Angriff der Plagegeister

Angriff der Plagegeister

Was für ein Sommerauftakt! Unwetter, schwüle Hitze und eine unbeständige Wetterlage, die dem angeblich launischen April so langsam den Rang abläuft. Und sind Starkregen und Hagel fürs Erste überstanden, rufen stehende Gewässer, Pfützen, Regentonnen und feuchtwarmes Wetter die nächste Plage auf den Plan: Stechmücken. Die fühlen sich in diesem Klima nämlich pudelwohl – und die hierzulande bekannten Arten bleiben schon lange nicht mehr unter sich.

Eingeschleppt und gefürchtet

Sie kommen aus den Tropen, sind aggressiv, zäh und nicht nur nachts unterwegs. Was hiesigen Forschern momentan viele Sorgen bereitet. Denn viele der eingeschleppten Tropenmücken sind äußerst effizient bei der Übertragung von Krankheiten, die es vorher bei uns gar nicht gab. Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber zählen dazu – und auch das Zika-Virus kann von ihnen übertragen werden. Dazu müssen die Mücken lediglich eine infizierte Person stechen, um das Virus in sich aufzunehmen.

Darf ich mich kurz vorstellen: Tigermücke mein Name

Die asiatische Tigermücke ist eine der neusten Mückenarten, die es nach Deutschland geschafft hat – Baden-Württemberg und Thüringen gelten als am stärksten betroffene Regionen. Sie kann bis zu 20 verschiedene Viren übertragen (darunter das Chikungunya-Virus, das West-Nil-Virus sowie Dengue- oder Gelbfieber), hat sich in südlichen Ländern Europas schon eingenistet und sich den dortigen Gegebenheiten angepasst. Denn eigentlich gelten ihre Eier als wenig kälteresistent, aber unter den derzeitigen Bedingungen kann eine neue Generation Mücken schon innerhalb von zwei Wochen schlüpfen.

Der Grund, warum es immer mehr fremde Mückenarten zu uns schaffen, ist nicht, wie oft angenommen, der Klimawandel. Um es über solch weite Strecken zu schaffen, sind die Tiere auf Menschen und Zierpflanzen als Transportmittel angewiesen – und diese Wirte reisen durch die fortschreitende Globalisierung öfter und weiter. Natürlich spielt hier auch der zunehmende globale Güterverkehr eine maßgebliche Rolle. Überleben die Tiere einige Winter in ihrer neuen Heimat, haben sie sich in dieser Zeit akklimatisiert und sind kaum noch zu besiegen.

Wie man selbst tätig werden kann

Aber die Lage ist nicht aussichtslos: Fachmänner bitten verstärkt um die Mithilfe der Bevölkerung, um neue Arten schnellstmöglich im Mückenatlas lokalisieren und Gegenmaßnahmen planen zu können. Insgesamt wurden in Deutschland seit 2007 vier invasive Arten (gebietsfremde Arten, die sich im neuen Gebiet ausbreiten) nachgewiesen – die asiatische Tigermücke sollte nicht die nächste werden.

Um den Forschern zu helfen, sollte man die Plagegeister fangen, einen Tag ins Gefrierfach stecken und dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V. zukommen lassen. Zerquetschte, zermalmte oder platt geschlagene Tiere sind allerdings unbrauchbar, da wichtige Körpermerkmale so nicht mehr zu erkennen sind. Deshalb ist es wichtig, die Tiere lebendig zu fangen und nicht in einem Briefumschlag, sondern in kleinen Päckchen oder Röhrchen auf die Reise zu schicken. Mehr Infos und die Empfängeradresse gibt’s hier.

Bevor die Mücken-Jagd jetzt aber zu einer bierernsten Geschichte verkommt, kann man sie auch als spannendes Abenteuer-Spiel für Kinder aufziehen. Mit der richtigen Entdeckerausrüstung (einfach unter dem Link die Rubrik Entdecker-Programm öffnen) mit Insektenbetrachter, Taschenlampe, Lupe und vielen weiteren nützlichen Gimmicks kann’s losgehen ins Feld – oder auch nur auf den Balkon. Und mit Sicherheit werden die kleinen Forscher mehr als nur ein paar Mücken aufspüren.

Wie man sich vor Stichen schützt

Wer sich vor Stichen schützen möchte, sollte am besten auf seinen Körpergeruch achten. Denn Schweiß zieht die lästigen Biester nahezu magisch an. Duschen hilft also – aber am besten mit parfümfreier Kosmetika, denn auch so mancher Duschgel-Duft wirkt verführerisch auf Mücken. Besonders die Beine sind als Blutquelle beliebt, darum auch nicht vergessen, vor dem nächsten Abend auf der Terrasse frische Socken anzuziehen – und weite Kleidung zu tragen. Mücken können nämlich ohne Probleme durch eng anliegende Kleidung stechen. Hausmittel wie Minze, Lavendel oder verschiedene ätherische Öle helfen zwar nicht zuverlässig, können die Mücken aber für geraume Zeit ablenken.

Auch kann man versuchen, die Brutstätten einzudämmen, denn den Mücken genügt oft schon eine kleine Wasserlache in einem Blumentopf. Regentonnen sollten also abgedeckt, Gießkannen nach Gebrauch komplett entleert und in Pools das Wasser regelmäßig getauscht werden. Blöd nur, wenn der Nachbar einen ungepflegten Tümpel im Garten hat. Dann bleibt nur noch auf den nächsten Herbst zu warten – denn dann hat man wieder ein paar Monate Ruhe vor den Biestern.