiz dafür, dass der Pouf in gästefreien Zeiten der Dame des Hauses zusteht, als Parkplatz für Macarons, Bisquits und Pieds fatigués. Und die anschließend dringend notwendige Gymnastique.