Ab in den Knast mit euch!

Ab in den Knast mit euch!

Nicht dass wir grundsätzlich etwas gegen Hochzeiten hätten. Die können eine wunderbare Erfahrung sein – so beim dritten, vierten Mal, wenn man dann wirklich reif für die Ehe ist. Das Problem ist nur: Warum muss man andauernd damit belästigt werden, von Menschen, die man nicht einmal kennt und die sich gegenseitig offensichtlich auch nicht, wenn sie sich verliebt, verlobt, verblödet zum ersten Mal das Jawort geben? Nicht nur, dass zur Hochsaison all unsere Lieblingslocations von Hochzeitsgesellschaften belegt sind, sondern dass man sich abends kaum noch in die Stadt traut, weil gerade immer irgendjemand seinen letzten freien Abend vor der Trauung feiert.

Speckröllchen und Bauchläden

Junggesellinnen- beziehungsweise Junggesellenabschiede also. Das eine ist kaum besser als das andere, es sei denn, die Mädels sind so vernünftig und wollen nur in Ruhe gemeinsam einen auf Wellness machen. Wollen die meisten aber nicht, sondern lassen sich T-Shirts mit „Germany’s next Top Wife“ über die Speckröllchen streifen, die von einem Bauchladen einigermaßen zusammengehalten werden. Aus dem dürfen sie dann Kondome oder Schnapsfläschchen an freilaufende Passanten verkaufen, falls sie nicht Küsschen, Handynummern oder Unterhosenetiketten sammeln müssen. Wer nicht mitspielt, ist Spießer, Spaßbremse und Hurensohn in einem. Je nach Alkoholpegel, denn zwischen den lustigen Aufgaben, die „Die Braut, die sich traut“ (auch ein schönes T-Shirt), erledigen muss, heißt es immer wieder: saufen, kreischen, saufen.

Und die Herren der Schöpfung? Saufen, grölen, saufen. Und haben ebenso witzige T-Shirts an zum Beispiel mit „STAR WARS“-Typo: „DAS WARS – Den Bund der Ehe ich eingehen muss.“ Und dann geht’s in den Puff oder wenigstens in eine Tabledance-Bar. Aber erst, wenn sich alle genug Mut angetrunken haben.

15 Wirte in Regensburg sagen: Nicht bei uns!

Und wo machen das die Herren – und die Damen auch? In der Altstadt. In den Kneipen. Und in den Bars. In Regensburg zum Beispiel, berühmt wegen seiner hohen Kneipendichte. Doch halt, was hören wir da? Einige wollen nicht mehr gute Miene zum bösen Spiel machen. Martin Stein, Wirt der Wunderbar, hat 14 weitere leidgeprüfte Gastronomen zusammengetrommelt und ein „Manifest“ aufgesetzt. Darin steht zum Beispiel: „Über die Jahre hinweg ist aus einem letzten Aufbäumen vor der Ehe eine Olympiade der Peinlichkeiten, der Aggression und der Zerstörungswut geworden.“ Deswegen wurde ein Aufkleber gestaltet, der an den Türen der Lokale das deutliche Signal gibt: Junggesellenabschiede unerwünscht. Wir müssen draußen bleiben.

Angst vor Einbußen haben die Regensburger Wirte nicht, im Gegenteil: „Jeder Euro Umsatz scheint drei Euro zerstörtem Mobiliar zu entsprechen“, sagt Martin Stein. Außerdem würden durch die Pöbeleien der Ballermänner und Ballerfrauen andere Gäste vertrieben. Mit dem Hausverbot berufen sich die Wirte auf ihr Hausrecht – und wer des Raumes verwiesen werde und sich nicht daran halte, begehe eben Hausfriedensbruch.

Geht doch nach Prag und Bratislava

Jetzt kommen uns aber doch fast ein paar Mitleidstränen wegen der armen, armen Menschen, die doch nur ein allerletztes Mal in ihrem Leben Spaß haben wollen. Man muss auch gönnen können! Zum Glück gibt es viele andere Städte und auch Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, ein Rundum-Sauf-und-Bums-Paket für Feierwütige zu organisieren. Besonders beliebt sind durchorgansierte Ausflüge in östliche Metropolen wie Prag, Krakau, Riga, Budapest und Bratislava. Aber auch Westenklassiker wie Mallorca, Amsterdam und Barcelona stehen auf dem Programm. Inklusive je nach Wahl Zwischenstopp am Schießstand (mit echten Handfeuerwaffen), damit Mann es noch mal so richtig krachen lassen kann, oder fingierter Festnahme durch die Polizei.

Das bringt uns auf eine rettende Idee: Weil ja bei diesen Junggesellenabschieden, liebevoll JGA abgekürzt, ohnehin so getan wird, als ob es nach der Hochzeitsnacht direkt ins Gefängnis gehe, empfehlen wir gleich den Junggesellenabschied in der Justizvollzugsanstalt, kurz: JGA in JVA. Und zwar alle, in Einzelhaft, für immer, ganz ohne Spaß! Damit wir uns endlich wieder in Ruhe und gepflegt in der Altstadt betrinken können.