Alles wird gut!
Schluss mit Kurzzeitgeblubber! Ein Plädoyer für eine vielseitige und authentische Sprache.

Alles wird gut!

Die Älteren unter uns könnten sich noch daran erinnern, wenn es denn erinnernswert wäre. Das fantastische Boulevardmagazin „Leute heute“, das täglich im ZDF ausgestrahlt wird – wie gesagt, die Älteren könnten sich erinnern – wurde mal von der fantastischen Nina Ruge moderiert. Die hatte die Angewohnheit, Marotte, Unart, jede ihrer Moderationen mit einem „alles wird gut“ zu beenden. Irgendwann anno 2007 war dann alles gut, denn Frau Ruge zog sich aus „Leute heute“ zurück um sich mehr ihrem Mann zu widmen, dem millionenschweren Wirtschaftsboss Wolfgang Reitzle.

Das „alles wird gut“ sind wir trotzdem nie so recht losgeworden, sondern geistert seitdem als geflügeltes Wort durch die Nebenhöhlen. Inzwischen haben sich allerdings noch kürzere Varianten dieser nichtssagenden Phrase eingebrannt. Mit Fragezeichen versehen wird mit „alles gut?“ Interesse geheuchelt. Darüber mussten sich sogar schon „Stern“- und „Brigitte“-Kolumnistinnen auslassen, was beschämend genug ist. Jedenfalls: Als ehrliche Antwort auf die scheinbar nur gut gemeinte Frage, zu der sich das ach so besorgte Gegenüber gemüßigt fühlt, bliebe oft eigentlich nur ein: „Nein, nichts ist gut! Alles scheiße!“ Aber weil wir auch diesbezüglich amerikanisiert sind, sagen wir auf diese How-are-you-Variante ja doch nur ein ebenso oberflächliches „Danke, ja.“ Wenn wir etwas flotter nicht nur auf Twitter unterwegs sind vielleicht ein „läuft (bei mir)“.

Alles gut – also halt’s Maul!

Aber auch daran haben wir uns längst gewöhnt, derweil wir im Alltag mit einer neuen Abart kämpfen müssen – der ohne Fragezeichen, aber mit gefühltem Ausrufezeichen: „Alles gut!“ Das hört man immer häufiger dann, wenn man eine berechtigte Nachfrage, einen begründeten Einwand, eine ehrliche Anteilnahme hat – und wird mit zwei Worten als hysterische Zicke abgestempelt. Reg dich nicht auf! Mach dir keine unnötigen Sorgen! Was geht dich das an?! Du hast ja eigentlich recht, aber halt’s Maul! All das steckt in diesem scheinbar harmlosen, aber übel gönnerhaftem „alles gut“.

Ja gut – ums mal so zu sagen: Da sind wir nicht fine mit! Wir sind nämlich für eine vielseitige eine lebendige, eine, ähm, authentische Sprache ganz ohne Phrasen und müssen das Wording nochmal durchgehen. Alles cool in Istanbul? Also schittebön: obacht geben, länger leben – praktisch denken, Särge schenken. Bis jetzt waren wir ganz bei Ihnen, aber nun wollen wir uns nicht länger aufhalten. Denn am Ende des Tages muss das alles Sinn machen. Wirsing und bis Baldrian.