Wie helfe ich meinem Trödel-Kind auf die Sprünge?
Wenn Kinder nicht so richtig in die Gänge kommen wollen, hat die Lehrerin und Mutter Dorothee ein paar Tipps.

Wie helfe ich meinem Trödel-Kind auf die Sprünge?

„Warte“ und „gleich“ sind bei uns in der Familie die Unwörter des Jahres. Zumindest bei meinem Mann und mir, wenn die Kinder uns mal wieder zum Warten auffordern. Vor allem morgens oder wenn ein Termin ansteht, ist es wirklich nervenaufreibend, wenn die Kinder in aller Seelenruhe „ich komme gleich“ sagen. Ist dann eines der Kinder zur Abfahrt bereit, muss ein anderes zur Toilette oder noch dringend etwas erledigen. Als Lehrerin muss ich natürlich pünktlich in der Schule sein. Vorher sollten die beiden Großen an der Bushaltestelle und die Kleine im Kindergarten sein.

Bei uns gestaltet sich der Morgen von daher auch schwierig, weil wir eigentlich alle Langschläfer sind. Und trotzdem müssen meine großen Kinder um 7 Uhr beim Bus und meine kleine Tochter um 7.15 Uhr im Kindergarten sein, damit ich um 7.30 Uhr in der Schule sein kann. Ich mag es morgens nämlich überhaupt nicht, erst kurz vor knapp auf der Arbeit zu sein. Gerade angekommen, erfährt man dann noch von einer Vertretung, stehen Eltern vor dem Klassenzimmer oder passiert etwas anderes Unvorhergesehenes. Resultierend aus meiner eigenen Erfahrung habe ich also ein paar Tipps im Umgang mit Trödel-Kids.

  1. Abends reden
    Am Vorabend in entspannter Atmosphäre besprechen, was am nächsten Morgen alles gemacht werden muss – dann kann sich das Kind schon darauf vorbereiten.
  2. Kleidung rauslegen
    Auch wenn am Abend vorher die Kleidung zurechtgelegt wird, erspart das einen Teil der morgendlichen Hektik.
  3. Rituale einführen
    Wenn jeder Morgen nach dem gleichen Schema abläuft, können sich die Kinder besser darauf einstellen.
  4. Ruhe bewahren
    Auch wenn es schwer fällt: je hektischer die Eltern, desto unruhiger wird das Kind … und der Morgen verläuft vermutlich stressig.
  5. Nicht nerven
    Ständige Ermahnungen helfen dem trödelnden Kind nicht. Besser: dem Kind ein Mal sagen, was Sie von ihm bis wann erwarten.
  6. Zeit einplanen
    Wenn Sie wissen, dass Sie einen oder mehrere Trödler zu Hause haben, planen Sie entsprechend Zeit dafür ein.
  7. Spielerisch angehen
    Aus den morgendlichen Tätigkeiten kann auch ein Spiel werden: „Wer ist zuerst angezogen?“, „Wer ist zuerst im Bad?“
  8. Anreize schaffen
    Locken Sie Ihr Kind mit diversen Anreizen. Ein Beispiel für den Weg zum Kindergarten: „Wer am schnellsten die blühenden Blumen gezählt hat, gewinnt“.
  9. Belohnungssystem etablieren
    Gestalten Sie einen Belohnungsplan mit Ihrem Kind. Immer, wenn die morgendliche Routine gut funktioniert hat, darf es einen Stern aufkleben. Am Ende der Woche oder bei einer bestimmten Anzahl von Sternen bekommt das Kind eine kleine Überraschung.
  10. Konsequent handeln
    Wenn der morgendliche Ablauf trotzdem mal nicht funktioniert hat, sollte das Folgen haben. Denn wenn Ihr Kind sich sicher sein kann, dass es bei verpasstem Bus mit dem Auto in die Schule gefahren wird – warum sollte es sich dann beeilen? Lassen Sie Ihr Kind mit einem späteren Bus fahren, die Konsequenzen muss es dann aushalten. Als meine Tochter sich einmal partout nicht anziehen wollte, habe ich sie im Schlafanzug ins Auto gepackt und bin zum Kindergarten gefahren. (Natürlich hatte ich ihre Kleidung dabei – und kurz vor dem Kindergarten wollte sie sich dann doch anziehen.) Seitdem ist es morgens viel besser geworden. Sie weiß jetzt, dass es keine leere Drohung ist, wenn ich sage: „Dann gehst du halt im Schlafanzug in den Kindergarten“.

Mit diesen Dingen bin ich eigentlich immer gut zurechtgekommen und bis auf wenige Ausnahmen trödeln meine Kinder nicht mehr – zumindest morgens, wenn wir es wirklich eilig haben. Anders sieht es natürlich aus, wenn wir eine lockere Verabredung haben. Da denken die Kinder wohl, dass es auf eine Viertelstunde hin oder her nicht ankommt …