Auf die Socken!
Auffallen geht auch mit einer tollen Tasche, zum Beispiel von Leonhard Heyden.

Auf die Socken!

„Mode ist das, was man selber trägt. Geschmacklos ist das, was andere tragen.“

Ja, der gute alte Oscar Wilde hatte schon flotte Sprüche auf Lager. Somit ist je nach Perspektive alles oder nichts modisch – oder geschmacklos. Womit wir auch schon am Punkt wären: bei den Socken, Steigerung den weißen Socken, am schlimmsten – der Rückkehr der weißen Tennissocken, die man seit geraumer Zeit beobachten muss. Um nicht zu sagen: Sie haben sich vom No-go zum Must-have entwickelt und werden uns vermutlich auch durch die nächste sommerliche Saison begleiten.

Selbst weiße Socken in Sandalen, lange Zeit Brandmarkung von gealterten Teutonen auf Urlaubstortour, gehen wieder. Naja, das aber eher bei Frauen, und dann dürfen es auch nicht irgendwelche sein, also Socken. Okay, die Adidas-Tennissocke läuft anscheinend immer, aber wer hochwertiger trendig unterwegs sein will wie auf den Laufstegen der Welt, der greife zu Socken von Vetements, die dann nicht auf dem Grabbeltisch für 7,59 Euro das Paar, sondern schon mal Richtung 100 Euro gehen können. Bei Gucci darf man je nach Dessin noch einiges drauflegen. Alles ist erlaubt: Rot, Grün, Blau, auch zu Peeptoes oder als Overknee. Und als Klassiker eben die weiße Tennissocke mit bunten Streifen, auch wenn der oder die Trägerin noch nie einen Tennisplatz von innen gesehen, ähm, betreten hat. Was sagt Oscar Wilde dazu?

„Nichts ist so gefährlich wie das Allzumodernsein. Man gerät in Gefahr, plötzlich aus der Mode zu kommen.“

Womit wir bei den Herren der Schöpfung wären. Die haben es wie immer nicht ganz so leicht, dürfen streng genommen beim Übereinanderschlagen der Beine in Talkshows zwischen schwarzem (Knie-)Strumpf und hochgerutschtem Hosenbein keine nackte Haut zeigen. Es sei denn, sie sind lässige Italiener, die mit nackten Füßen auch nach 18 Uhr – von wegen „no brown after six“, liebe Brexis! – in ihren braunen Lederschuhen stecken. Wie das auf Dauer den Füßen, den Schuhen und nach Entledigen derer vor allem dem Umfeld bekommt, ist eine andere Frage.

Aber weiße Socken? Da könnte man sich zwar immerhin auf den King of Pop berufen. Remember? Das Cover von „Off the Wall“ Ende der 70er? Hätte Michael Jackson seinen Moonwalk ohne weiße Socken überhaupt lostreten können? Vielleicht schon, kennen wir doch auch Pailletten-Glitzer-Dinger an seinen Knöcheln. Trotzdem waren Herren mit weißen Socken in schwarzen Loafern jahrzehntelang so sexy wie eine Horst-Schlämmer-Gedächtnis-Dauerwelle. Und das vielleicht nicht mal zu unrecht. Aber jetzt sind sie wieder im Kommen, nachdem wir schon den bunten Statement-Strumpf mit ansehen mussten, der ungefähr so lustig wie die Comic-Krawatte ist.

Viel mehr Möglichkeiten haben Businessmen ja nicht, ihre Individualität zur Schau zu tragen. Und mit hippen Hochwasserhosen oder notfalls hochgekrempelten Beinkleidern geht sogar noch viel mehr. Also, Männer! Zeigt her eure Strümpfe, zeigt her eure … Und Ladies, ja, holt euch die Söckchen. Allein schon wegen des schönen Wortes, das man kaum ernsthaft über die Lippen bekommt. Aber was sagt Oscar Wilde dazu?

„Mode ist so unerträglich hässlich, dass wir sie alle Halbjahre ändern müssen.“

Das macht Mut. Und lässt einen dann doch Klassiker bleiben, als der man nie etwas falsch machen kann. Dabei hilft auch die richtige Tasche. Natürlich in Schwarz, wie zum Beispiel diese hier.