Wie viele Hobbys braucht (m)ein Kind?
Vorfreude: Mathilda packt ihre Sachen fürs Ballett. (Sporttasche mit Funny Snap®: Scout, alle Fotos: Dorothee May)

Wie viele Hobbys braucht (m)ein Kind?

Schon vor der Geburt eines Kindes machen sich werdende Eltern oft Gedanken über diverse Babygruppen und suchen den Kontakt zu solchen. Ist das Kind dann geboren, geht es auch oft schon los: Babymassage, Pekip, Babyschwimmen und noch viele andere Kurse werden angeboten. Alle Eltern wollen natürlich das Beste für ihren Nachwuchs. Auch ich versuchte mich an Pekip und Babymassage. Ehrlich gesagt: meiner Meinung nach ist das Beste daran, dass man so mit anderen Eltern in Kontakt kommt.

Mathilda liebt Klavierspielen – und ist seit Jahren begeistert dabei.

Das richtige Hobby fürs Kind finden

Werden die Kinder dann älter, kommen andere Kurse dazu: Musikunterricht, Reiten, Ballett, Fußball. Aber kann man da schon von Hobbys der Kinder reden? Welches Kind kommt von sich aus mit 5 Jahren auf die Idee, Geige spielen zu wollen? Ich habe mittlerweile drei Kinder im Alter von 15, 10 und 6 Jahren und habe somit schon einiges an Freizeitaktivitäten durch (und mich durch die zahlreichen Bringdienste teilweise wie ein Taxiunternehmen gefühlt).

Man kann die Hobbys natürlich auch nach Hause verlagern. Da ich selbst Klavier spiele und wir das Instrument zu Hause haben, fragte ich meine große Tochter vor Beginn der Einschulung, ob sie Klavier lernen möchte. Sie bejahte und spielt das Instrument bis heute mit großer Begeisterung. Aber wäre das genauso gewesen, wenn ich sie zum Reiten geschickt hätte? Bei meinem heute 10-jährigen Sohn war das nämlich ganz anders. Auch ihn wollte ich zum Klavierspielen animieren – weiß ich doch als Lehrerin, dass sich das Erlernen eines Instrumentes durchaus positiv auf Konzentration etc. auswirken kann. Mein Sohn hatte allerdings überhaupt keinen Spaß an dem Instrument. Außerdem hatte er immer das Gefühl, er müsse seiner Schwester nacheifern.

Durchhalten – oder?

Zwar brachte ich meinen Kindern auch bei, nicht gleich aufzugeben und auch mal in etwas schwierigen Situationen durchzuhalten. Aber nach einem Schuljahr Klavierübung war dann Schluss. Er spielt eben lieber Fußball. Das ist jedoch kein weniger aufwendiges Hobby: Zweimal wöchentlich ist Training und einmal pro Woche findet ein Punktespiel statt. Alleine hierfür muss ich schon drei Mal hin- und zurückfahren (wir leben auf dem Land).

Unser Sohn muss sich austoben – Basketball geht glücklicherweise auch bei schlechtem Wetter.

Kinderhobbys sind Familiensache

Da sich bei meiner großen Tochter schnell eine gewisse Musikalität herausstellte, hat sie einmal die Woche Klavier, einmal Querflöte und einmal singt sie im Chor. Hinzu kommen dann natürlich auch noch diverse Auftritte, die sich besonders vor Weihnachten häufen. Tja, und meine kleine Tochter muss jedes Mal im Hobby-Taxi mitfahren, obwohl sie sich beispielsweise für Fußball so gar nicht interessiert. (Zum Glück geht es einigen Geschwisterkindern ähnlich und sie hat dann dort Spielkameraden.) Andererseits kam sie so in den Genuss eines Konzertes der Musikschule. Man muss dazu wissen, dass meine Kleinste einen starken Willen hat und genau weiß, was sie will. In der Musikschule fand sie also die Blockflöten-Gruppe so toll, dass sie dort die Lehrerin ansprach – und seither Blockflöten-Unterricht nimmt. Außerdem geht sie zum Tanzen.  Alle diese Termine müssen unter einen Hut gebracht werden. Hinzu kommt noch, dass die Kinder ab und zu natürlich auch Freunde/Freundinnen einladen und einfach spielen wollen.

Auch mal Langeweile zulassen

Ich persönlich finde auch ein Portion Langeweile ab und zu wirklich wichtig. Aus dem Spruch „Mir ist soooo langweilig“ entwickelt sich oft das interessanteste Spiel bei meinen Kindern. Als Eltern muss man diese Langeweile allerdings kurz aushalten und dem Kind nicht sofort als „Animateur“ zur Verfügung stehen. Natürlich sollten Kinder zu Freizeitaktivitäten ermutigt werden, denn nur Handy, TV, etc. sind sicherlich nicht förderlich. Es kommt immer auf das richtige Maß an.

Deshalb auch mein Appell an die Eltern: Achten Sie auf die Vorlieben ihres Kindes. Kein Kind sollte über längere Zeit in ein Hobby gedrängt werden. Auch sollten die Eltern ihre eigenen Vorstellungen nicht auf die Kinder übertragen. Ab Schuleintritt sind die Kleinen jeden Vormittag voll gefordert – da kommt es am Nachmittag auf die richtige Dosierung der Freizeitaktivitäten an.