Aus dem Netz in die Pfanne

Aus dem Netz in die Pfanne

Essen auf Rädern

19.30 Uhr, Feierabend. Ab nach Hause. Blöd nur, wenn der Kühlschrank leer, aber der Hunger ist da. Schon wieder Thai oder Pizza vom Lieferservice reizt auch nicht – und so langsam geht der Spaß ganz schön ins Geld. Wie praktisch, wenn da schon jemand die Vorräte aufgefüllt hat. So abwegig ist die Idee gar nicht. Denn inzwischen kommt sogar das Essen aus dem Internet. Das spart die samstäglichen Supermarktbesuche. Einige Anbieter liefern mittlerweile ganze Gerichte – und das für rund sieben Euro pro Person.

Kochen für Laien und Profis – oder Laien, die gern Profis sein wollen

Wöchentlich eine gesunde, schmackhafte Wundertüte direkt nach Hause, zur Arbeit oder zum Nachbarn geliefert – und dann auch noch zum Wunschtermin? Das verspricht der Online-Anbieter HelloFresh. Er wirbt mit qualitativ hochwertigen Zutaten – und mit Starkoch Jamie Oliver. Der stellt gemeinsam mit einem Expertenteam die Rezepte zusammen: unkompliziert, lecker und gesund – dafür steht er mit seinem Namen. Außerdem wöchentlich neu und immer genau portioniert. Jetzt braucht man nur noch ein paar Basics wie Salz, Pfeffer oder Öl … und die Küchenschlacht kann beginnnen.

Auf den Rezeptkärtchen bekommt man ausführlich erklärt, was zu tun ist und wie lange was kochen muss. Für individuelle Ideen und Experimentierfreude ist da zwar kein Platz mehr. Dafür abeitet man mit Lebensmitteln, über deren Herkunft man anscheinend so gut wie alles weiß. HelloFresh nimmt einem also nicht nur den Gang zum Supermarkt ab, sondern auch die lästige Suche nach Rezepten – sofern diese als lästig empfunden wird. Nach ein paar Wochen häuft sich so eine ganz schöne Sammlung an. Die Menüs selbst gibt es in einer „Classic Box“ mit Fleisch oder einer Box ohne Tier – wer möchte, kann sich einen wöchentlichen Obstkorb zukommen lassen. Die Box selbst kommt dann einmal in der Woche mit wahlweise drei oder fünf verschiedenen Gerichten. Darunter sind bodenständige Gerichte wie Schweinefilet mit Kräuterkruste, aber auch Ausgefalleneres wie mexikanische Rindfleisch-Burritos.

Weniger prominente Unterstützung, dafür aber eine größere Auswahl an verschiedenen Kochboxen bietet Kochzauber. Auch hier wird laut eigener Aussage viel Wert auf eine hohe Qualität der Lebensmittel und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung gelegt. Damit alles mit gutem Gewissen in der Pfanne landet, sind die Gewürze selbst gemischt, der Fisch aus nachhaltiger Fischerei und das Fleisch nur direkt aus Deutschland bezogen. Rezepte und Kochanleitungen gibt es hier selbstverständlich oben drauf – gekennzeichnet nach verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Und natürlich ist alles vorportioniert.

Denkt denn keiner an die Umwelt?

Damit leicht verderbliche Lebensmittel den Versand der Boxen überstehen, werden die Boxen aller Anbieter mit Kühlakkus ausgestattet – so bleibt alles frisch und knackig. Damit die guten Sachen nicht verkommen, wenn man mal in Urlaub geht, kann man mit den Abos jederzeit pausieren. Und weil die meisten, die gesund leben wollen, auch an die Umwelt denken, haben sich die Dienste etwas gedacht: Zwar fällt bei jeder Box einiges an Verpackung an, die Anbieter nehmen diese jedoch zurück und entsorgen sie zumindest umweltgerecht.

Einfach mal mit fremden Federn schmücken

Die wöchentliche Lieferung geht aber auch mit einer Verpflichtung einher: Die Sachen müssen dann ja zeitnah zubereitet und gegessen werden. Wer also nur für eine besondere Gelegenheit (Geburtstag, Jahrestag, usw.) jemand mit einem schönen Dinner beeindrucken möchte, sich aber in der Küche nicht ganz sicher fühlt, kann sich hier ohne große Befürchtungen beweisen. Damit umgeht man auch unschöne Überraschungen im Restaurant. Also wird selbst gekocht – Liebe geht bekannntlich durch den Magen. Und um eben diesen zu füllen, bietet Dinnery einen Lieferservice für ganz besondere Anlässe. Darf’s vielleicht der gesottene Tafelspitz oder doch eher der Schafskäse im Sesammantel sein? Der Menükonfigurator bietet hier so einige Möglichkeiten aus verschiedenen Entrées, Hauptgerichten und Desserts. Vielleicht auch eine Idee, wenn Freunde kommen – dann kann man die Kochkünste gleich von mehreren Personen loben lassen. Viel zu tun hat man dabei aber eigentlich gar nicht: Die meisten Gerichte werden in Wasserbädern gegart. Nur beim Fleisch muss man wirklich den Herd anwerfen. Um die Gänge abzurunden, kann man noch aus verschiedenen Weinen oder Schokoladen auswählen.

Auf den Bauch gehört

Die gelieferten Gerichte sollen in erster Linie den Gaumen kitzeln – und gefälligst nur den. Die Anbieter wissen um die Nöte einiger ihrer Kunden und stellen sich darauf ein: Wer eine fleischlose Ernährung bevorzugt, von Laktoseintoleranz geplagt ist oder unter anderen Unverträglichkeiten leidet, findet detaillierte Zutatenlisten bei den einzelnen Gerichten.

Die Kochboxen sind eine schnelle, gesunde und einfache Zubereitungsoption für Menschen, die ohnehin schon wenig Zeit haben. Wirklich kochen lernt man jedoch eher nicht. Auch das Portionieren einer Mahlzeit dürfte kaum jemand nach diesem Erlebnis leichter fallen. Und Improivisationsfreunde und Spontaneität, die für viele den eigentlichen Spaß am Kochen ausmachen, sind hier nicht gefragt. Dafür kommt man vielleicht in den Genuss mancher Gerichte, die man sich sonst nicht zubereitet hätte. Daher ist das Ganze eher eine gesunde und abwechslungsreiche Alternative zu Fast Food oder Convenience-Produkten. Und ob die Portionsgröße wirklich satt macht, hängt von einem selbst ab. Zur Not gibt’s ja noch den Pizza-Lieferdienst – den Supermarkt an der nächsten Ecke …