What geht, App?
Schüler kommunizieren immer mehr elektronisch. Kein Problem für iKON: In dem Rucksack gibt es Fächer für Smartphone und Tablet.

What geht, App?

21.30 Uhr – und meine Frau arbeitet immer noch. Sie muss noch diverse E-Mails bezüglich eines Ausflugs beantworten, sagt sie. Sie ist Lehrerin an einem Gymnasium – und ich als ihr Mann bin schon einiges gewohnt. Von wegen Lehrer müsste man sein. Vorbereiten der Stunden, Korrigieren der Arbeiten, hier ne Konferenz, da ne Konferenz, Elterngespräche (zu jeder Zeit!), Abiprüfungen, etc.

„Mach doch ne WhatsApp-Gruppe und dann hat‘s sich“, sage ich. Ganz schlechter Vorschlag, denn jetzt werde ich erstmal über Stolperfallen wie den Datenschutz und so weiter aufgeklärt …

Nach der neuen EU-Verordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, dürfen Dienste wie WhatsApp gar nicht mehr geschäftlich oder beruflich genutzt werden, da sie personenbezogene Daten sammeln und Zugriff auf das Adressbuch des Nutzers haben.

Das Problem mit WhatsApp ist, dass trotz Verschlüsselung die Daten auf US-amerikanischen Servern mit weniger strengen Datenschutzauflagen gespeichert werden könnten. Das ist mit dem europäischen Datenschutzgesetz nicht vereinbar. Außerdem können die Daten auf Facebook weitergegeben und zu Werbezwecken genutzt werden. Auch werden persönliche Daten wie Mobilfunknummern für jeden Teilnehmer sichtbar. Daten wie Arbeitsblätter oder Fotos sind nicht urheberrechtlich geschützt und können, wie bei fast allen sozialen Netzwerken, weiterverwendet werden.

Ein weiterer nicht unerheblicher Umstand ist, dass durch solche Gruppen auch ein Gruppenzwang entstehen kann. Vielleicht will ja jemand gar nicht Teil der Gruppe sein, hat kein Smartphone oder einfach andere Gründe, die gegen die Beteiligung an einem Gruppenchat sprechen. Hier kann schnell ein Nährboden für Ausgrenzung und Mobbing entstehen.

Tja, dachte ich mir, da bleibt dann halt doch nur der Griff zum guten alten Telefon, zum Fax oder zur E-Mail. Letztere bitte aber nur verschlüsselt. Und wer trotzdem eine Kommunikations-App braucht, kann auf Anbieter wie Telegram oder Threema zurückgreifen, denn die halten Sicherheitsstandards ein.

Ist vielleicht eh besser … denn die ständige Erreichbarkeit ist seit der mobilen Revolution mehr Fluch als Segen. Und der Lehrer ist ja auch kein Freund, sondern eben nur der Lehrer. Und da ist eine professionelle Distanz doch gewünscht bis nötig, anstatt – wie auch schon bei einer Lehrerin geschehen – den Schülern per WhatsApp-Gruppe eine gute Nacht zu wünschen …