Ausbrennen? Nein danke!
Burnout – ein Symptom mit vielen Gesichtern.

Ausbrennen? Nein danke!

Woran man einen Burnout erkennt – und wie man ihn vermeidet.

Jederzeit einsatzfähig, immer leistungsbereit und ständig erreichbar – für immer mehr Unternehmen scheint dies das Idealbild des Mitarbeiters zu sein, dem auch eine wachsende Zahl von Selbstständigen und Dienstleister nacheifert.

Ohne Frage sind insbesondere jüngere, leistungsfähige Berufstätige durchaus in der Lage, diesen Anforderungen zumindest eine Zeitlang tatsächlich zu entsprechen. Doch während sie auf der einen Seite das oftmals trügerische Gefühl der eigenen Unersetzlichkeit genießen, übersehen sie auf der anderen Seite, dass sie mit ihrer Arbeitseinstellung auf dem besten Wege sind, einen Burnout zu riskieren.

Einer 2012 vorgestellten bundesweiten Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland  zufolge leiden 11 Prozent der deutschen Erwachsenen unter chronischem Stress. Dieser wiederum gilt als wichtigste Ursache für einen Burnout, von dem immerhin 4,2 % der Bevölkerung betroffen sind. Zwar ist „Burnout“ entgegen der landläufigen Meinung kein klar umrissenes Krankheitsbild, sondern eher der Sammelbegriff für eine ganze Bandbreite von Erschöpfungserscheinungen. Doch sollte die heute teilweise inflationäre und oft vorschnelle Verwendung des Begriffes nicht zu dem Fehlschluss verleiten, es handele sich dabei nur um eine Modekrankheit. Burnout ist vielmehr eine echte Bedrohung für die physische und psychische Gesundheit.

Auch private Überlastung – beispielsweise durch den Zwang, ständig erreichbar zu sein und permanent sofort reagieren zu müssen – kann einem Burnout Vorschub leisten.

Der Burnout kommt selten plötzlich aus dem Nichts, sondern entwickelt sich in den meisten Fällen über längere Zeit und zeigt sich im Endzustand als umfassende emotionale, körperliche und geistige Erschöpfung. Am Anfang des Prozesses steht nicht selten die schon erwähnte Überzeugung, unersetzlich zu sein. Verbunden mit der Unfähigkeit, abschalten zu können und im Zusammenspiel mit persönlichen Dispositionen wie z.B. Perfektionismus kommt es abhängig von der persönlichen Belastbarkeit des Einzelnen zur chronischen Überforderung: Die Betroffenen sind den externen Anforderungen nicht mehr gewachsen und haben das Gefühl, trotz maximalen Einsatzes im „Hamsterrad“ zunehmend erfolgloser zu sein.

Anzeichen für erste Erschöpfungszustände sind Schlafmangel und Rastlosigkeit, Gereiztheit sowie wachsende Interesse- und Antriebslosigkeit. Es folgen die Reduzierung sozialer Kontakte, zunehmende Desillusionierung und Frustration, ein schwindendes Selbstwertgefühl, sinkende Leistungsfähigkeit bis hin zur „inneren Kündigung“, unterschiedlichste körperliche Probleme wie hoher Blutdruck oder Magenschmerzen und schließlich Verzweiflung und Depression.

Entgegen der früher vorherrschenden Ansicht, die Ursachen des Burnouts seien ausschließlich im beruflichen Bereich zu suchen, gelten heute auch andere Einflussfaktoren als Verursacher wie z. B. die allgemeine Beschleunigung der Lebensverhältnisse, der grassierende Hang zur ständigen Erreichbarkeit, Mobbing oder beruflich-private Doppelbelastungen (z. B. durch eine schwierige Vereinbarkeit von Studium und Familie).

Infolgedessen gilt es mittlerweile als anerkannt, dass neben den Berufstätigen im engeren Sinne auch Rentner oder Studenten von Burnout betroffen sein können. Denn auch sie setzen sich häufig Ziele, die nicht ihrer Leistungsfähigkeit entsprechen, und leiden anschließend unter der unbefriedigenden Aufwands-Ertrags-Balance und der daraus resultierenden subjektiven Erfolglosigkeit.

Weil sich Erschöpfung und Burnout in der Regel lange vorher ankündigen, kann man der Gefahr des Ausbrennens in den meisten Fällen entgehen, wenn man auf die Warnsignale von Körper und Psyche achtet und sie ernst nimmt. Stellt man erste Symptome fest, die auf eine Überforderung durch Stress hindeuten, ist kurzfristige Entlastung geboten. Freilich hat nicht jeder die Möglichkeit, z. B. als Student einen Ghostwriter zu beauftragen oder als Selbstständiger einen Auftrag kurzerhand auszulagern und so Zeit zur Erholung und Besinnung zu gewinnen. Sinnvoll und dringend zu empfehlen ist es deshalb, viel früher anzusetzen. Im beruflichen Bereich bedeutet dies beispielweise, frühzeitig ein persönliches Zeitmanagement zu entwickeln, Belastungen zu reduzieren, auf die Work-Life-Balance zu achten und Nein sagen zu lernen. Im privaten Bereich sollte man versuchen zu entschleunigen, aktiv zu leben statt gelebt zu werden, die eigenen inneren Antreiber zu erkennen und zu entmachten, das eigene Selbstbewusstsein unabhängig von äußerlichen Erfolgen zu entwickeln und sich eine gesunde Lebensweise anzugewöhnen.

Auch wenn diese Ratschläge manchem wenig originell erscheinen mögen: Was einfach klingt, stellt für viele eine echte Herausforderung dar. Sie ist leichter zu bewältigen, wenn man möglichst frühzeitig damit beginnt, den eigenen Arbeits- und Lebensstil gemeinsam mit anderen zu reflektieren und den eigenen Möglichkeiten gemäß aktiv zu gestalten statt rein reaktiv vorgeblichen äußeren Zwängen anzupassen. Die meisten von uns müssen erst wieder lernen, nein zum Stress und ja zum Leben zu sagen.

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