Ausgegrillt – das ist am Rost verboten!
Hier ist am Rost alles in bester Ordnung.

Ausgegrillt – das ist am Rost verboten!

Viele lieben ihr verbranntes Fleisch auf dem Teller, manche hassen das stinkende Ritual – beim Thema Grillen scheiden sich die Geister. Aber es ist nun mal so: Kaum wird’s ein bisschen wärmer, schon kriechen die Menschen – meist Männer, obwohl in der Steinzeit Frauen dafür zuständig waren – aus ihren Höhlen und schmeißen den Grill an. Aber wo und wie oft ist Grillen überhaupt erlaubt? Und wer zahlt, wenn jemand fälschlicherweise die Feuerwehr ruft? Einige Verordnungen und Urteile zum Thema.

  • Grundsätzlich ist Grillen im Garten, auf der Terrasse und auf dem Balkon erlaubt – es sei denn, der Vermieter verbietet es. Wenn er dies im Mietvertrag so festgeschrieben hat und der Mieter dagegen verstößt, kann das eine Abmahnung oder gar Kündigung zur Folge haben. Allerdings darf das Grillverbot nicht nachträglich in den Vertrag aufgenommen werden.
  • Trotzdem darf nicht auf Teufel komm raus gegrillt werden, denn es gibt ja meist auch noch die lieben Nachbarn. Wenn sich die durch eine hohe Rauchentwicklung beeinträchtigt fühlen und darüber beschweren, kann sogar eine Geldbuße fällig werden. Auch ist es eher unangemessen, zweimal am Tag zu grillen. Wie oft okay ist, dazu gibt es in verschiedenen Kommunen verschiedene Urteile.
  • Das Landgericht Bonn zum Beispiel hat ein Urteil gesprochen, wonach von April bis September einmal im Monat gegrillt werden darf. Allerdings sollten die Nachbarn zwei Tage im Voraus darüber in Kenntnis gesetzt werden (AZ: 6 C 545/96). Und überhaupt: Gegrillt werden soll so, dass niemand beeinträchtigt wird. Viel Spaß bei der Party also!
  • Weitere Urteile gefällig? Das Landgericht Oldenburg erlaubt nur vier Grillpartys im Jahr (AZ: 13 U 53/02), das Landgericht Aachen immerhin zwei im Monat (AZ: 6 S 2/02). Ziemlich großzügig ist man in Bayerns Hauptstadt: Das Landgericht München I hat 16 Mal Grillen in vier Monaten akzeptiert (AZ: 15 S 22735/03). Umgerechnet heißt das also: jede Woche Grillen. Mahlzeit!
  • Es soll übrigens schon vorgekommen sein, dass sich die Nachbarn nicht beschwert, sondern gleich die Feuerwehr gerufen haben, wie hier zu lesen ist. Und wer zahlt den Fehlalarm? Auch das wird von Land zu Land und Kommune zu Kommune anders gehandhabt. Grundsätzlich aber ist es so: Wenn die Feuerwehr umsonst, aber nicht kostenfrei ausrückt, kommt die Gemeinde dafür auf. Angesichts zunehmender Finanzknappheit der Kommunen „lässt sich aber beobachten, dass häufiger versucht wird, den Verursacher eines Einsatzes für die Kosten haftbar zu machen“, sagt der Rechtsanwalt Martin Montag.
  • Anders sieht es bei Scherzanrufen oder natürlich Brandstiftung aus. Dann muss der Verursacher zahlen – sofern er ausgemacht werden kann. Und das kann teuer werden. In Berlin zum Beispiel kostet der Einsatz eines Löschfahrzeugs 4,70 Euro pro Minute, der eines Kranwagens 11,60 Euro.
  • Auch „grobe Fahrlässigkeit“ kann zu Buche schlagen, wobei das Auslegungssache ist und zu verschiedenen Urteilen geführt hat. Einem Mann, zu dem die Feuerwehr mit 12 Wagen und 47 Leuten ausrückte, weil sein Grill zu sehr qualmte, stellte die Gemeinde 1.467,03 Euro in Rechnung, weil er Grünabfälle verbrannt und so grob fahrlässig den Feuerwehreinsatz ausgelöst habe. Gegen den Kostenbescheid legte der Mann Widerspruch ein, weil er seinen vorschriftsgemäßen Grillofen nur mit trockenem Nadelholz angefeuert habe. Der Kreisrechtsauschuss wies den Widerspruch zurück. Erst das Verwaltungsgericht Koblenz gab ihm Recht (AZ 5 K 1068/08.KO), weil: dass bei so einem Ofen Rauch entsteht, „liegt in der Natur der Sache“.
  • Schlechter erging es einem Mann in Gießen. Er schüttete seine Holzkohle in die Glut, davon war auch etwas in den Papiersack geflogen, den er zurück in die Garage stellte. Dort kam es zu einem Schwelbrand, die Feuerwehr rückte aus. Kosten: 1.122 Euro, die der Mann bezahlen musste, weil er „grob fahrlässig“ gehandelt hatte, so das Verwaltungsgericht Gießen (AZ: 8 K 1163/12.GI)
  • Vielleicht empfiehlt sich also manchmal doch eher ein Gas- oder noch harmloserer Elektrogrill, auch wenn das für richtige Beef-Machos natürlich keine Herausforderung ist. Aber wenn’s dem Nachbarschaftsfrieden und der Haushaltskasse dient? Auch vor flüssigen Brandbeschleunigern aller Art warnt die Feuerwehr übrigens eindringlich.
  • Und zuletzt: Man kann ja auch auswärts grillen. Also nicht bei Freunden, sondern in öffentlichen Grünanlagen. Aber wer hätte das gedacht? Auch da gibt es von Kommune zu Kommune andere Bestimmungen. In der Regel weisen die Städte Grünflächen, wo gegrillt werden darf, sehr konkret aus, allerdings: In Berlin und München darf man auf solchen deklarierten Flächen auch mit dem eigenen (Einweg-)Grill grillen, in Stuttgart aber nur auf den installierten Grillstellen, eigentlich. Welche verbrannten Fleisch- und Fettreste des Vorgängers man dann als besonderen Geschmacksverstärker mitbekommt, ist ein anderes Thema. Für angehende Semi-Profis gibt es hier noch ein paar Apps zum Thema. Wir essen jetzt erst mal den Nudelsalat und wünschen: viel Spaß beim Grillen und guten Appetit!