5 Tipps gegen Feiertags-Wahnsinn
Man sagt ja Scherben bringen Glück – dem Weihnachts-Wahnsinn beugt man aber trotzdem besser vor.

5 Tipps gegen Feiertags-Wahnsinn

I’m dreaming of a white christmas … Ja, dann träum mal schön weiter, denn so groß ist die Wahrscheinlichkeit nicht, es sei denn, man wohnt im Alpenvorland. Aber wenigstens schöne, harmonische, einfach frohe Weihnachten hätte man nur zu gern. Sieht man doch im Fernsehen auch immer wieder, dass das irgendwie geht. Oder sind das etwa nur Märchen?

Tja, zumindest sind die Erwartungen meist so hoch, dass man am Ende nur enttäuscht sein kann. Und spätestens am zweiten Weihnachtstag steht Familienstreit auf dem Programm. Alle Jahre wieder können Psychologen und Therapeuten ein Lied davon singen. Deren Botschaft ist eigentlich ganz simpel – und wir versuchen mal, sie weiterzutragen, damit es nicht ganz so schlimm wird. Denn Anlässe für Auseinandersetzungen gibt es genug: Wer feiert wo mit wem, was gibt es zu Essen, und warum lag man mit den Geschenken schon wieder völlig daneben?

Regel Nr. 1: Geschenke absprechen

Wie? Dafür ist es jetzt auch schon wieder zu spät? Okay, dann halt nächstes Mal rechtzeitig in Erfahrung bringen, dass Opa längst keine Krawatten mehr trägt. Und Omas, Opas, Onkel und Tanten sollten sich vielleicht auch mal abstimmen, dass das einzige Kind nicht wieder zugeschüttet wird mit Plüschtieren, Spielzeug und Lernmaterialen, die sofort wieder in die Ecke gefeuert werden. So schwer es fällt: weniger ist auch hier manchmal mehr. Und wenn sich die Erwachsenen alle Jahre wieder darauf verständigt haben, sich diesmal wirklich nichts zu schenken und dann doch der eine oder andere „nur eine Kleinigkeit“ unterm Baum versteckt – doof das für diejenigen, die sich an die Abmachung halten und wirklich nichts haben. Konsequenz: Absolutes Geschenkeverbot für immer und alle!

Regel Nr. 2: Keine Zwangsgemeinschaften bilden

Experten sprechen von einem Nähe-Distanz-Problem. An Weihnachten ist Beisammensein Pflicht, wer aus der Reihe tanzt, ist schnell der Familienverräter. Wenn aber der spätpubertierende Nachwuchs bald genug von der verordneten Eintracht hat, dann sollte man ihn ziehen lassen, ehe er dafür sorgt, dass es für alle mit Friede, Freude, Eierkuchen vorbei ist. Es soll übrigens Familien geben, in denen sich auch zur Winterszeit nicht jeder grün ist. Das kann man ja bei der Platzierung unterm Baum und am Tisch berücksichtigen. Und ehe man Zwangsgemeinschaften bildet, nur um die große Idylle vorzutäuschen – man muss sich nicht den Kindern (oder auch Eltern) zuliebe nur für ein albernes Krippenspiel zusammenraufen. Lieber gleich ehrlich fortbleiben als die Ent-Täuschung zu zelebrieren.

Regel Nr. 3: Den Gastgeber nicht den Dummen sein lassen

Nicht nur der Ehrliche ist der Dumme, sondern meist auch derjenige, der die Veranstaltung ausrichtet, weil die ganze Verantwortung auf ihm lastet. Wir wollen jetzt keine Klischees von Schwiegermüttern bemühen – aber es gibt sie wirklich. Also diejenigen, die besonders als Gast alles besser wissen: Der Baum sieht aber mickrig aus. Früher war mehr Lametta. Und das soll ein Festessen sein? Idealerweise hat man abgesprochen, wie man sich Aufgaben teilt – Schmücken, Kochen, Aufräumen –, in dem aufrichtigen Bemühen, wirklich gemeinsam ein schönes Fest auszurichten. Und da es allen schmecken sollte, kann man auf persönliche Vorlieben und besonders Abneigungen Rücksicht nehmen, in dem man variabel und flexibel is(s)t. Sollten die Verhandlungen schon im Vorfeld scheitern, kann man die Schwiegermutter immer noch alles alleine stemmen lassen, damit man ja nichts falsch macht.

Dem Familienfrieden sicherlich zuträglich: die passenden Geschenke.

 

Regel Nr. 4: Sich Raum und Zeit geben

Tagelang aufeinander rumzuhacken, ähm, -hocken kann nur Ärger geben, Stichwort: Lagerkoller. Anstatt alles gemeinsam zu unternehmen, sollte man sich (und auch den anderen) Freiräume gönnen. Man vereinbart zum Beispiel zwei Stunden Mittagspause, gefolgt von zwei Stunden Nachmittagspause, die nahtlos in die Abendpause und in die Nachtruhe übergeht … Also zumindest ein bisschen Zeit für anderes kann man sich geben. Der Vater will nicht mit in die Kirche? Umso besser. Die Oma hasst den Zirkus? Dann soll sie ihren Bach hören. Die Kinder haben keinen Bock auf Spaziergang? Dann sollen sie halt ihre neuen Spielsachen ausprobieren oder falls umgekehrt: sollen sie sich an der frischen Luft austoben, derweil Papa ausprobiert, ob die neue Carrera-Bahn auch wirklich noch tut. Und die Mutter? Wollte die nicht mal eben nur Zigaretten holen? Wo ist die eigentlich?

Regel Nr. 5: Kontroverse Themen vermeiden

Zugegeben: Der Zwang zur Freude und Harmonie kann einem auf die Nerven gehen, wo man doch so schön über alles streiten könnte. Und über manches besonders. Aber das kann man eigentlich das ganze Jahr über, warum sollte man es dann ausgerechnet an Weihnachten tun? Nur weil man ausnahmsweise (zu) viel Zeit miteinander verbringt, die irgendwie totgeschlagen werden muss? Man kann zumindest versuchen, mal nicht die (nicht vorhandenen) Manieren der Kinder anzusprechen, teure Anschaffungen zu ignorieren, den Gang zur Kirche notfalls als Folklore zu tolerieren, anstatt über weltanschauliche Fragen zu debattieren. Und auch über Politik muss man sich nicht ärgern. Nicht einmal über Donald Trump – okay, der hat ja eh nicht viel mit Politik zu tun. Im Grunde gilt auch an Weihnachten das generelle Small-Talk-Gesetz, nur über unverfängliche Themen wie zum Beispiel das Wetter zu reden: Wer verdammt noch mal ist eigentlich Schuld daran, dass schon wieder kein Schnee liegt?!